Politiker feiern 20 Jahre Biosphärenreservat Rhön

Gersfeld (dapd-hes). Zum 20-jährigen Bestehen des Biosphärenreservats Rhön haben die Umweltminister von Hessen und Thüringen die Bedeutung des Gebiets für Naturschutz und Tourismus hervorgehoben. Es sei ein "Glücksgriff für die Region", sagte die hessische Ressortchefin Lucia Puttrich (CDU) am Freitag bei einer Konferenz anlässlich des Jubiläums in Gersfeld.

Naturschützer kritisierten dagegen den aktuellen Umgang der Politik mit der Rhön.

Bis zur Statusüberprüfung durch die UNESCO im Jahr 2013 werden nach Angaben von Puttrich in der Rhön ausreichend Flächen als Kernzone des Reservats ausgewiesen sein. "Derzeit fehlen nur noch 130 Hektar Fläche in Hessen", räumte sie ein. In den vergangenen Monaten seien beim Ankauf der nötigen Flächen große Fortschritte gemacht worden. Die Gespräche mit kommunalen Waldbesitzern sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Puttrich betonte, bei der Ausweisung der Kernzonen würden der Naturschutz und der ökonomische Wert der Flächen gegenübergestellt und sorgsam abgewogen.

Puttrichs thüringischer Amtskollege Jürgen Reinholz (CDU) betonte bei dem Treffen in Gersfeld, Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung seien in der Rhön kein Widerspruch. "Obwohl und weil Tausende Hektar Land unter Naturschutz stehen, konnte sich die Rhön als Herkunftsregion von gesunden, natürlich erzeugten Lebensmitteln etablieren", sagte der Politiker. Das Potenzial der Region sei noch lange nicht erschöpft.

Bei der Regionalkonferenz in Gersfeld wurden laut hessischem Umweltministerium auch Projekte diskutiert zur Sicherung der Artenvielfalt, zur Bewältigung der Folgen des demografischen Entwicklung sowie der Gestaltung der Energiewende.

Kritik an der aktuellen Situation im Biosphärenreservat kommt von Naturschützern und den Grünen im hessischen Landtag. Nach Berechnungen der Grünen-Fraktion fehlen in Hessen noch 400 Hektar Kernzone. Die Landesregierung müsse das Problem deshalb endlich angehen, forderte die naturschutzpolitische Sprecherin Ursula Hammann. Gleichzeitig betonten sie, der sanfte Tourismus sei eine wichtige Einnahmequelle der Region. Diese dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Die CDU im Landtag hielt dagegen, die Landesregierung habe klare Zusagen gemacht, dass der Schutzstatus beibehalten werde.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte von Hessen, Thüringen und Bayern eine stärkere Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg. Die heutigen Entscheidungsstrukturen seien unübersichtlich und ineffektiv, kritisieren die Naturschützer. Außerdem sprachen sie sich gegen den umstrittenen Bau der Bundesstraße 87n aus, die vom hessischen Fulda ins thüringische Meiningen durch das Reservat führen soll.

Das Biosphärenreservat Rhön mit Teilen in allen drei Bundesländern umfasst eine Fläche von etwa 185 000 Hektar. Hessens Anteil liegt bei 65 500 Hektar. Drei Prozent der Gesamtfläche in Hessen etwa 450 Hektar – müssen mindestens als Kernzone ausgewiesen werden, sonst droht die Aberkennung des Titels.

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