Frühjahrsputz

Putzen mit Götze und der Kanzlerin

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Der Frühjahrsputz steht an. Unser Redakteur versucht sich an verschiedenen Tätigkeiten, scheitert am Schluss aber an unerwartetem Widerstand. Hätte er doch mal die Tipps der Kollegin befolgt.

Die Geschichte über den Frühjahrsputz sollte einmal von einem Mann geschrieben werden. So wurde es im Kollegenkreis beschlossen. Kein Problem, dachte ich mir. Da wird sich schon etwas finden. Dass es ein Selbsterfahrungsbericht werden soll, erfuhr ich erst später. Oder hatte ich nicht richtig zugehört? Die Meinungen dazu gehen ebenso auseinander wie die über mein Engagement in Sachen Reinigung und Instandhaltung.

Ich bin der Meinung, dass ich durchaus meinen Beitrag zu einer einigermaßen sauberen Wohnsituation leiste. Da meine Frau das aber ganz anders sieht, freute sie sich sehr über die von meinen Vorgesetzten angewiesene Unterstützung. Die Dunstabzugshaube weckt Erinnerungen Die Dunstabzugshaube habe ich schon öfter gereinigt. Also die Oberfläche. Ist an sich keine Aufgabe, über die man sich beschweren müsste. Wenn da nicht die unzähligen Gewürze, Mikrowellen-Eierkocher und sonstigen Kleinteile wären, die auf dem guten Stück stehen. Das bedeutet: Alles erst einmal abräumen. Drumherumwischen habe ich schon einmal probiert, hat nicht funktioniert.

Mein erster Blick fällt auf das Frühstücksbrettchen, das ebenfalls auf der Haube steht. Es zeigt eine Zeichnung des Spielzugs, der zum 1:0 und damit zum Weltmeistertitel für die DFB-Auswahl führte. Schürrle läuft die Linie runter, flankt zu Götze und der versenkt die Kugel unhaltbar. Und jetzt, denke ich, während ich so vor mich hin räume? Schürrle hat im Verein eine Leistungszerrung, Götze krank. Die Helden vom Maracanã lädiert. Aber das Brettchen hält die Erinnerung wach. Schön war’s im Sommer 2014. Mit Freunden nach Schlusspfiff ein Fläschchen geköpft und am nächsten Morgen an der Arbeit fachgesimpelt. Es war irgendwie eine ganz besondere Stimmung in der Redaktion. Nächstes Jahr geht es zur WM nach Russland. Höchste Zeit also für ein neues Frühstücksbrettchen.

Der kleine Helm eines "Star Wars"-Sturmtrupplers ist das letzte Teil, das ich von der Haube nehme. Ich sprühe und wische, während ich mir ausmale, wie er denn wird, der neue "Krieg der Sterne"-Film, der Ende des Jahres anlaufen soll

Gerd Chmeliczek

Der kleine Helm eines "Star Wars"-Sturmtrupplers ist das letzte Teil, das ich von der Haube nehme. Ich sprühe und wische, während ich mir ausmale, wie er denn wird, der neue "Krieg der Sterne"-Film, der Ende des Jahres anlaufen soll. Wird Luke Skywalker die junge Rey ausbilden? Was ist aus Kylo Ren geworden? Wie kommt Chewie ohne Han Solo zurecht?

Profitieren von der Größe Mit dem Putzergebnis bin ich nicht hundertprozentig zufrieden. Irgendwie will es nicht so richtig funkeln. Streifen ziehen sich über die Oberfläche. Kollegin pi hat ja unten im Zusatzstück ("Kondom überm Hahn") einen Tipp dazu hinterlassen. Habe ich leider erst gelesen, als ich anfing, den Artikel zu schreiben. Das Gute an meiner mittelmäßigen Arbeit: Es sieht keiner. Es sei denn, man ist mindestens 1,90 Meter groß.

Auf meinem Arbeitsplan steht nun der Keller. Wie immer. Darüber hatte ich doch schon geschrieben, erinnere ich mich, und trete einer Mischung aus leeren Kartons, ausrangierten und selten benutzten Fitnessgeräten, den Teilen des abgebauten Trampolins und den Resten der Weihnachts-Deko entgegen. Was würden wir eigentlich machen, wenn wir keinen Keller hätten? Wo würden wir das ganze Zeug aufbewahren? Den alten Entsafter oder den Trockenautomat für Obst? Die Zierblenden für die Reifen eines Autos, das längst einen anderen Besitzer hat? Oder wohin mit dem Fondue-Set, das noch unbenutzt im Regal steht? Haben wir irgendetwas davon in den letzten Jahren vermisst? Nein, haben wir nicht, stelle ich fest, während ich einen Berg von alten CDs aussortiere.

Ach, guck an "Das Rätsel des Master Lu" aus dem Jahr 1995. Was habe ich diese Grafik-Adventures geliebt. Und wie viele Stunden habe ich damit verbracht, knifflige Rätsel per Mausklick zu lösen. "Master Lu" habe ich durchgespielt, bin aber nie in den Genuss der Schlusssequenz gekommen. Kurz davor schmierte das Spiel immer ab. Wegschmeißen? Besser nicht. Ich habe ja noch nicht alles gesehen... Der Sandkasten - "born in the USA"? Während ich die Installations-CD für Windows 98 entsorge, schaue ich mich um. So richtig zufrieden bin ich auch hier nicht. Etwas ordentlicher sieht es zwar aus, aber ich habe vieles lediglich von A nach B geräumt. Und ein bisschen was weggeschmissen. Ein bisschen was. Ich kann mich schlecht von Sachen trennen. Kaum zu glauben, oder?

