Testort statt Trinkhalle: Passanten stehen vor einem Kiosk im Stadtteil Bockenheim, in dem ein Internist einen Corona-Schnelltest anbietet. FOTO: DPA
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Testort statt Trinkhalle: Passanten stehen vor einem Kiosk im Stadtteil Bockenheim, in dem ein Internist einen Corona-Schnelltest anbietet. FOTO: DPA

Private Kontakte als Stellschraube

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Vorerst gibt es in Hessen keine Veränderung der Corona-Maßnahmen. Dies teilte Ministerpräsident Volker Bouffier nach der Video-Aussprache mit Kanzlerin und Ministerpräsidenten zur Lockdown-Halbzeit am Montagabend mit. Doch die Zahlen müssten runter. Auch wenn die Entscheidungen zu den Regelungen vertagt wurden, ist jetzt schon klar: Das größte Problem bleiben die privaten Treffen.

Wir hatten eine intensive Debatte. Die Dynamik des Anstiegs ist gebrochen. Doch die absoluten Zahlen sind immer noch zu hoch", sagte Bouffier in der Pressekonferenz. Da es offenbar gestern keine Einigung gab, sollen nun am Mittwoch nächster Woche einige Entscheidungen getroffen werden. Bouffier nahm erneut die privaten Treffen in den Blick: "Sie haben nur die Chance dort, wo Menschen zusammentreffen, korrigierend einzugreifen. Wir wollen schauen, ob wir die Kontakte dort weiter beschränken." Er erneuerte seinen Appell, auf persönliche Treffen wenn möglich zu verzichten. In der "Hessenschau" betonte der Ministerpräsident, dass es für Regelungen ab dem 1. Dezember "keine Salami-Taktik geben soll". Nächsten Mittwoch soll es daher einheitliche Beschlüsse geben - und dies laut Bouffier sowohl für den Dezember als auch für den Januar. "Ich sehe nicht, dass es zu größeren Öffnungen kommt", sagte der Ministerpräsident. Die Gefahr sei, dass dann das Pandemiegeschehen wieder durch die Decke schieße. Er sprach sich allerdings für die Fortführung des Präsenzunterrichts an den Schulen aus - das sei sehr wichtig, gerade auch für bildungsferne Schichten. Nächste Woche erwartete er "keine grundsätzliche Kurskorrektur". Problematisch sei nach wie vor, dass bei 70 bis 80 Prozent der Neuinfektionen mit dem Coronavirus nicht klar sei, wo sich die Menschen angesteckt haben.

Wirtschaft fordert Perspektive

Die Wirtschaft fordert unterdessen in der Corona-Krise eine längerfristige Strategie der Politik. Der Fokus allein auf den Umgang mit der akuten Pandemie-Situation reiche nicht aus, sagte Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), gestern. Die Corona-Maßnahmen müssten über die Wintermonate durchhaltbar sein. Hessens Wirtschaft brauche eine Perspektive nach dem Teil-Lockdown im November, forderte Flammer. Ein Schlittern von einem Lockdown in den nächsten gelte es unbedingt zu vermeiden.

In Hessen sind am Montag innerhalb eines Tages nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) 1086 weitere Coronavirus-Infektionen registriert worden. Damit stieg die Zahl der Fälle seit Beginn der Pandemie auf 65 479 (Stand 16. 11. 2020, 0 Uhr). 873 Todesfälle werden inzwischen mit dem Erreger in Verbindung gebracht, das sind 9 mehr als am Sonntag. Nach den jüngsten Zahlen des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin vom Sonntag (Stand 12.15 Uhr) lagen hessenweit 284 Corona-Patienten auf Intensivstationen. Das entsprach 17 Prozent aller belegten Intensivbetten. Insgesamt sind 80,05 Prozent der Intensivbetten in Hessen belegt. 1

Tourismus beklagt mauen September

Die Beherbergungsbetriebe zählten im September nur knapp die Hälfte der sonst üblichen Gästezahl und 38 Prozent weniger Übernachtungen als im September 2019, wie das Statistische Landesamt am Montag in Wiesbaden zum Tourismus mitteilte. Die Hotels, Gasthäuser und Pensionen zählten 817 200 Gäste und 2,05 Millionen Übernachtungen. Auch beim Vergleich der ersten drei Quartale sieht es für den Tourismus düster aus: Von Januar bis September 2020 empfingen die Beherbergungsbetriebe 5,8 Millionen Gäste - das ist rund die Hälfte weniger als ein Jahr zuvor.

In der Gastronomie lag der Umsatz im September 2020 um rund 34 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Besonders bei den Caterern und Kantinen brachen die Erlöse ein. In den ersten drei Quartalen machten Gastronomen mit ihren Restaurants, Gaststätten oder Kneipen ein preisbereinigtes Umsatzminus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von mehr als 37 Prozent.

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