Rassistisches Billigfleisch

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Eine Kolumne zu schreiben, bedeutet in der Regel ja aktuelle Themen aufzugreifen und sie verdichtet und pointiert in den vorhandenen Platz zu pressen. Und dafür habe ich mir heute mal eher kleinere, harmlosere, nicht ganz so komplexe Themen vorgenommen: Rassismus, Corona, Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, Politik-Lobbyismus, Putin und so noch Platz sein sollte: Fußball.

Ich hoffe, dass mir bei diesen so leichten Themen auch das eine oder andere kleine Scherzchen einfällt, damit es besser verdaulich ist. So gut verdaulich wie ein Billig-Schweinenackensteak aus dem Hause Tönnies. Oder wie eine sympathische Bratwurst, die Schulter an Schulter von osteuropäischen coronainfizierten, prekär beschäftigten Mitarbeitern aus einem der 20 000 täglich getöteten Tiere lecker heraus- und zusammengepresst wird. Nun also sind Hunderte infiziert (Menschen, nicht Schweine) und Tausende in Quarantäne gesteckt. Und dass alles auch, damit es beim Grundrecht des deutschen Grillbürgers auf Billigfleisch bleibt.

Was das alles mit Rassismus zu tun hat? Nun ja, vielleicht, dass jener Clemens Tönnies, dieser Fleischfabrikant der Herzen, oder auch der "Kotelett-Kaiser", wie er von der BILD-Zeitung liebevoll genannt wird, vor einem knappen Jahr mit seiner Äußerung über den Afrikaner an sich, der bei einer Finanzierung von Kraftwerken und der damit verbundenen Elektrifizierung, endlich aufhören würde Bäume zu fällen und in der Dunkelheit Kinder zu zeugen, Aufsehen erregte. Dass er zudem nicht unerheblich in die Cum-Ex-Geschäfte verwickelt war, rundet das Bild ebenso geschmeidig ab, wie seine Männerfreundschaft zu Wladimir Putin, über den er in aller Romantik und Feinsinnigkeit einmal säuselte: "Er mag die Eisbeine gerne gepökelt".

Ich habe mich nach alledem nun entschieden, meinen nächsten Jahresurlaub nicht mit Clemens Tönnies zu verbringen. Stattdessen schenke ich ihm das Buch von Alice Hasters mit dem Titel: "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen: aber wissen sollten". Bei dieser Lektüre können in erster Linie weiße, privilegierte, hetero- sexuelle Männer sehr viel lernen. Also die, die niemals strukturelle Diskriminierung am eigenen Leib erfahren mussten. Also auch ich. Und dazulernen kann ja niemals schaden.

Ich habe übrigens auch dazu gelernt, dass mir die Fangesänge beim Fußballgucken gar nicht so sehr fehlen, wie zuvor angenommen. Das schreibe ich nur, um eben das Thema Fußball wie versprochen doch noch unterzubringen.

Und außerdem ist Clemens Tönnies ja auch noch Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke 04. Was die Sache allerdings nicht besser macht.

Dietrich Faber ist Kabarettist und Autor. Am 1. Juli startet in Gießen die von ihm moderierte Corona-Kulturshow mit Gästen. Alle weiteren Informationen unter www.dietrichfaber.de

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