Maximal zu zweit unterwegs und Abstand halten - so gelingt auch in Corona-Zeiten der Osterspaziergang FOTOS: RÜDIGER GEIS
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Maximal zu zweit unterwegs und Abstand halten - so gelingt auch in Corona-Zeiten der Osterspaziergang FOTOS: RÜDIGER GEIS

Offen für den Osterspaziergang

  • Rüdiger Geis
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Alle Zeichen stehen eigentlich auf Rausgehen. Die Natur erwacht zu neuem Leben, und auch das Wetter verspricht jetzt Licht und Wärme. Passend zum bevorstehenden Fest. Doch muss nicht der traditionelle Osterspaziergang wegen der Corona-Krise ausfallen? Nicht unbedingt. Wenn man sich an Regeln hält.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick. Im Tale grünet Hoffnungsglück. Der alte Winter in seiner Schwäche zog sich in rauhe Berge zurück.

Der Beginn des Monologs des nicht unbedingt sympathischen Wissenschaftlers in Goethes Drama "Faust" ist zu einem Synonym für den obligatorischen Osterspaziergang vor allem im Kreis der Familie geworden.

Tatsächlich hatte die Kälte aus Russland in den letzten Tagen noch einmal für erhebliche Nachtfröste und mit einer leichten Eisschicht überzogene Gewässer gesorgt. Doch jetzt will endlich der Frühling Einzug halten - rechtzeitig zum Osterfest. Da geht der Drang des Menschen nach dem überwiegend nasskalten Winter unwillkürlich nach draußen - zu einem Waldspaziergang zum Beispiel. Der ist nach wie vor erlaubt und auch unbedingt empfehlenswert. Schlafforscher raten dazu, jetzt möglichst viel Licht und frische Luft zu tanken. Und sich zu bewegen. Das befördert einen gesunden Schlaf.

Und gut ausgeruht kann es losgehen - unter Beachtung der aktuell geltenden Einschränkungen durch die Corona-Krise. Auch da kann man dem Rat des Dichterfürsten folgen, den er in seinem Gedicht "März" verewigt hat:

Sollt ich mich einzeln freuen, Wenn auch der Frühling nah? Doch kommen wir zu zweien, doch kommen wir zu zweien…

Also, maximal zu zweit oder mit Familienmitgliedern auf Schusters Rappen auf Erkundungstour gehen. Hessen hat viel Wald (und Feld) zu bieten, nicht zuletzt in der hiesigen Region. Und da gibt es viel zu sehen und zu entdecken.

Und zu hören. Denn jetzt sind die Vögel allerorten dabei, ihre Nester zu bauen und mit ihrem für unser Ohr fröhlichen Gesang ihr Revier gegen Rivalen abzustecken. Das männliche Pfeifen, Singen, Zwitschern und Tirilieren der Amseln, Meisen, Rotkehlchen oder Goldammern signalisiert den Weibchen auch, wie gut der Sänger als Brutpartner ist. Mit einem rhythmischen Tocktocktock reiht sich der Specht in das Ensemble ein.

Die kakophone Symphonie der gefiederten Sänger wird jäh unterbrochen von einem scharfen Ruf aus der Luft. In der Höhe kreist ein Bussard. Auch er kümmert sich jetzt um die Nachwuchspflege und ist auf der Suche nach Fressbarem - bevorzugt Mäuse, aber auch Frösche, Eidechsen, Schlangen und Insekten.

Weniger häufig trifft man auf die großen Waldbwohner, doch mit etwas Glück und leisem Auftreten kann man einen quirligen Fuchs oder einem scheuen Reh begegnen. Meist erspähen oder riechen sie den Menschen früher und ergreifen die Flucht.

Auch Wildschweine, bevorzugt in Rotten, können einem schon mal im wahrsten Sinne des Wortes über den Weg laufen. Hier gilt ganz klar die Weisung in Corona-Zeiten: Abstand halten!

Die regenreichen Wintermonate haben für viel Wasser gesorgt. Überall rauscht, gluckert und plätschert es. Nicht nur in den normalen Bachläufen, sondern auch in Rinnen, Furchen und Gräben, die normalerweise trocken sind. Das lädt zu einem kurzen Fußbad ein, zur Abkühlung der Hände und zum Befeuchten des Gesichts.

Zunehmend beliebt ist auch das meditative Umarmen von Bäumen. Hier gilt nach wie vor kein Abstandsgebot - solange der Baum standsicher ist.

Ein kurzes Ausruhen auf einer Bank am Weg, auf dem mit Laub bestreuten Waldboden oder einer Wiese. Der Wald spricht alle Sinne an. Überall sprießt und wächst es jetzt. Die Knospen der Bäume und Büsche sind gehen auf. Buche, Esche, Erle und Ahorn sind schon gut dabei, die Eiche folgt später.

Es duftet nach Frische, nach Aufbruch. Jetzt einfach mal innehalten, das erste Grün genießen, für ein paar Momente die Sonnenstrahlen im Gesicht spüren, die Augen schließen und tief durchatmen:

Hier ist des Volkes wahrer Himmel, zufrieden jauchzet groß und klein: Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein!

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