Mit 36 Pfoten intensiv auf Wohnungssuche

Hüttenberg (agl). Bei der Begrüßung ist eigentlich schon alles klar: Sie schnuppern erstmal, versperren mit ihren - meist etwas größeren - Körpern den Weg, springen aber nicht an dem unbekannten Besucher von der Zeitung hoch, und verzichten dankenswerterweise auch aufs Beißen.

Ganz lieb also, aber andererseits sind die sieben Hunde der Familie Wenchiarutti in Hörnsheim wahrscheinlich ein gewichtiges Argument dafür, mit Wohnungsangeboten zurückhaltend zu sein. Doch genau das sucht die Mutter mit ihren sechs Kindern, sieben Hunden sowie den zwei Katzen: ein neues Zuhause zum Mieten. Aus der alten Wohnung müssen sie raus, nicht wegen der Tiere, wie Mutter Kirsten sagt. Denn schließlich seien auch die Vermieter tierfreundlich.

"Die Hunde werden wir nicht abgeben, auch nicht in dieser Notsituation"

Zwar hat sich die Lage insofern deutlich entspannt, als die Wenchiaruttis doch nicht, wie es zuerst hieß, bis zum morgigen Sonntag ausziehen müssen, sondern erst zum Jahresende. Eine Herausforderung ist es dennoch, eine neue Bleibe zu finden. Bei der Ausstattung des künftigen Heims ist die Familie anspruchslos, doch eines kommt für sie nicht infrage: einen oder mehrere der Hunde oder eine der beiden Katzen abzugeben. "Das sind Familienmitglieder", sagt Kirsten Wenchiarutti.

Zeilen voller Verzweiflung waren in der E-Mail zu lesen, die die sechsfache Mutter an die Redaktion gesendet hat: zahlreiche Annoncen aufgegeben, auf viele Anzeigen hin angerufen, und immer nur Absagen bekommen. Grund dafür seien die sieben Hunde, schrieb Wenchiarutti und fügte hinzu: "Dabei suchen wir sowieso ein Haus außerhalb, vorzugsweise Resthof, Bauernhaus, Hofreite."

An anderer Stelle des "Bewerbungsschreibens" heißt es: "Wir haben keine Scheu davor, uns die Finger schmutzig zu machen.... Ein Dach über dem Kopf geht allem vor; jeder andere (zusätzliche) Wunsch wäre momentan Luxus, den wir uns nicht leisten können." Ein sicheres Einkommen sei vorhanden; Kirsten Wenchiarutti arbeitet in Wetzlar Vollzeit in der Altenpflege.

Bei den Vierbeinern handelt es sich teilweise um Hunde, die in Not gewesen sind und keine Aussicht auf Vermittlung gehabt haben. "Alle haben sich prima gemacht.

Viele Narben auf ihrer Seele konnten gemildert werden oder sind sogar ganz verschwunden", schildert die Tierliebhaberin die Entwicklung und schickt noch ein Lob an die besten Freunde des Menschen hinterher: "Es ist eine ganz fantastische Bande, jeder von ihnen ist uns ans Herz gewachsen, und jeder mit etwas Herz wird verstehen, dass wir diese Hunde nicht wieder abgeben, auch nicht in dieser Notsituation."

Und das sind die potenziellen Mieter im Einzelnen: Mutter Kirsten, die drei erwachsenen Töchter Jenny, Sinta und Laura (wird bald Mama), die weiteren - acht- bis 15-jährigen - Kinder Nils, Gina und Nico, außerdem die Hunde Kiara (Schäferhündin), Shakira (Labrador-Dame), Donna (Maremmano), Laika (Schäferhund-Bordercollie-Hündin), Fuzzi (Yorkshire-Pekinese), Sandro (Alano) und Candice (Deutscher Pinscher) sowie die beiden Katzen Balou und Mogi.

Was die Wünsche der "Zweibeiner" zum neuen Zuhause angeht, sollten es lieber kleinere, aber dafür mehr Zimmer sein. "Unsere Familie verfügt durchaus über Elan und Tatkraft für Einsatz an und in Haus und Garten, ist handwerklich recht begabt, gut sozialisiert und verträglich (meistens), neigt trotz Hundehaltung nicht zum Vandalismus oder zur Verwahrlosung und ist auch sonst ganz nett", macht Mutter Kirsten in der Mail Eigenwerbung, die - bei aller Problematik - auch zum Schmunzeln anregt.

Den "Tiernarren unter den Vermietern" suchen die Wenchiaruttis. Und wer weiß, vielleicht werden bald 14 Füße und 36 Pfoten ein neues Zuhause betreten, irgendwo in den Landkreisen Gießen oder Lahn-Dill. Um die Füße - weniger die Pfoten - zu entlasten, gerne mit Anbindung an den Busverkehr.

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