Die Nutzung von Bussen und Bahnen ist wieder verhaltener. FOTO: DPA
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Die Nutzung von Bussen und Bahnen ist wieder verhaltener. FOTO: DPA

ÖPNV-Ausbau trotz Corona

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Bus und Bahn sind Verlierer der Corona- Pandemie. Zu Unrecht, sagen Verkehrsverbünde in Hessen und werben für den ÖPNV. Trotz gesunkener Fahrgastzahlen und Einnahmen sei der Ausbau der Infrastruktur unverzichtbar.

Selbst in Zeiten steigender Infektionszahlen sind Bus und Bahn sichere Verkehrsmittel: Mit dieser Botschaft wollten das Land Hessen, Verkehrsunternehmen und Kommunen Ende Oktober dem unter der Pandemie leidenden öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf die Sprünge helfen. Ein gemeinsamer Auftritt fiel jedoch dem neuen Teil-Lockdown zum Opfer. Thorsten Ebert, Landesvorsitzender des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Vorstand der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), wirbt dennoch auch jetzt für den ÖPNV: "Wir sagen den Menschen auch: Bleibt zu Hause. Wir wollen nicht dazu motivieren, kreuz und quer durch die Gegend zu fahren. Aber wenn man unterwegs sein muss, kann man Bus und Bahn nutzen, weil das Infektionsrisiko sehr gering ist." Der ÖPNV ist ein Verlierer der Corona-Krise. Mit dem ersten Shutdown stürzten die Fahrgastzahlen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) um 80 Prozent ab. Laut Ebert kamen zwar hessenweit Fahrgäste zurück: Rund 65 Prozent seien es im Juli gewesen, nach den Sommerferien dann 75. Doch der Teil-Lockdown versetzt dem ÖPNV den nächsten Schlag - auch wenn der Einbruch aktuell noch nicht so massiv sei. Trotzdem wird es lange nicht so sein wie vor der Krise: "Wir müssen davon ausgehen, dass wir selbst nach einer Impfstoffeinführung weiter Verlust von zehn Prozent oder mehr haben werden", erklärt Ebert. Es könne Jahre dauern, bis man das wirtschaftlich aufgeholt habe. "Die Corona-Pandemie hat für den öffentlichen Nahverkehr neue Rahmenbedingungen geschaffen", sagt auch Knut Ringat, Geschäftsführer des RMV.

Verfestigung neuer Routinen befürchtet

Bei Fragen nach der Ansteckungsgefahr in Bus und Bahn berufen sich Verkehrsunternehmen auf mehrere Untersuchungen. Es gibt unter anderem eine Studie der Deutschen Bahn, Erhebungen des Robert- Koch-Instituts (RKI) und Statements von Virologen. Der Tenor: Bus und Bahn sind sicher. Kritiker verweisen aber darauf, dass nur ein Bruchteil der Ansteckungen nachverfolgt werden kann. Es seien nicht die Stammkunden, die das Vertrauen in den ÖPNV verloren hätten, erklärt Ringat. "Der allergrößte Teil unserer Abonnenten hat uns in den vergangenen Monaten die Treue gehalten." Was fehle, seien die Gelegenheitskunden, die Einzel- und Tageskarten kauften. "Was uns sehr beschäftigt, ist, dass wir durch die verstärkte Homeoffice-Situation, die Angst vor Ansteckung, die allgemein geringere Mobilität der Menschen sowie den Umstieg auf Fahrrad und Auto einen längerfristigen Einbruch bei den Fahrgastzahlen sehen", sagt Ebert. Die Zeit läuft gegen den ÖPNV: Je länger die Pandemie anhalte, desto mehr Leute stiegen aufs Auto um oder kauften sich ein Fahrzeug, sagt Professor Carsten Sommer. Er ist Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme der Universität Kassel. "Es besteht die Gefahr, dass diese neuen Routinen bestehen bleiben - auch über die Dauer der Pandemie hinaus."

Fahrpreiserhöhung erst Mitte 2021

Zudem reißt der Einbruch der Fahrgastzahlen Löcher in die Kassen der Verkehrsunternehmen. Das hessische Wirtschaftsministerium erwartet für das laufende Jahr ein Einnahmedefizit von 309 Millionen Euro für den ÖPNV. Das soll mit öffentlichem Geld ausgeglichen werden. 245 Millionen Euro gibt der Bund, 64 Millionen das Land. Im kreditfinanzierten Sondervermögen des Landes sind zur Bewältigung der Corona-Folgen für den ÖPNV 250 Millionen Euro bis 2023 vorgesehen. Die jährliche Fahrpreiserhöhung hat der RMV nach eigenen Angaben dennoch um ein halbes Jahr auf Juli 2021 verschoben.

Der VDV-Vorstand hält einen Ausbau des ÖPNV trotz Krise für unausweichlich: "Völlig unabhängig von Corona sind die Kapazitätsgrenzen ohnehin erreicht gewesen. Wir brauchen allein wegen des Fahrkomforts mehr Platz in den Fahrzeugen, wir brauchen dichtere Takte." Das sieht auch Verkehrswissenschaftler Sommer so: Bus und Bahn seien wichtiger als je zuvor. "Die Klimakrise zu bewältigen, das geht ohne leistungsfähigen ÖPNV nicht." Deswegen müsse er massiv ausgebaut werden.

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