Der Sandkasen wehrt sich hartnäckig. Zahlreiche rundgedrehte Schrauben (von wem wohl?) lassen die Arbeiten stocken

Gerd Chmeliczek

Jetzt muss es aber mal richtig zur Sache gehen. Ich marschiere in den Garten. Der Sandkasten hat seine besten Tage hinter sich. Die Kinder spielen eh nicht mehr damit (oder sagt man darin?). Und ich hätte endlich wieder eine Fläche, auf der ich ohne nervende Ausweichmanöver den Rasen mähen kann. Ich trotze also dem permanenten Nieselregen und lege los. Im Radio läuft der Boss mit "Born in the USA".

Ob unsere Kanzlerin gestern nicht auch lieber im Garten gewerkelt hätte, als Donald Trump zu besuchen? Bestimmt. Der Sandkasen wehrt sich hartnäckig. Zahlreiche rundgedrehte Schrauben (von wem wohl?) lassen die Arbeiten stocken. Im Radio bemerken Supertramp: "It’s raining again" – ach was. Ein paar morsche Bretter später hat der Sandkasten aber verloren und liegt in seinen Einzelteilen vor mir. Vom Sand ist nicht viel übrig geblieben. Der Rest passt in eine Speisbütt. Aus dem Fenster trifft mich ein böser Blick meiner Tochter. Auch meine Frau ist unzufrieden. Beide hatten aber – bevor ich mich ans Werk gemacht hatte – Zustimmung signalisiert. Ob mir das denn überhaupt nichts ausgemacht habe, warum ich so unsentimental sei, werde ich gefragt. Am Ende des Tages bin ich also auch noch der Buhmann. Und alles nur wegen des Frühjahrsputzes. Das muss ich mir merken. Fürs nächste Jahr.

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Kondom überm Hahn

Böden, Fenster, Sofa, Bad, Toilette, Küche, Kühlschrank, Backofen, Gardinen, Schlafzimmer und so weiter – ein Frühjahrsputz, der seinen Namen verdient, ist ein echter Kraftakt. Manche Aufgaben halten einfach fürchterlich auf, und das Ergebnis überzeugt uns trotzdem nicht immer. Hier ein paar Tricks für besondere "Baustellen":

Vergilbte Gardinen – Das Zaubermittel Backpulver kann nicht nur Kuchen backen. Selbst vergilbte Gardinen werden wieder weiß. Ein Päckchen des Triebmittels mit in die Wäsche geben. Die Luftbläschen, die es bildet, lösen den Grauschleier.

Verstopfter Abfluss – Zwei Päckchen Backpulver hineinschütten und eine halbe Tasse Essig hinterher. Deckel wieder verschließen. Nach einer halben Stunde etwas heißes Wasser in den Abfluss schütten und es sollte wieder laufen.

Fensterputzen mit Weichspüler – Mein persönlicher Favorit. Für einen Fünf-Liter-Eimer mit lauwarmem klarem Wasser reicht eine erbsengroße Portion Weichspüler. Mit einem weichen Schwamm(-tuch) auf die Scheibe bringen und Verschmutzungen lösen. Danach das Wasser mit einem Hand-Abzieher abnehmen. Ecken und letzte Tropfen mit sauberem Küchenrollenpapier oder Geschirrhandtuch abtrocknen. Fenster sind ein Traum – und schmutzen nicht so schnell wieder an. Methode funktioniert auch für Spiegel.

Die fettige Dunstabzugshaube – Immer wieder ein Gräuel, nicht nur beim Frühjahrsputz. Edelstahlabzugshaube mit Backofenspray einsprühen. Nach Einwirkzeit von 15 Minuten Schaum und Fett mit Küchenrollenpapier grob abwischen. Anschließend schwache Spülimischung machen und Haube mit weichem Schwamm(-tuch) reinigen. Mit sauberem, trockenem Geschirrhandtuch abtrocknen. Sieht aus wie neu.

Der Kondomtrick – Hilft bei hartnäckigen Kalkverkrustungen. Ohne jede Mühe kann man einen Wasserhahn von den Ablagerungen befreien. Essig in ein Kondom füllen, über den Hahn ziehen und mit einem Gummi befestigen. Einwirken lassen. Abziehen, Hahn abwischen. Fertig.

Bad reinigen ohne Badreiniger – Wer keinen Badreiniger einsetzen will, kann zu einem Hausmittel greifen. Die Armaturen mit einer aufgeschnittenen Zitrone abreiben. Frischer Glanz, der auch noch gut riecht.

Die leidige PC-Tastatur – Ein Elend, was da so alles reinfällt. Die PC-Tastatur lässt sich sanft mit dem Bürstenaufsatz des Staubsaugers reinigen – mit der geringstmöglichen Leistung.

Staub wegföhnen – Hausstauballergiker müssen das hier überlesen, alle anderen können für das Reinigen von Heizungskörpern zum Föhn greifen. Feuchtes Handtuch unter den Heizungskörper legen und den Staub von oben nach unten föhnen. Der Schmutz fängt sich im Tuch.

Fett gegen Schuhstreifen – Schwarze Striemen auf dem PVC-, Laminat-, Linoleum- und auf Steinböden sind ein Ärgernis. Etwas Margarine auf den Putzlappen geben – weg. bei geringer Verschmutzung reicht ein Radiergummi.

Cola gegen Urinstein – Viele Toilettenreiniger sind sehr scharf. Cola löst Kalkränder und Urinstein in der WC-Schüssel ebenso effektiv und ist dabei umweltfreundlicher als die meisten anderen Mittel. Mit Backpulver mischen, in die Toilette schütten und – je nach Verschmutzungsgrad – eine halbe Stunde oder sogar über Nacht einwirken lassen. Abspülen, eventuell Bürste einsetzen. Fertig. (pi)

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