OVAG präsentierte Buch zum Jugend-Literaturpreis 2010

Bad Nauheim/Grünberg (pm). Mucksmäuschenstill war es im Saal der St. Lioba Schule in Bad Nauheim, angespannt hielt ein Großteil der gut 250 Gäste den Atem an, folgte dem bedrohlich anschwellenden Tonfall der Autorin, auf die sich in diesen Minuten alle Augen richtete - so, als lese eine Größe des Literaturbetriebs.

Bad Nauheim/Grünberg (pm). Mucksmäuschenstill war es im Saal der St. Lioba Schule in Bad Nauheim, angespannt hielt ein Großteil der gut 250 Gäste den Atem an, folgte dem bedrohlich anschwellenden Tonfall der Autorin, auf die sich in diesen Minuten alle Augen richtete - so, als lese eine Größe des Literaturbetriebs.

Nun gut, im Prinzip saß da eine Größe. Eine Größe des Newcomerbereichs, welche dieses geschützte Terrain eigentlich längst verlassen hat: Elisa Wächtershäuser aus Butzbach, viermal in Folge ausgezeichnet beim Jugend-Literaturpreis der OVAG. "Kopfsprung" heißt ihr Text, der ihr 2010 den ersten Platz einbrachte. Ein harmlos klingender Titel für einen dramatischen Inhalt. Eine junge Frau, die mit den Folgen einer Vergewaltigung ringt - wobei dies Wort kein einziges Mal fällt.

"Ihr Text ist von verblüffender Klarheit und Präzision. Diese Geschichte wurde nicht einfach mal eben nebenbei aus dem Ärmel geschüttelt. An dieser Geschichte wurde gearbeitet, denn in ihr ist kein Wort zu viel. Kein Wort zu viel, das ist mehr, als man über die meisten veröffentlichten Texte dieser Welt sagen kann.

" Lob aus berufenem Munde, Lob von Erfolgsautorin Alina Bronsky ("Scherbenpark"), welche überhaupt voll der Wertschätzung an diesem Abend war. Denn sie hielt die Laudatio für die Präsentation des Buches "Gesammelte Werke", in dem die Beiträge aller 21 Gewinner des Jugend-Literaturpreises 2010 veröffentlicht sind, endgültig in Form gebracht nach einem viertägigen Intensiv-Workshop.

Den Mut wolle sie hervorheben, den es koste, einen selbstverfassten Text jemandem zum Lesen zu geben, sagte Bronsky. "Gar bei einem Wettbewerb einzureichen. Vor einem Publikum vorzulesen. Das ist wirklich, wirklich sehr schwer. Ich weiß, wovon ich spreche." Allen Jungautoren rief sie zu, sie sollten nicht auf die Lorbeeren anderer schauen. "Schaut nur auf Euch selbst, in Eure eigene Seele. Denn nur dort liegen die wahren Schätze begraben, und wenn Ihr nicht verzweifelt, sondern weiterschreibt, werden zu diesem Erfolg von heute Abend weitere Veröffentlichungen kommen."

Jedes Mal, wenn man in ein Buch schaue, lerne man etwas, so die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler in ihrer Rede. "Beim Schreiben lernt man sich selbst kennen." Lesemüdigkeit sei keineswegs die Realität an hessischen Schulen, seit Jahren stelle sie in dieser Hinsicht einen steten Zuwachs fest. "Junge Menschen für Literatur zu begeistern, darf nicht allein die Aufgabe der Schule sein." Deshalb dankte die Ministerin der OVAG für ihr Engagement.

"Glücksmoment" für Preisträger

Sicherlich gehöre es zu einem der "Glücksmomente" für die Preisträger, nun endlich das Buch in den Händen zu halten, führte Rainer Schwarz, Vorstandsvorsitzender OVAG, aus. "Bei der sich jetzt anschließenden Lesereise durch 26 Schulen in Oberhessen fügen sich weitere derartige Momente hinzu. Einem Publikum das eigene Werk vortragen zu dürfen, direkte Reaktionen zu ernten, sich den Fragen zu stellen. Flapsig ausgedrückt: Im Rampenlicht zu stehen, und zwar nicht wegen Rang und Namen, sondern wegen einer hart erarbeiteten Leistung."

Einen Vorgeschmack darauf bekamen an diesem Abend schon mal drei weitere Autoren, die dem Publikum ihre Geschichten vortrugen. Die erst 14-jährige Aylin Braunewell (Münzenberg), welche geschickt die Themen Internet und Neonazis verknüpft, Vanessa Bayer aus Grünberg mit einer nicht alltäglichen Vampirstory und Benjamin Pizarro (Bad Nauheim) mit der Innenansicht eines Auftragsmörders.

Das Buch "Gesammelte Werke" (260 Seiten mit Hörbuch-CD) kostet 10 Euro (zzgl. Versand) und kann bestellt werden unter 0 60 31/82 11 13. Infos zum neuen Jugend-Literaturpreis unter 0 60 31/82 12 22 oder per E-Mail an matle@ovag.de .

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