"Prinzen" verwandelten Dankeskirche in ein wogendes Konzerthaus

Bad Nauheim (hau). Zum Auftakt des ungewöhnlichsten Konzertes, das die Dankeskirche wohl je erlebt hat, machte es Pfarrer Rainer Böhm ganz schön spannend. "Prinzen gibt es doch nur im Märchen - denkt man", hob er zu seiner Begrüßung im proppenvollen Kirchenschiff an, erzählte von Fröschen und verbotenen Küssen, dem Mann im Mond, Millionären, Schweinen und Fahrrädern - und augenblicklich standen sie leibhaftig da: "Die Prinzen"!

Bad Nauheim (hau). Zum Auftakt des ungewöhnlichsten Konzertes, das die Dankeskirche wohl je erlebt hat, machte es Pfarrer Rainer Böhm ganz schön spannend. "Prinzen gibt es doch nur im Märchen - denkt man", hob er zu seiner Begrüßung im proppenvollen Kirchenschiff an, erzählte von Fröschen und verbotenen Küssen, dem Mann im Mond, Millionären, Schweinen und Fahrrädern - und augenblicklich standen sie leibhaftig da: "Die Prinzen"!

Wie aus dem Nichts waren sie auf die rückwärtige Empore gelangt und sangen glockenhell, wie sie es in ihrer Kinderstube bei den Thomanern in Leipzig und dem Dresdner Kreuzchor gelernt hatten: "Alta trinita beata". Der 600 Jahre alte Choral schwebte in transzendentaler Harmonie durch den Raum. Kaum war der letzte Akkord verklungen, verwandelte sich atemlose Stille rundum in einen einzigen Rausch aus Begeisterung. Ihm folgten zweieinhalb Stunden, in denen das erhabene Kirchenschiff in schrillen Farben erstrahlte und wogte in mitreißender Musik und Bewegung auf allen Rängen. Am Ende wollten die Ovationen und Zugaben nicht aufhören - bis sich der Kreis schloss und "Die Prinzen", diesmal im Altarraum, ihrem Publikum den Mendelssohn-Choral "Verleihe uns Frieden" mit auf den Heimweg durch die Mondnacht gaben.

Was sich dazwischen abspielte, hatte mit Chorälen nichts zu tun, wohl aber mit vorzüglichen Stimmen, hervorragender Instrumentierung und blendender Lichtshow in einem Gotteshaus mit phänomenaler Akustik. "Die Kirchentour ist auch für uns sehr speziell", merkte Sebastian Krumbiegel, der Tenor mit dem Igelschopf, an und unter Applaus: Selbst in Gotteshäusern dürfe gelacht werden. Sprach’s, setzte sich an den Konzertflügel und spielte "ein fast biblisches Lied": "Der Prinzen" Hommage an den Garten Eden und die Angebetete "Zurück ins Paradies".

Zuvor hatten der jüngste "Prinzen"-Hit "Frauen sind die neuen Männer" und mit "Gabi und Klaus" das Lied, das ihnen vor 19 Jahren den Durchbruch brachte, den Bogen über humorige Gesellschaftskritik und gute Laune gespannt und Stürme der Begeisterung entfacht. Fast gruselig ging es dank grünblauer Lichtorgel und diabolischer Mimik beim "Monster" zu. Spätestens bei "Du musst ein Schwein sein" war die Stimmung ähnlich gelöst wie bei den Megakonzerten einer Formation, die seit zwei Jahrzehnten in derselben Zusammensetzung auf der Bühne steht und mit ihrer Verschmelzung aus Gesang und Groove Maßstäbe setzte. - "Wir sind gespannt, wen wir hier kennen lernen", erinnerten "Die Prinzen" an Elvis und seine in Bad Nauheim entflammte Liebe zu Priscilla.

Jedenfalls fühlten sie sich beim Spaziergang durch den Kurpark wieder richtig jung, warf Bariton Tobias Künzel ins lachende Publikum und setzte für die, durch groovende Gospelabende gut trainierten Besucher noch ein Lob obenauf: "Ihr seid richtig gut drauf". Der Blondschopf aus Sachsen schüttelte zwei Gedichte aus dem Ärmel - und schon ging es weiter mit dem legendären "Fahrrad" in seiner spritzigen A-cappella-Version und einem Jens Sembdner, der seinem sonoren Bass ein derart strahlendes Lachen und einen "Locker-bleiben"-Hüftschwung à la Elvis hinzufügte, dass man sich glatt überlegte, ob man "Prinzen" nicht doch knutschen können dürfte.

Der heiß ersehnte "Mann im Mond" und die sozio-explosive "Bombe" bahnten den Weg in die Pause, hinaus in die fröhlich plaudernde Menschenmenge, an den Prinzen-Fanshop und zu Brezeln und Prinzenrollen am Stand der Evangelischen Kirchengemeinde, die das Zwei-Tage-Event unter Projektleiter Ulrich Schröder für 1350 Besuchern super vorbereitet hatte.

Ali Ziemes Schlagzeug war eigens in einen Plexiglasschirm eingebaut, Mathias Dietrich hatte sein akustisches Bassgitarren-Arsenal mitgebracht. Das Vokal-Quintett bediente Klavier, Akkordeon, Congas, Bongos und Schellenringe im fliegenden Wechsel. Tenor Wolfgang Lenk war der Herr der Stimmgabel, Henri Schmidt der Fels in der Bariton-Brandung. "Alles mit’m Mund" war wie dafür gemacht, das Publikum gleich nach der Pause in ein wogendes Meer aus hochgereckten Armen und Leuchtstäben zu verwandeln. Bei "Suleimann" ging gehörig die Post ab, den "Millionär" sangen, von Krumbiegel akkordisch gestimmt, die drei Hälften im Kirchenschiff und seinen Emporen gleich mit, "Alles nur geklaut" wurde im fetzigen Reggae-Rhythmus geboten. Zum furiosen Finale mutierte das aktualisierte "Prinzen"-Deutschland mit einem Schumi, der nun tatsächlich Mercedes fährt.

Den Zugabenblock rollte Künzel mit einer herzerweichenden Ballade mitten aus dem Leben auf: "Liebe tut weh, Essen macht dick, Leben strengt an". Im Cha-Cha-Rhythmus wurde "Küssen verboten" und nicht nur auf der Bühne getanzt, derweil die Congas den Takt vorgaben und Krumbiegel rief: "Solange es Leute gibt wie euch, haben wir Lust weiterzumachen!"

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