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Edgar Franke

»Nichts kann das ungeschehen machen«

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Hanau/Berlin - Wenige Stunden nach dem Anschlag war Edgar Franke, Opferbeauftragter der Bundesregierung und SPD-Bundestagsabgeordneter aus Nordhessen, in Hanau, um Angehörigen der Ermordeten zur Seite zu stehen. Er berichtet von seinen Erfahrungen.

Wie oft sind Sie nach dem Anschlag vom 19. Februar 2020 in Hanau gewesen?

Bisher an über 30 Tagen. Ich habe viele persönliche Gespräche mit den Familien der Opfer und mit Verletzten geführt. Viele kämpfen sich mit großer Kraft zurück ins Leben. Aber nichts kann diesen entsetzlichen rassistischen Mordanschlag ungeschehen machen. Nichts kann geliebte Angehörige wieder zurückbringen. Umso wichtiger ist die Solidarität von uns allen.

Wie haben Sie den Angehörigen des Mordanschlags helfen können?

Um die traumatischen Erfahrungen zu bewältigen, sind die psychosozialen Hilfen besonders wichtig. Mit finanziellen Soforthilfen haben wir versucht, den Familien der Opfer Existenznöte in dieser schrecklichen Zeit zu nehmen. Aber es ging auch um ganz praktische Unterstützung: Viele der Angehörigen der Getöteten brauchten neue Wohnungen, weil sie in der Nähe der Tatorte wohnten. Für sie war es schrecklich belastend, jeden Tag an diesen Orten vorbeigehen zu müssen.

Wie helfen Sie heute noch?

Gemeinsam mit dem Land Hessen und der Stadt Hanau kümmern wir uns um dauerhafte Unterstützung für die Betroffenen. Der Staat darf Terroropfer nicht alleinlassen. Der Attentäter hat die Opfer stellvertretend für all das angegriffen, was unsere Demokratie ausmacht. Auch deshalb sind wir in einer besonderen Verantwortung gegenüber den Opfern. Ihnen geht es um lückenlose Aufklärung, um Sicherheit und Schutz vor weiteren Taten, um Bildungs- und Präventionsarbeit. Und um ein würdiges Gedenken.

Wie denken Sie heute, ein Jahr nach dem Anschlag, über das Geschehen in Hanau?

Wir müssen unsere Demokratie vor rechtsextremer Hetze schützen. Rechtsextremisten bedrohen all jene, die für eine vielfältige Gesellschaft einstehen. Beleidigungen oder Drohungen sind für viele Menschen mit ausländischen Wurzeln trauriger Alltag. Die Bundesregierung hat nach dem Anschlag 89 Maßnahmen beschlossen, um unsere offene Gesellschaft zu schützen und zu stärken. Diese Maßnahmen müssen wir noch in diesem Jahr umsetzen. Thorsten Becker

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