Im Netzwerk verfangen

Nidderau (pv). Meist fängt es ganz harmlos an: Ein PC-Spielchen am Nachmittag, eine Stunde vielleicht oder auch zwei zur Entspannung, zum Ausgleich von Schulstress und Hausaufgaben. Da ist Taktik gefragt, Strategien müssen entwickelt, mit Intelligenz und Raffinesse der Gegner überlistet werden. Virtuelle Mitspieler unterstützen die eigene Mission in der bunten Parallelwelt, immer komplexer werden die Abenteuer, die es zu bestehen gilt.

Nidderau (pv). Meist fängt es ganz harmlos an: Ein PC-Spielchen am Nachmittag, eine Stunde vielleicht oder auch zwei zur Entspannung, zum Ausgleich von Schulstress und Hausaufgaben. Da ist Taktik gefragt, Strategien müssen entwickelt, mit Intelligenz und Raffinesse der Gegner überlistet werden. Virtuelle Mitspieler unterstützen die eigene Mission in der bunten Parallelwelt, immer komplexer werden die Abenteuer, die es zu bestehen gilt.

Längst reicht die Stunde am Nachmittag nicht mehr aus, in nächtelangen Sitzungen begleitet der Jugendliche sein virtuelles Ich bei der Rettung imaginärer Kontinente und Galaxien. Die Wirklichkeit dagegen ist grau und flach und fordernd, da klinkt man sich gern und immer länger aus. Wie Jugendliche sich verwandeln, wenn sie süchtig nach solchen Spielen werden, das konnte Randolph Schwenke, Jugendkoordinator der Polizei Main-Kinzig, anlässlich einer Informationsveranstaltung in der Bertha-von-Suttner-Schule auf plastische Weise schildern: Schule, Sport und Freunde spielten alsbald keine Rolle mehr, Kleidung und Körperpflege würden vernachlässigt, auch Essen und Trinken werde zur Nebensache, aus einem bislang freundlichen und aufgeschlossenen Kind werde in kürzester Zeit ein reizbarer und aggressiver Teenager.

Nicht nur um Spielsucht ging es an diesem Abend, zu der die kürzlich gegründete Elternakademie des Schulelternbeirates der Bertha-von-Suttner-Schule eingeladen hatte. »Gefahr neue Medien« lautete das Thema der Informations- und Diskussionsveranstaltung, das offenbar vielen Eltern auf den Nägeln brennt; rund 150 Besucherinnen und Besucher konnte Schulelternbeiratsvorsitzender Steffen van Klev in der Aula begrüßen. Polizeioberkommissar Randolph Schwenke referierte zunächst ausführlich über die beliebten Kommunikationsplattformen für Jugendliche im Internet. Die Mitglieder in »Communitys« wie dem Schüler-VZ werden immer zahlreicher und immer jünger, damit einhergehend aber auch immer sorgloser im Umgang mit ihren eigenen Daten. So bestehe die Gefahr, dass Pädophile auf diesen Seiten wildern und auf der Suche nach leichtgläubigen Opfern fündig werden.

Schwenke riet den Eltern, ihre Kinder dazu anzuhalten, in Internet-Communitys nicht zu viel von sich preiszugeben und vor allem keine Angaben über ihren Wohnort ins Netz zu stellen. Auch sollten sich Jugendliche nicht auf Verabredungen mit Chatroom-Bekanntschaften einlassen, nicht selten entpuppe sich der coole Fünfzehnjährige als Fünfzigjähriger mit vollkommen uncoolen Absichten.

Wie leicht es überdies ist, im Internet Seiten mit pornografischen oder Gewalt verherrlichenden Inhalten zu öffnen, konnte Schwenke den erstaunten Eltern außerdem demonstrieren. Sein Rat: Nicht verbieten, sondern mit den Kindern und Jugendlichen reden und sie für die Gefahren sensibilisieren.

Dass angesichts des immer unübersichtlicher werdenden Mediums »Internet« sich bei vielen Eltern Hilf- und Ratlosigkeit breit machen, davon zeugte die Diskussion im Anschluss an Schwenkes Vortrag.

Wie kann man sich gegen Mobbing per Internet wehren? Wie sieht es mit dem Recht am eigenen Bild, widerrechtlich ins Netz gestellt, aus? Wie kann man verhindern, dass die Kids verbotene Inhalte im Netz und auf dem Handy verbreiten? Wo finde ich Hilfe, wenn mein Kind so tief in die Parallelwelten der Computerspiele abgetaucht ist, dass es allein nicht mehr herausfindet? Wie können Eltern die Nutzung verbotener Seiten verhindern, ohne die Kinder ständig zu kontrollieren? »Vertrauen ist besser als alle Verbote, reden Sie mit Ihrem Kind über die Inhalte, die es sieht und sehen möchte«, so das Resümee des Fachmanns.

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