Neue Herzkatheter-Abteilung an der Kerckhoff-Klinik eröffnet

Bad Nauheim (chh). Mit dem Neubau der Herzkatheter-Abteilung der Kerckhoff-Klinik ist am Mittwoch eine der bundesweit modernsten und leistungsfähigsten Einrichtungen zur Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen eröffnet worden.

Bad Nauheim (chh). Mit dem Neubau der Herzkatheter-Abteilung der Kerckhoff-Klinik ist am Mittwoch eine der bundesweit modernsten und leistungsfähigsten Einrichtungen zur Diagnose und Behandlung von Herzerkrankungen eröffnet worden. 4,5 Millionen Euro hat der vom Frankfurter Büro "mtp architekten" betreute Neubau gekostet. Laut Ulrich Jung, Kaufmännischer Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor der Klinik, wurden allein 2,8 Millionen Euro in hochmoderne Medizintechnik investiert. Neben fünf Kathetermessplätzen umfasst die Abteilung auch einen modernen Reinraum für minimalinvasive Herzklappeneingriffe per Katheter.

"Dieses hochmoderne Operationsverfahren gibt es erst seit 2007", erklärt der leitende Oberarzt des Herzkatheterlabors, Dr. Helge Möllmann. Gerade für ältere Patienten sei das Verfahren, bei dem in der Leistengegend oder seitlich des Brustkorbs ein Katheter eingeführt wird, besonders geeignet. "Das übliche Verfahren, bei dem der Brustkorb aufgeschnitten werden muss, um am offenen Herzen zu operieren, ist bei älteren Patienten riskant", erläutert der Kardiologe.

Einer der ersten Patienten, die in der neu gestalteten Abteilung minimalinvasiv behandelt wurden, ist Karl Wagner. Vor vier Wochen traten bei dem 73-Jährigen urplötzlich Atemnotbeschwerden und ein Druck in der Magengegend auf. Sein Arzt überwies ihn daraufhin in die Kerckoff-Klinik. Dort diagnostizierten die Ärzte die Verstopfung einer Hauptarterie im Herzen. Am Montag bereiteten ihn die Ärzte auf den Eingriff vor. Gestern war es soweit. "Ich bin erst vor wenigen Stunden operiert worden. Ich habe eine örtliche Betäubung in die Leiste bekommen, dann ging es los. Ich konnte alles am Monitor verfolgen", erzählte Wagner am Mittwoch. Die Ärzte führten ihm drei Katheter durch die Leiste ein, die mithilfe der Monitore zum Herzen gesteuert wurden. "Ich habe zwar gemerkt, dass sich etwas in meinem Oberkörper bewegt, aber sonst nichts. Plötzlich sagte der Arzt: ›Jetzt sind wir im Herz.‹" Nach einer Stunde war der Eingriff vorüber. Die Arterie ist wieder frei, heute darf er die Klinik schon wieder verlassen.

Während vor dem Neubau die fünf Herzkatheterstationen in der Klinik verteilt waren, befinden sie sich jetzt alle auf einer Ebene. "Das ist optimal, besonders bei der Behandlung von Notfällen", findet Möllmann. Pro Tag würden drei bis vier Patienten mit Herzinfarkten eingeliefert. Mit Städten wie Weilburg, Büdingen oder Usingen habe die Klinik ein großes Einzugsgebiet. "Für Infarktpatienten haben wir extra einen Herzkathetertisch für Notfallversorgungen. Das ist extrem wichtig, da es bei Infarkten um Minuten geht, die über Leben und Tod entscheiden. Das klingt plakativ, es ist aber so."

Um bestmöglich vorbereitet zu sein, stünden in der Station 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche bis zu 15 Schwestern und 5 Ärzte bereit. "Selbst wenn ich mal nicht arbeite: Ich wohne in Bad Nauheim, bevor ein Notfallpatient eingeliefert wird, bin ich schon in der Klinik."

Auch Ulrich Jung, Kaufmännischer Geschäftsführer und Verwaltungsdirektor der Kerckhoff-Klinik, ist von den Vorzügen der räumlichen Zusammenlegung überzeugt: "Sie wird die medizinischen und pflegerischen Arbeitsabläufe verbessern und damit die Versorgung unserer Patienten optimieren", hebt er die Bedeutung der neuen Abteilung hervor. Deren Eröffnung sei der erste Schritt hin zu einem vollkommen neuen Raumkonzept, das 2012 mit dem Abschluss der Bauarbeiten am Neubau zwischen internistischem und chirurgischem Trakt vollständig umgesetzt sein soll. Nach Angaben der Klinik sieht das neue Raumkonzept vor, Primärflächen wie den Intensivpflegebereich, Operationsräume, Katheterlabore, Ambulanz und Radiologie räumlich zusammenzulegen. Die Katheterabteilung sowie der gesamte Neubau werde die Leistungsfähigkeit der Klinik als Zentrum für Herz- und Thoraxerkrankungen optimieren und ihre Spitzenstellung festigen, prophezeite der Ärztliche Direktor Prof. Christian Hamm.

Prof. Thomas Walther, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Herzchirurgie, sieht in dem neuen Herzkatheterlabor vor allem die Möglichkeit, gemeinsam, als Team aus Herzchirurgen und Kardiologen, den Patienten bestmöglich zu versorgen. So sieht es auch Möllmann. "Während früher Herzchirurgen und Kardiologen mehr oder weniger getrennt voneinander gearbeitet haben, stehen wir jetzt gemeinsam an den Tischen."

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