Die Mitarbeiterin eines Friseursalons im Frankfurter Nordend reicht einen "Shutdown-Gutschein" durch das heruntergelassene Gitter am Eingang. Ähnlich wie in vielen anderen Geschäften wurde auch hier damit begonnen, Gutscheine zu verkaufen, die finanziell ein wenig über die Durststrecke der Schließung hinweghelfen sollen. FOTO: DPA
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Die Mitarbeiterin eines Friseursalons im Frankfurter Nordend reicht einen "Shutdown-Gutschein" durch das heruntergelassene Gitter am Eingang. Ähnlich wie in vielen anderen Geschäften wurde auch hier damit begonnen, Gutscheine zu verkaufen, die finanziell ein wenig über die Durststrecke der Schließung hinweghelfen sollen. FOTO: DPA

ZAHLEN AUS HESSEN

Notbetreuung wird ausgeweitet

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Hessen rechnet mit weiter steigenden Zahlen von Covid-19-Fällen in den Krankenhäusern. Damit Ärzte, Sanitäter und Pfleger möglichst voll einsatzfähig sind, sorgt das Land vor.

Während die Corona-Krise Hessen fest im Griff hat, rüstet sich das Land für eine drohende Verschärfung der Lage. Da möglicherweise künftig immer mehr Schwerkranke in den Krankenhäusern behandelt werden müssen, wird die Notbetreuung an den Kitas und Schulen ausgeweitet. Das Angebot gilt für Kinder von Eltern, die im Gesundheitswesen beschäftigt sind und dringend an ihrem Arbeitsplatz gebraucht werden.

Sozialminister Kai Klose (Grüne) warnte davor, die Corona-Regeln zu früh zu lockern. Um Ostern herum werde die Zeit sein, zu der man mit Blick auf die Entwicklung der Infektionszahlen über eine mögliche weitere Strategie nachdenken könne, sagte er in Wiesbaden. Die wichtigsten Themen des Tages zu Covid-19 im Überblick:

Notbetreuung an Schulen:Die Notbetreuung an Schulen und Kindertagesstätten wird speziell für Kinder berufstätiger Eltern aus dem Gesundheitswesen ausgeweitet. Das kündigten Klose und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) an. Für diese Kinder gebe es zusätzlich an Wochenenden und den Osterfeiertagen ein Angebot. Dies gilt für Alleinerziehende und Familien, in denen mindestens ein Elternteil im Gesundheitswesen oder Rettungsdienst arbeitet und das zweite in einem bestimmten Schlüsselberuf, wozu beispielsweise Polizisten, Richter oder Apotheker zählen. Die bereits laufende Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in bestimmten Schlüsselberufen arbeiten, werde es auch an den Ferientagen unter der Woche geben, erläuterte ein Sprecher des Kultusministeriums. Die Regelungen gelten ab 4. April und zunächst bis 19. April. "Wir reagieren damit vorausschauend auf die Entwicklung, die vermutlich vor uns liegen wird - nämlich die steigende Zahl der an Covid-19 ... erkrankten Personen", erläuterte Klose.

Krankenhäuser bereiten sich weiter vor:In den hessischen Krankenhäusern sind nach Angaben von Klose aktuell 10 500 Betten frei. Das seien deutlich mehr als sonst im Durchschnitt, sagte der Minister. Hinzukämen mehr als 600 freie Betten mit einer Beatmungsmöglichkeit und über 400 mit der Möglichkeit einer intensivmedizinischen Überwachung. Die freien Kapazitäten seien die Folge der vor zwei Wochen getroffenen Entscheidung, planbare Operationen zu verschieben.

Weniger Verkehr:Nachdem das soziale Leben stark eingeschränkt wurde, hat der Verkehr auf den Autobahnen deutlich abgenommen. Hessen Mobil bezifferte den Rückgang je nach Autobahn auf 30 bis 50 Prozent.

