Mundart

Platt dou mier häi schwätze

  • Burkhard Bräuning
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Bernd Strauch hat recht. Mundart sprechen fällt einem gebürtigen Mittelhessen, der älter als 50 ist, nicht schwer. Mundart schreiben aber sehr. Deshalb "schreiwe" ich hier nur ein paar "Broocke" Platt - in dem Dialekt, den wir in meinem Dorf "schwätze". Sicher ist bei Mundart nur eins: Von Dorf zu Dorf unterscheidet sich die Aussprache. Manchmal nur in Nuancen, manchmal aber auch sehr stark. Hühner nennt man bei mir zu Hause im Seenbachtal "Hinger", anderenorts "Hoijer" oder "Hieher". Wobei ich schon der Meinung bin, dass Hinger einfach am besten klingt. Aber das werden beispielsweise die Merlauer und Reichelsheimer von ihrer Aussprache auch sagen.

Mundart kann man als erwachsener Mensch nicht mehr lernen. Man kann uns parodieren, aber das klingt immer etwas unbeholfen. Meine Kinder zum Beispiel versuchen sich manchmal an einem Satz, aber sie scheitern. Verstehen können sie freilich alles. "Wann mearr so will, dann hu mier als Ellen versaht. Mier härre met ean Platt schwätze misse." Heißt: Wir Eltern haben versagt, wir hätten mit ihnen "platt" sprechen müssen. Das ist nun zu spät, die Kinder sind längst erwachsen. Und weil fast alle Eltern das so gemacht haben, wird "ihs schie Sproch" aussterben. Was traurig ist. Denn es stirbt ein Kulturgut.

Mundart, so sagt man, sei eine derbe Sprache. Ja das stimmt. Aber nicht nur. In Ruppertenrod gibt es ein Mundartwörterbuch. Darin findet man viele Schimpfwörter. Aber Mundart ist auch eine Sprache für die Liebe. Die Gruppe Fäägmeel hat mit ihrem Lied "Sehnsucht" gezeigt, wie man eine Mundartballade "off platt" texten kann. Ich zitiere wörtlich und buchstäblich aus dem Liederbuch der Gruppe: "Du woarscht fier mich die Ewichkeit, mei Leawe un mein Haalt, un uhne dich woar alles sinnlos, schwier wäi Blei un kaalt. Wann du eabbes gesaht host, dann woar doas fier mich wohr, un immer woar dei Lache wäi Musik ean mei’m Uhr." Hört sich ganz anders an als "Nothing Else Matters" von Metallica. Aber es ist auch Poesie, hat Wärme und Tiefe.

In einigen Teilen unserer "Hessisch"-Serie gehen wir noch mal auf die Mundart ein, schreiben, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Denn zu einer Serie über das eigene Bundesland gehört auch die Sprache, die gesprochen wird. Nur gibt es eben in Hessen (wie auch in fast allen anderen Bundesländern ) nicht nur die eine Sprache, was auch damit zusammenhängt, dass Hessen ein Kunstgebilde und nicht ein schon über Jahrhunderte bestehendes Land ist. Aber selbst wenn es das wäre, würde man auch nicht nur eine Sprache sprechen. Denn jede Mundart lebt von Vielfalt, von ihren ganz eigenen Wörtern. bb

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