Ein Foto aus früheren Tagen, als in unserem Garten noch drei Osternester gebaut wurden - mit Zäunen um die Veranda und steinumgrenzten Wegen für den Osterhasen, dem die drei Mädels auch immer etwas Leckeres ins Nest legten.
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Ein Foto aus früheren Tagen, als in unserem Garten noch drei Osternester gebaut wurden - mit Zäunen um die Veranda und steinumgrenzten Wegen für den Osterhasen, dem die drei Mädels auch immer etwas Leckeres ins Nest legten.

Ein Osternest im Garten

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
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Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi. Nach dem dunklen und stillen Karfreitag ist es ein Freudenfest. Wenn die Nacht des Wachens und Betens vorbei ist, kommt das Licht zurück. Für Kinder ist Ostern aber vor allem das Fest, an dem der Osterhase in den Garten hoppelt und Eier in ein feines weiches Nest legt. Wir zeigen heute, wie man mit Moos, Ruten und bunten Blüten dem Hasen ein kuscheliges Plätzchen baut.

Das Bauen eines Osternestes gehört zu den Osterbräuchen, die zum Teil eine sehr lange Tradition haben. Auch das Färben von Eiern zu Ostern ist eine weitverbreiteter Brauch, der von Armenien über Russland, Griechenland, den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa bekannt ist. In vielen Spielen für kleine und große Kinder sind die gefärbten Eier begehrte Gewinne. Am Morgen des Ostersonntags dürfen die Kinder dann versteckte Ostereier suchen.

Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens führt die Volkssitten um das Ei zu Ostern auf die seit dem 12. Jahrhundert von der Kirche installierte "benedictio ovorum" zurück, die diesen so gesegneten Eiern im Volksglauben vielerlei Kräfte zuwachsen ließ.

Erste Erwähnungen von gefärbten Ostereiern in Deutschland stammen aus dem 16. Jahrhundert. Eine frühe Erwähnung des Brauches, die Eier für Kinder zu verstecken, stammt aus dem Tagebuch des Abtes Jakob vom Kloster Schuttern (Ortenaukreis) für das Jahr 1691. Kindern wurde - je nach Gegend - erzählt, dass diese Eier vom Hahn, dem Kuckuck, dem Fuchs, dem Storch oder dem Hasen stammen. In neuerer Zeit hat sich der Osterhase als "Eierlieferant" überregional durchgesetzt.

Weitere Bräuche mit Ostereiern sind zum Beispiel Münzenwerfen (bleibt die Münze im Ei stecken, gehört das Ei dem Werfer), Ostereiertitschen, Ostereierschieben oder (beispielsweise in Österreich, Kroatien, Russland) das Eierpecken. Beim Eierschleudern (in Bayern auch Eierwerfen, in Ostfriesland Eierschießen) im Vogtland wird ein Osterei in ein aus Wolle gehäkeltes Säckchen mit einem langen Band gesteckt: Das schleudert man und lässt es los. Das Werfen findet auf einer Wiese oder Weide statt. Wiesen mit dichtem Gras sind am besten geeignet.

Ein Korb voll mit Moos

Für das Werfen selbst gibt es verschiedene oder auch keine Regeln. Wichtig ist, dass die Eier, die man werfen möchte, hart gekocht sind, damit das Ei nicht so schnell zu Bruch geht. Oft werfen sich zwei oder mehr Personen die Eier zu, bis die Schale völlig zerbrochen ist. Es wird versucht, das Ei im Netz möglichst hoch zu schleudern. Geht das Ei dabei kaputt, scheidet man aus. Das geht so lange, bis nur noch ein Kind mit heilem Ei übrig bleibt, das dann gewonnen hat oder als König gefeiert wird. Es wird erzählt, dass manchmal mit einem Ei aus Gips oder Holz betrogen wurde …

In manchen Gegenden ist auch Ostereierweitwurf verbreitet. Die Eier werden an Ort und Stelle verspeist. Um seinem Haus Glück zu bringen, besteht in Südtirol der Brauch, ein Ei über das Haus zu werfen und danach einzugraben. (Quellen: Wikipedia und diverse Brauchtumsbücher).

Damit aber nun der Osterhase die Eier für all diese schönen Spiele bringen kann, müssen die Kinder für ein Nest sorgen. Das kann man relativ einfach bauen, indem man ein bisschen Moos auslegt. Aber es geht auch schöner und aufwendiger. Wir haben vor einigen Jahren sozusagen ein Musternest gebaut. Es schmückte damals den Garten unseres Grundstücks in Grünberg-Stockhausen.

Diese Art Nester sind keine spezielle Erfindung der Kinder im Vogelsberg. So baute man früher in vielen Dörfern Mittelhessens die "Anlieferungsstelle" für Ostereier. Alles, was man für den Bau benötigt, findet man im eigenen Garten oder draußen im Feld. Wer etwas Fantasie hat, der kann gerne von unserer Bauanleitung abweichen, denn die soll nur eine Anregung sein, eine Idee vermitteln. Also, man benötigt vor allem viel Moos. Ein großer Korb voll muss es schon sein, damit das Dach unseres Osternestes (eigentlich ist es ja eine Höhle) schön blickdicht wird (Regen hält es nicht ab). Moos wächst überall da, wo viel Schatten ist. Man muss also nicht lange suchen. In unserem Mustergarten ist es reichlich vorhanden, denn die Besitzer mögen keinen Wembley-Rasen. Also lassen sie wachsen, was da wachsen will: Gras, Moos, Gänseblümchen und Löwenzahn.

Viel Zeit für die Feinarbeiten

Benötigt werden außerdem Ruten. Folgende Gehölze sind dafür geeignet: Haselnussträucher, Gelber und Roter Hartriegel und natürlich die besonders biegsamen Weidenruten. Acht bis zehn Stück mit einer Stärke von acht bis zehn Millimetern benötigt man für die tragende Konstruktion. Weitere acht bis zehn mit einer Stärke von bis zu fünf Millimetern braucht man für das Quergeflecht. Ausgepolstert wird das Nest mit Heu, man kann aber auch Moos oder Stroh nehmen. Wie nun das Nest gebaut wird, beschreiben wir anhand der Fotos. Kinder haben viel Fantasie, und wenn man sie lässt, dann bringen sie viele eigene Ideen ein, die dem Nest noch etwas Besonderes geben. Zum Beispiele Zäune vor der Nesthöhle. Oder Wegebegrenzungen aus kleinen Steinen. Wer das Moosdach etwas bunter haben möchte, der kann Obstbaumblüten und Blumen zum Dekorieren verwenden. Bei unserem Musternest hat das dazu geführt, dass die Feinarbeiten viel mehr Zeit in Anspruch genommen haben als der Rohbau. Auf diese Weise sind auf unserem Grundstück schon Dutzende Nester entstanden.

Früher lagen tatsächlich nur hartgekochte und bunt gefärbte Hühnereier darin. Später kamen Süßigkeiten hinzu - und noch später saß dann auch mal der eine oder andere Schoko-Osterhase im Nest. Was auch immer die Kinder in ihrem Nest finden: Die Freude daran reicht nicht an den Spaß, den sie beim Nestbau haben.

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