Hessische Betriebe nutzen die Möglichkeiten zur Kurzarbeit, um durch die Corona-Krise zu steuern. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Arbeitslosen sprunghaft an. FOTO: DPA
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Hessische Betriebe nutzen die Möglichkeiten zur Kurzarbeit, um durch die Corona-Krise zu steuern. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl der Arbeitslosen sprunghaft an. FOTO: DPA

Pandemie erreicht Arbeitsmarkt

  • vonGerd Chmeliczek
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Gießen- Die Corona-Pandemie hat im April auch den Arbeitsmarkt in Hessen und in der Region erreicht. Zum Stichtag waren in Hessen 176 628 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren 19 Prozent mehr als vor einem Jahr und 15 Prozent mehr als im März. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,7 Punkte auf 5,2 Prozent.

Dazukommen rund 700 000 Kurzarbeiter. Wegen der Einschränkungen zur Eindämmung des Virus haben in Hessen weit mehr als 52 000 Betriebe für ihre Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet. Das entspricht rund einem Drittel aller Betriebe in Hessen. In 15 000 Fällen seien auch bereits Auszahlungen geleistet worden.

Der positive Arbeitsmarkttrend der letzten Jahre sei abrupt beendet, erklärte Direktionschef Frank Martin. "Zahlreiche Menschen haben sich arbeitslos melden müssen, weil sie entlassen oder befristete Arbeitsverträge nicht verlängert wurden. Außerdem haben sich deutlich mehr Menschen arbeitslos gemeldet, die gezwungen waren, ihre Selbstständigkeit aufzugeben." Gleichzeitig sei die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen gesunken.

Im März hatte der Stichtag noch vor den massiven Beschränkungen für Handel und Gastronomie gelegen. Damals waren 153 627 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, was einer Quote von 4,5 Prozent entsprach. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs war weiter gestiegen, die der offenen Stellen hingegen gesunken.

Zahlen aus den heimischen Kreisen

In der Region zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen, zu dem die Landkreise Gießen, Wetterau und Vogelsberg gehören, waren im April 18 654 Menschen arbeitslos gemeldet, 2075 mehr als im März. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent, ein halbes Prozent höher als im Vormonat. Im April 2019 waren 3221 Menschen weniger im Gießener Bezirk arbeitslos gemeldet. Damals lag die Quote bei 4,2 Prozent.

Die deutliche Steigerung liege allerdings nicht etwa an einer massiven Entlassungswelle, sondern vor allem an einem deutlichen Rückgang bei den Neueinstellungen", erklärt Björn Krienke, Geschäftsführer für den operativen Bereich bei der Gießener Arbeitsagentur.

Arbeitslosigkeit

Kreis Gießen:Im Kreis Gießen waren im April 8606 Menschen erwerbslos gemeldet, 801 Arbeitslose mehr als im Vormonat (plus 10,3 Prozent). Die Quote stieg um 0,5 auf 5,9 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 5,1 Prozent.

Wetteraukreis:In der Wetterau wurde der nominal und prozentual stärkste Anstieg verzeichnet. Das liege unter anderem daran, dass es im Kreis anteilig mehr Klein- und Kleinstbetriebe gebe, die dann in solch einer extremen Situation eher personell reagieren müssen, erklärt Agentur-Pressesprecher Johannes Paul. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 1091 auf 7619 Personen (ein Plus von 16,7 Prozent). Die Quote erhöhte sich um 0,7 auf 4,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 1609 Erwerbslose mehr gemeldet. Seinerzeit lag die Arbeitslosenquote bei 3,6 Prozent.

Vogelsbergkreis:Dort ist die Zahl der Erwerbslosen im April vergleichsweise moderat gestiegen. 2429 Personen waren arbeitslos gemeldet, 183 mehr als im März. Die Quote stieg um 0,3 auf 4,2 Prozent. Im Vorjahresmonat waren 259 Erwerbslose weniger gemeldet. Die Quote lag damals bei 3,7 Prozent.

"Der Agenturbezirk Gießen hat noch relativ verhalten auf die Corona-Krise reagiert", sagt Björn Krienke. Das liege auch an der Struktur auf dem Arbeitsmarkt, der einen hohen Anteil an Dienstleistern aufweise. "Wir denken, dass sich die Situation mit der weiteren Lockerung von Einschränkungen wieder stabilisieren wird", erklärt der Geschäftsführer.

Kurzarbeit

Im Agenturbezirk haben insgesamt 4366 Betriebe Anzeigen auf Kurzarbeit gestellt. Dies entspricht etwas mehr als jedem vierten Betrieb (25,51 Prozent). Zum Vergleich: In Vor-Corona-Zeiten lag die Zahl der Unternehmen, die Kurzarbeit beantragt hatten, bei etwa 20 bis 30 pro Monat. Aktuell sind bis zu 42 249 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen. Ein Anteil von bis zu knapp 19 Prozent. Allerdings bezieht sich diese Zahl rein auf die Anträge und nicht auf die Zahl der Menschen, die dann wirklich auch in Kurzarbeit gehen. Seit Beginn der Corona-Krise haben 4877 Betriebe eine entsprechende Anzeige gestellt. Bis zu 50 491 Menschen sind oder waren entsprechend der Anträge davon betroffen. Um das Arbeitsaufkommen bewältigen zu können, hat die Agentur die Zahl der Mitarbeiter in diesem Bereich verzehnfacht - von acht auf 80 bis 100.

Kreis Gießen:1703 Betriebe haben im April im Landkreis Gießen eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht. Davon waren bis zu 18 147 Beschäftigte betroffen. Rechnet man die Anzeigen von März hinzu, sind im Landkreis Gießen 1902 Betriebe und bis zu 21 234 Personen betroffen.

Wetteraukreis:In der Wetterau haben 2039 Betriebe eine entsprechende Anzeige eingereicht, von der bis zu 18 221 Beschäftigte betroffen waren. Mit den Anzeigen vom März sind 2255 Betriebe und bis zu 21 476 Personen betroffen.

Vogelsbergkreis:Dort waren es 624 Betriebe, die eine Anzeige auf Kurzarbeit eingereicht haben - dies betraf bis zu 5881 Beschäftigte. Rechnet man die Anzeigen vom März hinzu, sind im Vogelsbergkreis 720 Betriebe und bis zu 7781 Menschen betroffen. gäd/dpa

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