Promis von A(lfred Biolek) bis Z(uckowski) interviewt

Marburg (pm). Was ist ihr Lieblingsgedicht? - Eine Frage, die in den letzten Monaten Prominente von Alfred Biolek bis Rolf Zuckowski beschäftigte. Sie alle unterstützten nämlich das Buchprojekt "Mein Lieblingsgedicht. Prominente antworten. Von Elke Heidenreich bis Richard von Weizsäcker" im Rahmen des Seminars "Literaturvermittlung in den Medien" am Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften der Philipps-Universität.

Marburg (pm). Was ist ihr Lieblingsgedicht? - Eine Frage, die in den letzten Monaten Prominente von Alfred Biolek bis Rolf Zuckowski beschäftigte. Sie alle unterstützten nämlich das Buchprojekt "Mein Lieblingsgedicht. Prominente antworten. Von Elke Heidenreich bis Richard von Weizsäcker" im Rahmen des Seminars "Literaturvermittlung in den Medien" am Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften der Philipps-Universität. Dr. Erika Schellenberger-Diederich und ein Dutzend Studierende befragten über zwei Semester hinweg Personen des öffentlichen Lebens zu ihren Lyrikvorlieben und den persönlichen Geschichten dahinter: BAP-Musiker Wolfgang Niedecken fand über die Rolling Stones zu Brecht, Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker warb mit Schillers "Der Handschuh" als Siebenjähriger um eine Mitschülerin. Pünktlich zur Buchmesse im Oktober brachte der C. H. Beck-Verlag kürzlich den Band "Mein Lieblingsgedicht" mit einem Vorwort von Peter Härtling heraus.

"Ein wahres Abenteuer" war das von der irischen Anthologie "Lifelines" inspirierte Projekt, berichtet Erika Schellenberger-Diederich. "Einen Schnellkurs in Projektmanagement und Teamarbeit" bescheinigt Seminarteilnehmer Fabian Sandelmann. Schon bei der Auswahl der rund 100 Prominenten, die die Studierenden zur Mitarbeit einluden, habe es Abstimmungsbedarf gegeben, erinnerten sich die jungen Büchermacher. Schließlich habe die Liste der Beiträger auch Auswirkungen auf den potentiellen Leserkreis. "Frustrationstoleranz und Hartnäckigkeit" habe es manchmal gebraucht, um nach der spontanen Zusage des Journalisten Ulrich Wickert weitere bekannte Persönlichkeiten trotz mancherlei Skepsis zum Mitmachen zu bewegen. Die Betreuung der Prominenten und das Redigieren, Anordnen, Bibliographieren hat sich die Gruppe geteilt, während der Chefredakteursposten auf ein Zweierteam entfiel.

"Toll ist, dass wir alle unsere Kompetenzen einbringen konnten", schwärmt Tanja-Tamara Hartung. Und Fabian Sandelmann berichtet von den Freuden und Leiden beim Aufstöbern zitierfähiger Ausgaben, aus denen die Gedichte entnommen wurden. Der an der Uni eher selten mögliche Erwerb berufspraktischer Kenntnisse zum Beispiel hinsichtlich Covergestaltung oder Textkompetenz für Präsentationstexte habe sie zum Mitmachen animiert, begründet Teilnehmerin Katrin Diewock. "Wann hat man als Student denn schon einmal die Möglichkeit, während seines Studiums ein Buch in den Händen halten zu dürfen, an dem man selber mitgearbeitet hat?", war die einhellige Aussage der Gruppe.

Der karitative Hintergrund wirkte ebenfalls motivierend: Der Löwenanteil des Erlöses kommt der Frankfurt Book Fair Literacy Campaign (LitCam) zugute, die sich weltweit und auch in Deutschland in Bildungs- und Alphabetisierungsprojekten für benachteiligte Jugendliche einsetzt.

"Ich bin immer noch begeistert von der Disziplin und Fähigkeit zur Selbstorganisation innerhalb der Projektgruppe", resümiert Schellenberger-Diederich, "denn sogar zwei komplette Semesterferien hindurch haben wir weitergemacht". Gearbeitet habe man oft auf der Gartenbank der Dozentin und hinterher gemeinsam gekocht. Nach allen Höhen und Tiefen des Büchermachens, nach allem Abwarten und manchmal dem Gefühl der Überforderung, nach allen arbeitsintensiven und freundlichen Runden, die der Band in und außerhalb der Universität machte, sind sich alle einig: "Wir würden’s noch einmal machen"!

Die Studierenden mit Erika Schellenberger-Diederich stellen "Mein Lieblingsgedicht" an diesem Mittwoch um 20 Uhr in der Waggonhalle in Marburg vor. Neben literarischen Kostproben berichten sie vom Entstehungsprozess und der Korrespondenz mit den Prominenten.

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