Wirtschaft weiter ausgebremst:Die Krise hat die hessische Wirtschaft nahezu vollständig erreicht. Nach einer Umfrage des hessischen Industrie- und Handelskammertages spüren 92 Prozent der Unternehmen Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Dreiviertel der Betriebe rechnen demnach mit Umsatzverlusten über zehn Prozent, jede vierte Firma sogar mit mehr als 50 Prozent. Mehr als 1100 Unternehmen hatten sich an der Umfrage beteiligt. Zu schaffen machten den Betrieben vor allem die sinkende Nachfrage, stornierte Aufträge, der Stillstand der Geschäftstätigkeit und Liquiditätsengpässe. Die Lufthansa meldete Kurzarbeit für Tausende ihrer Mitarbeiter in Deutschland an.

Gaststätten und Restaurants stellen ihre Geschäfte um:Im Kampf um ihre Existenz bauen viele Gastronomen in Hessen Lieferdienste auf. Der abrupte Einstieg in das Geschäft stellt die Wirte vor Herausforderungen: "Das Schwierigste war, die Touren zu planen", berichtete etwa der Gießener Gastronom Shadi Souri.

Landesverwaltung konferiert per Video:In der Corona-Krise besonders wichtig: Den Dienststellen des Landes stehen knapp 100 Videokonferenzsysteme zur Verfügung. Das geht aus einer Antwort des Digitalministeriums auf eine parlamentarische Anfrage im Landtag hervor. Daneben wurde aktuell die Zahl der Lizenzen für "Face-to-Face oder Ad-hoc-Konferenzen" der Anwendung HessenConnect von 2800 auf etwa 5000 erhöht, wie ein Sprecher ergänzte. Der Arbeitseinsatz der Beschäftigten werde derzeit über Pandemiepläne geregelt.

Forscher sind Impfstoff auf der Spur:An der weltweiten Suchen nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 beteiligen sich auch Gießener Wissenschaftler. Die EU unterstütze das Projekt "Opencorona", das unter Federführung schwedischer Forscher steht, für zwei Jahre mit voraussichtlich drei Millionen Euro, teilte die Hochschule mit. Das Team um Prof. Weber untersucht in Zellkulturen, wie das angeborene Immunsystem auf verschiedene Impfstoffkandidaten reagiert. Binnen einer Woche haben Bürger, Unternehmer und Institutionen eine Million Euro für den Corona-Fond der Frankfurter Goethe-Universität gespendet. Das Geld kommt vor allem der Forschung und Entwicklung in Virologie und Intensivmedizin zugute.

Kirchen spenden Trost:Als hörbares Zeichen zum Zusammenhalt in der Corona-Krise sollen am heutigen Samstagabend um 19.30 Uhr für fünf Minuten die Glocken zum Gebet läuten. An dieser Aktion beteiligen sich unter anderem die Bistümer in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, wie das Bistum Fulda mitteilte.

Pro Asyl fordert Abschiebestopp:Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hat einen generellen Abschiebungsstopp wegen der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus gefordert. Betroffene müssen davor geschützt werden, in Länder mit schlechten Gesundheitssystemen abgeschoben zu werden, in denen die Auswirkungen von Corona katastrophal werden können oder bereits sind, hieß es. Konkret bezog sich Pro Asyl auf eine bevorstehende Abschiebung zweier Frauen in den Iran, der als eines der weltweit größten Risikogebiete der Coronavirus-Pandemie gilt.

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Hessen stieg am Freitag im Vergleich zum Vortag um 222 Fälle auf 2392 (Stand 14 Uhr). Mehr als 50 Menschen liegen wegen der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 im Krankenhaus, wie das Sozialministerium mitteilte. 88 lagen auf Intensivstationen und wurden beatmet. 34 weitere brauchten zwar Intensivbetten, mussten aber nicht beatmet werden. Nach Angaben des Ministeriums erhöhte sich die Zahl der Todesfälle, die auf den Erreger Sars-CoV-2 zurückgeführt werden, um einen Fall auf sieben.

Die Zahl der gemeldeten Infizierten in Frankfurt wird - wie bereits am Vortag - mit 237 angegeben. Nach Angaben einer Ministeriumssprecherin könnte dies daran liegen, dass die Stadt mögliche neue Fälle bis zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht in ein Meldesystem eingegeben hatte.

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