Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt an einem Mercedes. Die Ermittler machten bislang keine genauen Angaben dazu, wie viele Menschen an welchem Tatort starben. FOTO: DPA
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Forensiker arbeiten an einem Tatort in Hanau-Kesselstadt an einem Mercedes. Die Ermittler machten bislang keine genauen Angaben dazu, wie viele Menschen an welchem Tatort starben. FOTO: DPA

Noch viele Fragen offen

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Nach dem mutmaßlich rassistischen Anschlag von Hanau haben die Ermittler noch viel zu klären. Wie genau lief die Tat ab? Hatte Tobias R. Mitwisser oder sogar Unterstützer? Bei anderen Fragen ist man schon weiter.

Ein Deutscher erschießt neun Menschen und wohl auch seine Mutter - der Anschlag von Hanau hat Deutschland erschüttert. Was bisher über die Tat bekannt ist - und welche Fragen noch offen sind.

Was wir wissen: Tathergang -An verschiedenen Orten wurden am Mittwochabend und in der Nacht zum Donnerstag in Hanau zehn Menschen erschossen und mehrere Menschen verletzt. Die ersten Schüsse fielen den Ermittlern zufolge gegen 22 Uhr in der Hanauer Innenstadt, in einem Lokal am Heumarkt und in einer Bar in unmittelbarer Nähe. Zeugen sehen nach den Schüssen ein dunkles Fahrzeug wegfahren.

Auch im rund zwei Kilometer entfernten Stadtteil Kesselstadt fielen Schüsse. Die Tatorte: ein Auto und in einem Café-Kiosk am Kurt-Schumacher-Platz. Dorthin soll der mutmaßliche Täter nach der ersten Gewalttat gefahren sein.

Stunden später entdeckte die Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung, ebenfalls im Stadtteil Kesselstadt. Dort fanden die Ermittler auch die Leiche seiner 72-jährigen Mutter. Der Vater war zu dem Zeitpunkt ebenfalls in der Wohnung. Er hat nach Angaben des Generalbundesanwalts aber Zeugenstatus und ist kein Beschuldigter. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der mutmaßliche Täter erst seine Mutter und dann sich umgebracht hat. Durch Zeugenaussagen und Aufnahmen von Überwachungskameras kamen die Ermittler dem Mann auf die Spur. Mithilfe seines identifizierten Autos konnte die Polizei den Wohnort ausfindig machen.

Täter- Bei dem Mann handelt es sich um den 43-jährigen Tobias R. aus Hanau. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er allein gehandelt haben. Der Mann war seit 2012 im Schützenverein Diana Bergen-Enkheim aktiv, wie der Deutsche Schützenverein bestätigte. Seit 2013 durfte er Waffen besitzen. 2019 wurde die Erlaubnis für R. von der Kreisbehörde überprüft - ohne Auffälligkeiten. Die Ermittler gehen davon aus, dass R. psychisch krank war. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sprach von einer offensichtlich "schweren psychotischen Krankheit". Tobias R. soll zuvor nicht im Visier der Ermittler gewesen sein.

Über den Werdegang des Täters gibt es keine offiziellen Angaben. Über sich selbst schrieb der Täter auf seiner Homepage, er habe eine Banklehre absolviert und BWL in Bayreuth studiert. Die Universität in Bayreuth bestätigte, dass Tobias R. dort von September 2000 bis März 2007 Student war.

Opfer- Tot ist die 72 Jahre alte Mutter des mutmaßlichen Täters. Die anderen neun Todesopfer sind zwischen 21 und 44 Jahre alt, wie Generalbundesanwalt Peter Frank mitteilte. Nach Angaben des Landeskriminalamts hatten drei eine

deutsche Staatsangehörigkeit und zwei eine türkische. Je eines der Opfer hatte eine bulgarische, eine rumänische und eine bosnisch-herzegowinische Staatsangehörigkeit, ein weiteres sowohl eine deutsche als auch eine afghanische.

Sechs Menschen seien verletzt worden, eine Person davon schwer.

Motiv- Die Ermittler gehen von einem rechtsradikalen und rassistischen Hintergrund der Tat aus. Hinweise auf der Homepage des Täters wiesen darauf hin. Frank sprach von einem "zutiefst rassistischen Weltbild". Wenige Tage vor dem Verbrechen hatte der mutmaßliche Täter ein Video mit Verschwörungstheorien bei YouTube veröffentlicht. Darin sagt der Mann etwa, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Er behauptet in dem Video, Deutschland werde von einem Geheimdienst gesteuert. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

Auch auf R.s Homepage wurde ein Schreiben mit den Verschwörungstheorien veröffentlicht. Zuletzt bearbeitet wurde es am 22. Januar. Er spricht darin laut Frank davon, dass Angehörige bestimmter Volksgruppen vernichtet werden müssten. Im November hat die Bundesanwaltschaft eine Strafanzeige von Tobias R. erhalten, die sich gegen eine unbekannte Organisation richtet.

Was wir nicht wissen- Unbekannt ist, wie der Tatablauf genau war und wie lange die Tat gedauert hat. Nicht bekannt ist auch, wo sich der 43-Jährige vor der Tat aufgehalten hat. Mithilfe von Spuren in der Wohnung wollen Ermittler klären, was sich dort genau abgespielt hat.

Die Ermittler machten bislang auch keine genauen Angaben dazu, wie viele Menschen an welchem Tatort starben - abgesehen von der Wohnung.

Unklar ist, ob der mutmaßliche Täter Mitwisser oder Unterstützer für seinen Anschlag hatte, möglicherweise auch im Ausland.

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