Vom Petzen und Korinthenkacken

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Man sagt ja, dass aus uns Menschen in Krisenzeiten entweder das Beste oder eben alternativ das Schlechteste herausgekehrt würde. Per se hilfsbereite Menschen zum Beispiel werden noch hilfsbereiter, versorgen die gesamte Nachbarschaft mit Einkäufen, verschenken selbst genähte Masken und leisten Freiwilligendienste in Krankenhäusern. Großzügige Menschen werden noch großzügiger, spenden für alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, kaufen in einem fort Theater-und Kinogutscheine und geben noch Trinkgeld dazu. Freundliche Gemüter lächeln noch freundlicher mit bester Laune und halb vollem Glas den ganzen Tag von früh bis spät, auch wenn es hinter der Gesichtsmaske keiner sieht.

Merkwürdige Leute, zu denen ich mich zähle, werden noch merkwürdiger. Gestern beispielsweise bildete ich mir ein, dass ich beim Tragen des Mund-Nase-Schutzes neben der beschlagenden Brille auch noch schlechter hören würde und nieste anschließend in meine Kniekehle. Und von Wirrköpfen, die zurzeit noch wirrköpfiger werden, war ja schon in puncto Hygiene-Demos häufig genug die Rede.

Die Corona-Krise lädt zudem aber auch Korinthenkacker vortrefflich dazu ein, noch mehr und mit voller Wucht Korinthen zu kacken. Wussten Sie eigentlich, dass Korinthenkacken gar nicht in erster Linie etwas mit Korinthern, die Stuhlgang haben, zu tun hat? Ich wusste das nicht. Laut Wikipedia nimmt diese Begrifflichkeit vielmehr Bezug auf die Korinthe, eine "kleinbeerige, meist kernlose, schwarzbraune Rosine von kräftigem Geschmack, erzeugt durch Trocknung von Früchten echter Weinreben der Sorte Korinthiaki." Jede einzelne Korinthe wiederum sei immer gleich groß, so dass ein Korinthenkacker auch auf der Toilette penibel darauf bedacht sei, immer nur gleich große Köttel zu produzieren.

Hmm, nun ja … jedenfalls fällt auf, dass die überkorrekten Immer-alles-richtig-Macher in dieser von Verhaltens- und Abstandsregeln bestimmten Zeit noch mehr ein kritisch-argwöhnisches Auge darauf werfen, dass sich auch alle anderen Menschen um sie herum überall und in jeder Lebenssituation stets bis ins kleinste Detail regelkonform und korrekt verhalten.

Wehe, es passiert ein Fehler, eine Nachlässigkeit. Wehe, es rutscht einem Fußballreporter mal die Maske von der Nase. Empörung! Voller Eifer und Genugtuung verklagt man Politiker, die sich einer unachtsamen Situation in extremer Stresszeit in einen Aufzug zwängen. Hah, erwischt, Fehler gemacht. Unverzeihlich, sofort anzeigen! Die Petze, die in diesen Zeiten ebenso zur Petzhochform aufläuft, gesellt sich vergnügt zu ihrem besten Freund, dem Korinthenkacker, fotografiert hektisch diese Situation und stellt es petzend ins Internet. Ätschi!

Woher das Wort Petze stammt? Keine Ahnung, jedenfalls nicht aus Korinth.

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. www.dietrich faber.de

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