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  • vonGerd Chmeliczek
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Sympathieträger oder Störenfried? Bereicherung oder Plage? Der Waschbär hat so seine Schwierigkeiten mit dem Image. Aber warum ist das so? Die Meinung der Naturschützer ist gespalten, Vogelfreunde und Hausbesitzer sind zumeist nicht gut auf das Tier zu sprechen. Eine Spurensuche – zwischen putzigen Zeit- genossen und Problembären...

In Comics werden Waschbären schon einmal als Diebe dargestellt – wegen der schwarzen Augenmaske, die ihnen von Mutter Natur gegeben wurde. Sogar bis nach Hollywood hat es das Tier geschafft. In den Science-Fiction-Blockbustern "Guardians of the Galaxy" ist Rocket Raccoon der heimliche Star. Der sprechende Waschbär ist Scharfschütze, Sprücheklopfer, Gesetzloser. Und er weiß nicht, dass er ein Waschbär ist. Wenn man ihn darauf anspricht, wird er mächtig sauer. Vielleicht weil er um das angekratzte Image seiner Spezies weiß?

Abschuss umstritten

Ja, wenn ich meinem Bekannten so zuhöre, wie er sich langsam in Rage redet, da werde ich schon unsicher. Muss ich mein Bild vom putzigen Kleinbären etwa revidieren? Denn mein Gesprächspartner ist wahrlich kein Tierhasser. Im Gegenteil, er liebt die Natur, ist mit Familie und Hund oft stundenlang im Wald unterwegs. Aber wenn die Sprache auf den Waschbären kommt, dann schlägt die Stimmung schnell um. Im Vogelsbergkreis haben die Tiere alleine an kreiseigenen Immobilien innerhalb von zwölf Monaten einen Schaden von fast 100 000 Euro angerichtet, berichtete unlängst der Kreistag. In Heuchelheim gab es im Mai einen bestätigten Fall von Staupe bei einem Waschbären, im Raum Nidda waren gleich 13 Tiere von dem Virus befallen.

Wie viele Waschbären es in Hessen gibt, ist schwer zu schätzen. Wie sehr sich das Tier aber vermehrt hat, zeigt sich unter anderem an den Abschusszahlen: In der Saison 1960/61 brachten Jäger 122 Tiere zur Strecke. 2000/2001 waren es schon fast 5000. In der Rekordsaison 2012/2013 waren es über 29 000 getötete Waschbären. Laut Regierungspräsidium Kassel wurden in der Saison 2015/2016 in Hessen knapp 28 000 Waschbären getötet. Die EU hat sie auf eine Liste zu bekämpfender fremder Arten gesetzt. Auch Umweltschützer sind ob der rasant wachsenden Population besorgt, plündert der Waschbär doch Vogelnester und setzt auch anderen heimischen Tierarten zu. Trotzdem ist die Bejagung umstritten: Der Naturschutzbund Deutschland setzt sich beispielsweise für eine friedliche Koexistenz ein.

Auch im hessischen Landtag war die Waschbärplage im vergangenen Jahr Thema: SPD und FDP forderten die Abschaffung der Schonzeit, die den Abschuss von Anfang März bis Ende Juli verbietet. Hessen habe die größte Waschbärendichte in Deutschland, aber die kürzeste Jagdzeit, argumentierte damals der SPD-Abgeordnete Heinz Lotz. CDU, Grüne und Linke sagten aber: Die Schonzeit soll bleiben.

Und wie kann man sich vor einem Besuch des Eindringlings schützen – also jenseits der Bejagung? Die Deckel der Mülltonnen sollten nicht nur dicht verschlossen, sondern auch vor Umwerfen gesichert werden. Rankhilfen, Abwasserrohre oder andere Möglichkeiten sollten mit Stachelmanschetten abgesperrt werden. Auch Äste, die sich in Hausnähe befinden, sollten zurückgeschnitten werden. Außerdem gibt der Experte den Tipp, das Tier mit lauter Musik zu vertreiben. Nahrung, wie Katzenfutter und Grill-reste, sollte nicht draußen stehen gelassen werden, empfahl vor Kurzem der Jagdverein Hubertus Gießen und Umgebung.

Ob ich das meinem Bekannten sage? Mal sehen, es ist ein schwieriges Thema. Ich will ihn ja nicht wieder auf die Palme bringen...

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