Privatzoo bietet Nervenkitzel mit Alligatoren

Friedberg (ddp). Mit einem Satz schwingt sich René Renz auf einen Alligatorbullen. Er sitzt auf dem rund drei Meter langen Reptil, als wäre es ein Pony und nicht eine riesige Raubechse. Renz leitet die "Alligator Action Farm" in Ockstadt. Der Privatzoo besitzt nach eigenen Angaben die größte Alligatorengruppe Europas.

Geboten wird Nervenkitzel der besonderen Art: Besucher können dort mit den Echsen schwimmen oder ihren Kopf in das geöffnete Maul von Alligator "Ali" legen.

An diesem Nachmittag sind keine Besucher in dem ehemaligen Gewächshaus, in dem sich die Farm befindet. Es geht ruhig zu. Die Tiere liegen leicht apathisch in ihren Gehegen, nur Alligator "Hannibal" wird von Renz getriezt. Der Bulle soll sich bewegen. "Hannibal" ist 21 Jahre alt und aus Sicht von Renz "ein bisschen zu fett". 350 Kilo wiege das Tier. "Sein früherer Besitzer hat ihn mit zu viel Schweinefleisch gefüttert", sagt der Tiertrainer, "das ist in etwa so, als würden Menschen nur Sahnetorte essen".

Besucher der Farm dürfen sich bei einer Führung zu den Tieren ins Gehege trauen. "Da kommt es schon mal vor, dass man über einen Alligator steigen muss", berichtet Renz.

Er deutet auf einen langen Tisch auf der rechten Seite des Geheges: "Hier veranstalten wir Kindergeburtstage." Drei Meter entfernt aalen sich die Alligatorweibchen "Mama" und "Trudnan" in einem Teich. Einen Zaun zwischen Tisch und Becken gibt es nicht. Gefährlich sei das nicht, versichert Renz: "Die Tiere sind zahm." Passiert sei noch nie etwas.

Der Bereich für ganz mutige Besucher liegt in einer anderen Ecke des Zoos: ein Schwimmbad. Wer will, kann dort gemeinsam mit den Raubechsen schwimmen - unter Aufsicht natürlich. "Am Anfang legen wir den Menschen das Tier in die Arme und wenn sie besonders mutig sind, können sie sich von ihm durch das Becken ziehen lassen", erzählt Renz.

450 Euro koste die Aktion, die weltweit einzigartig sei. Lediglich in Namibia gebe es noch die Möglichkeit, mit Krokodilen zu schwimmen. Die Touristen seien dort aber zur Sicherheit durch sogenannte Haikäfige von den Alligatoren getrennt, sagt Renz und räumt dann ein, dass doch immer ein Restrisiko bestehe.

Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos, hält wenig von der Offerte. Wenn die Tiere zahm und das gemeinsame Schwimmen entsprechend abgesichert seien, "geht das vielleicht, denn der Mensch passt nicht in das Beuteschema des Krokodils", sagt Niekisch. Er selbst sei jedoch kein Freund von Krokodilshows. "Solche Tierdarstellungen gehörten ins vorvorige Jahrhundert." Die Tiere sollten vielmehr so dargestellt werden, wie sie wirklich sind. Auf Alligatorfarmen könnten Reptilien nicht ihr gesamtes Verhaltensrepertoire ausleben: "Man sollte nicht vergessen, dass Krokodile Wildtiere sind, die dort nur wie Haustiere gehalten werden", gibt der Zoodirektor zu bedenken.

Neben den Mississippi-Alligatoren hält Renz auf seiner Farm zahlreiche Kaimane. Einer von ihnen ist "Sammy", der vor 15 Jahren einen Baggersee in Dormagen unsicher machte. Daneben leben in Ockstadt Pythonschlangen, Schildkröten und Vogelspinnen. Die meisten Tiere stammten aus Privathaushalten. Einer der Alligatoren sei von seinem früheren Besitzer im achten Stock eines Plattenbaus gehalten worden. "Der Mann hat das Tier mit zwei Mäusen pro Monat gefüttert", erzählt der Tiertrainer, "der Alligator war total unterernährt."

Seit acht Jahren gibt es die Farm in Ockstadt. Renz selbst stammt aus einer Zirkusdynastie, wie er sagt. Er sei sein ganzes Leben lang Tiertrainer gewesen. Bevor er mit großen Reptilien arbeitete, habe er Bären trainiert. Auf die Reptilien sei er durch seine Frau gekommen, die sieben Alligatoren quasi als Mitgift in die Ehe gebracht habe.

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