Polizei vermutet ausländerfeindliches Motiv

Dautphetal/Marburg/Istanbul (dpa/AFP). Bei dem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus in Dautphetal bei Marburg konzentrieren sich die Ermittlungen auf ein fremdenfeindliches Motiv.

"Wir gehen von einem ausländerfeindlichen Hintergrund aus", sagte ein Polizeisprecher in Marburg. Befragungen hätten bislang keine Hinweise erbracht. Die von Nachbarn der dreiköpfigen Familie bestätigten "Ausländer raus"-Rufe und das auf eine Hauswand geschriebene Wort "Hass" deuteten in Richtung Fremdenfeindlichkeit.

Nach bisherigen Ermittlungen war versucht worden, mit einem Feuerzeug eine Holzfassade in Brand zu setzen. Am Mittwoch besuchten der türkische Vize-Konsul des Generalkonsulats Frankfurt, Güglü Kalafat, und der Präsident des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Manfred Schweizer, die Familie in Dautphetal. "Der Herr Vize-Konsul hat sich über den Stand der Ermittlungen und das Ausmaß des Schadens informiert und mit der Familie gesprochen", sagte der Bürgermeister von Dautphetal, Bernd Schmidt (Freie Wähler). Die Eltern seien aufgebracht, der 29-jährige Sohn, Fahrettin Oluk, gehe sachlicher und ruhiger an die Sache heran. Den Besuch des Vize-Konsuls hätten auch Vertreter türkischer Medien begleitet. "Der Vorfall hat Dautphetal geschockt, wir verurteilen ihn aufs Schärfste und hoffen, die Situation schnellstmöglich zu klären", sagte Schmidt. Die betroffene Familie lebe seit mehreren Jahrzehnten in Dautphetal und sei völlig in das örtliche Leben integriert.

Von den mehr als 12000 Einwohnern der Gemeinde seien etwa zehn Prozent Ausländer, die meisten von ihnen Türken. "Aber Dautphetal ist dafür bekannt, ein ausländerfreundlicher Ort zu sein", sagte Schmidt. Er lebe seit 40 Jahren in dem Ort und kenne solche Vergehen nicht.

Die Familie hatte in der Nacht zum Dienstag den Brand an der mit Holz verkleideten Fassade einer außenliegenden Treppe ihres Hauses bemerkt. Verletzt wurde niemand. Es entstand ein Schaden von höchstens 1500 Euro. Die 55 Jahre alte Mutter hatte aus einem Fenster unmittelbar vor dem Haus zwei Männer gesehen, die mit erhobenen Fäusten davonliefen und mehrmals "Ausländer raus" riefen. Nachbarn hatten die Rufe bestätigt. Hinweise auf die Verwendung von Brandbeschleunigern hatten sich nach Polizeiangaben nicht ergeben. Etwa zwei Stunden vor dem Brand war auf eine Wand des Einfamilienhauses mit einem Wachsmalstift in etwa 50 Zentimeter großen Buchstaben das Wort "Hass" geschrieben worden. In die Ermittlungen wurde der auch der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz eingeschaltet. "Die Polizei ist auf die Meldung sämtlicher Beobachtungen angewiesen, scheinen sie auch noch so lapidar", sagte der Sprecher. Möglicherweise ergäben sich daraus neue Ermittlungsansätze.

Auch der Grüne-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour erklärte gestern "Ich bin erschüttert über den schrecklichen Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Dautphetal und bin froh darüber, dass es zu keinen Verletzten oder gar Todesopfern gekommen ist. Wir Hessen dürfen nicht müde werden deutlich zu machen, dass Hessen ein tolerantes und weltoffenes Bundesland ist und bleibt." In der Türkei sind nun neue Befürchtungen hinsichtlich fremdenfeindlicher Gewalttaten in Deutschland laut geworden. In Marburg und bei einem Brand in Berlin-Kreuzberg seien erneut Türken "ins Visier genommen worden", berichtete der türkische Nachrichtensender NTV gestern. Mehrere Zeitungen stellten einen Zusammenhang zwischen dem Brand in Marburg und der Brandkatastrophe von Ludwigshafen her, bei der am 3. Februar neun Menschen starben.

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