Pädophiler Familienvater zu zehn Jahren Haft verurteilt

Reichelsheim/Gießen (nob). Der 40-jährige Reichelsheimer, der wegen schwerem sexuellen Missbrauch seiner drei und sechs Jahre alten Töchter angeklagt wurde, muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil fällte gestern die Jugendschutzkammer am Landgericht Gießen.

Der Angeklagte hatte sich zwischen September und Dezember 2006 mehrfach an seinen Töchtern vergangen, die Szenen zum Teil gefilmt und ins Internet gestellt. Der gelernte Industriekaufmann, der sich zum Zeitpunkt der Taten in Elternzeit befand, hatte bereits zum Prozessauftakt am Montag ein Geständnis abgelegt und dabei auch Taten zugegeben, die nicht mit Bildmaterial zu beweisen waren.

Einige Ausschnitte aus den kinderpornografischen Aufnahmen des Familienvaters wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt. Das erschreckende Ausmaß war nur zu erahnen: Die Mutter der Kinder, die als Nebenanklägerin auftrat, verließ währenddessen weinend den Gerichtssaal und auch die Vorsitzende Richterin Gertraud Brühl und Staatsanwalt Klaus Bender zeigten sich erschüttert. "Es ist nur schwer zu ertragen", sagte Bender in seinem Plädoyer.

Die Videos hatte der Angeklagte in einem Chatraum zur freien Verfügung gestellt und sich im schwerwiegendsten Missbrauchsfall Regieanweisungen von einem weiteren Kriminellen geben lassen. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer eine Gesamtstrafe von zehn Jahren gefordert - einer Forderung, der sich auch die Anwälte der Nebenklägerin und die Kammer anschlossen. "Kinder in diesem Alter sind wehrlos und haben ein Urvertrauen gegenüber den Eltern. Sie haben das ausgenutzt und missbraucht. Und das zu wiederholtem Male", sagte Bender in Richtung des Angeklagten.

Der Reichelsheimer, der zuvor strafrechtlich nicht aufgefallen war, bestritt seine Taten nicht, betonte in seinem Schlusswort aber, die Filme selbst nie gesehen zu haben. "Die Sache ist geschehen, es gibt keine Entschuldigung dafür", sagte er und fügte hinzu: "Ich habe mir selbst nie klar gemacht, was da zu sehen ist. Ich habe es immer wieder verdrängt, was mir leicht gefallen ist, da sich die Kinder nicht auffällig verhalten haben." Er habe sich zudem keine Gedanken über die möglichen Folgen für seine Töchter gemacht.

Der psychiatrische Gutachter, Dr. Rainer Gliemann, hatte zuvor eine unbeeinträchtigte Schuldfähigkeit des Angeklagten festgestellt und von der pädophilen Neigung des 40-Jährigen berichtet. Das Internet hatte die Neugier des Angeklagten geweckt und eine Sogwirkung auf ihn ausgeübt. Allerdings sei dort nicht die Schuld zu suchen. "Es fruchtet nur, wenn die Bereitschaft da ist, auch darauf zu reagieren", betonte Gliemann. Das Rückfallrisiko des Angeklagten sei nicht besonders hoch einzuschätzen. Der Gutachter mahnte eine therapeutische Behandlung an.

Die Kammer hatte ursprünglich eine Strafe von zwölf Jahren angedacht. Da es sich jedoch um eine Serie von Taten handelte, die der selben Lebensphase zuzuordnen waren, setzte sie die Strafe auf zehn Jahre fest. Das Gericht wertete zudem positiv, dass der Angeklagte geständig war.

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