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Tag der Kriminalitätsopfer

Opfer - und jetzt?

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  • Gerd Chmeliczek
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Geschlagen, getreten, ausgeraubt, vergewaltigt ? die Opfer einer Straftat stehen nicht selten unter Schock. Wer hilft jetzt? Wer ist Ansprechpartner?

Die 110 ist und bleibt in einem akuten Notfall die erste Anlaufstelle. Aber was mache ich, wenn mein Auto auf einem Parkplatz beschädigt wurde? Oder wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich eine potenzielle Straftat überhaupt anzeigen möchte? Vielleicht, weil ich Angst vor dem Täter habe, weil ich mich schäme, weil mich der Gang zur Polizei viel Überwindung kostet? Oder weil ich nicht weiß, wer für meinen Fall zuständig ist? Und: Was bedeutet es überhaupt, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten? Polizeihauptkommissarin Ruth Eismann ist im Polizeipräsidium Mittelhessen verantwortlich für die Präventionsarbeit im Bereich Opferschutz. Sie sagt: "Grundsätzlich kann man sich an jede Polizeidienststelle wenden, um eine Straftat anzuzeigen. Es empfiehlt sich aber, die Kontaktdaten des zuständigen Polizeireviers stets parat zu haben." Einige Tipps der Hauptkommissarin zum Tag der Kriminalitätsopfer am 22. März im Einzelnen:

Strafanzeige: Eine Strafanzeige könne mündlich, schriftlich oder auch online gestellt werden. Wichtig: Eine solche Anzeige kann nicht einfach so wieder zurückgenommen werden. Grundsätzlich sei die Polizei dazu verpflichtet, bei begründetem Verdacht der Sache auch nachzugehen.

Strafantrag: Geht es nicht um ein Offizialdelikt, zum Beispiel Mord oder Raub, sondern um ein Antragsdelikt (z. B. Hausfriedensbruch oder üble Nachrede), kommt der Strafantrag ins Spiel. Dabei handelt es sich um eine schriftliche Erklärung an Polizei und Staatsanwaltschaft, dass die Strafverfolgung einer Person gewünscht wird. Dies muss innerhalb von drei Monaten geschehen, nachdem man von Tat und Täter erfahren hat.

Zeugenaussage und Vernehmung: Beides sei für die Opfer eine Ausnahmesituation, die sehr belastend sei, erklärt Eismann. Daher gebe es ein Recht auf Begleitung. Man dürfe also eine Vertrauensperson mitnehmen, dabei könne es sich auch um einen Rechtsbeistand handeln. Die Vertrauensperson darf im gleichen Sachverhalt nicht selbst Zeuge sein.

Die fünf Ws: Bei den Angaben zur möglichen Straftat sei es wichtig, möglichst genaue Angaben zu machen. Dabei könne man sich an den fünf Ws orientieren, sagt Eismann: 1. Wann wurde die Tat begangen? 2. Wo war der Tatort? 3. Welche Hinweise können Sie zum Täter machen? 4. Welche Verletzung bzw. welcher Schaden ist entstanden? 5. Wer könnte die Tat sonst beobachtet haben?

Muss ich immer aussagen?: Nein, sagt die Hauptkommissarin. Das Recht auf Zeugnisverweigerungsrecht greife, wenn man mit dem Täter verwandt ist. Das Auskunftsverweigerungsrecht kommt zur Anwendung, wenn ich mich mit der Aussage selbst belasten könnte.

Recht auf Übersetzung: Sollte das Opfer, beziehungsweise der Zeuge oder die Zeugin die deutsche Sprache nicht oder nur sehr schlecht verstehen, kann ein Dolmetscher hinzugezogen werden.

ODABS: Die Online-Datenbank für Betroffene von Straftaten (www.odabs.org) ermöglicht es, sich anonym über die Betreuungs- und Hilfsmöglichkeiten in der jeweiligen Region zu informieren. ODABS.org ist im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales entstanden.

Hilfetelefon: Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist das erste 24-Stunden-Beratungsangebot für Deutschland, das unter der Nummer 0 80 00/11 60 16 und per Online-Beratung vertraulich und kostenfrei Hilfe und Unterstützung bietet – an 365 Tagen, rund um die Uhr, anonym, mehrsprachig und barrierefrei.

Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Unter der Adresse www.polizei-beratung.de findet sich ein Programm der deutschen Polizeibehörden. Es informiert über die verschiedenen Formen von Kriminalität und zeigt auf, wie diese verhindert werden können. Die Themenpalette reicht vom Thema Betrug bis zur Zivilcourage.

Polizei für dich: Die Website der Polizei für junge Menschen. Dort werden unter anderem Antworten auf Fragen wie "Was ist erlaubt? Was ist strafbar?" gegeben. Darüber hinaus bietet die Seite Wissenswertes zu den Rechten und Pflichten von Jugendlichen, zur Aufgabe der Polizeibeamten, zum Ablauf eines Strafverfahrens oder zu Kontaktdaten verschiedener Hilfeeinrichtungen (www.polizeifuerdich.de).

Bei Verletzungen: Am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) ist das vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration geförderte "Forensische Konsil Gießen" (FoKoGi) angesiedelt. Opfer von Gewalttaten aus ganz Hessen haben hier die Möglichkeit, kostenfrei eine gerichtsverwertbare Dokumentation der Verletzungen machen zu lassen (https://forensisches-konsil-giessen.de). Dies ist auch möglich, wenn man noch keine Anzeige erstattet hat oder nicht weiß, ob man das zu einem späteren Zeitpunkt noch tun möchte. Die Daten werden für ein Jahr gespeichert.

Entschädigung: Wer persönlich oder als Angehöriger durch eine Gewalttat einen gesundheitlichen Schaden erlitten hat, dem stehen möglicherweise Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zu. Weitere Informationen hierzu gibt es unter anderem auf diesen Internet-Seiten: www.bmas.de (Sozialministerium) oder https://beauftragter-missbrauch.de

Fonds sexueller Missbrauch: Hier können ausschließlich Sachleistungen wie zum Beispiel Therapien bewilligt werden. Weitere Infos unter www.fonds-missbrauch.de.

Opfer extremistischer Übergriffe: Für diese Opfergruppe gibt es Informationen beim Bundesamt für Justiz unter der Adresse www.bundesjustizamt.de (Suchwort: Härteleistungen).

Prävention: Am allerbesten ist es natürlich, wenn Straftaten überhaupt nicht begangen werden oder begangen werden können. Dafür sei es allerdings notwendig, dass die Bürgerinnen und Bürger die entsprechenden Hilfsangebote auch wahrnehmen, sagt Hauptkommissarin Eismann. So gibt es zum Beispiel für jeden Landkreis Experten der Polizei, die über Maßnahmen zum Schutz vor Wohnungseinbrüchen und Diebstahl informieren. Auf Wunsch auch vor Ort. Die Kontaktdaten sind zu finden unter www.polizei.hessen.de/praevention.

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