Bad Nauheim: Zukunft des Eisstadions unklar

Bad Nauheim (bk). Der Haupt- und Finanzausschuss hat in seiner Sitzung am Dienstagabend mit den vier Stimmen der CDU bei acht Enthaltungen den Haushaltsentwurf 2010 gebilligt. Wichtigste Botschaft: Für die Sanierung des Eisstadions - vorrangig ist die Instandsetzung des Dachs - steht kein Cent im Etat.

Drei Anträge zu diesem Thema wurden gestellt, alle drei abgelehnt. "Folgt das Stadtparlament am 28. Januar diesem Votum, ist die Schließung der Sportstätte die Konsequenz", sagte Erster Stadtrat Armin Häuser (CDU) im Gespräch mit der "Wetterauer Zeitung". Der Kämmerer hatte sich in der Ausschusssitzung für den Antrag der Union stark gemacht, wonach in diesem Jahre 1 Million Euro für die Dacherneuerung und 2011 weitere 800 000 Euro für Fassade und Fenster bereitgestellt werden sollten.

Wie Häuser betonte, könne die Sportstätte in der Saison 2010/2011 nur mit neuem Dach weiterbetrieben werden, ansonsten müsse eine Schließung wegen Sicherheitsmängeln erfolgen. Ohne Geld im Haushalt 2010 sei die Verwaltung allerdings nicht in der Lage, die entsprechenden Aufträge zu vergeben. Häuser hofft, dass die Stadtverordneten in einer Woche die letzte Chance nutzen, um das Stadion zu erhalten.

Im Verlauf der Etatberatungen am Dienstagabend legten CDU, 3 B und UWG Anträge in Sachen Eisstadion vor. Die Christdemokraten wollten für dieses Jahr 1 Million Euro bewilligen sowie eine Verpflichtungsermächtigung in Höhe von 800 000 Euro für 2011 einstellen. Die Summe sollte mit einem Sperrvermerk versehen werden, um der noch nicht geführten inhaltlichen Diskussion in den Ausschüssen, wie es mit dem Eissport weitergehen soll, nicht vorzugreifen. "Der Vorwurf, mit der Bewilligung von 1,8 Millionen Euro sei eine Vorentscheidung pro umfassender Sanierung des Stadions verbunden, ist falsch. Wir würden uns lediglich die Option der Instandsetzung offen halten - entscheidet sich die Mehrheit letztlich dagegen, wird das Geld eben nicht ausgegeben", sagte der Erste Stadtrat. Im Februar soll zunächst in einer gemeinsamen Ausschusssitzung und anschließend im Parlament beraten und beschlossen werden, wie die Zukunft des Stadions aussieht.

Sollte letztlich eine Sanierung befürwortet werden, muss nach Ansicht Häusers bereits am Dienstag nach Ostern begonnen werden, um bis zum Start der nächsten Saison fertig zu sein: "Wir müssen die Vorabgenehmigung des Landrats für einen Kredit einholen, die Aufträge ausschreiben und vergeben." Das alles könne nur in die Wege geleitet werden, wenn ein entsprechender Etatposten existiere.

3 B-Fraktionschef Jürgen Burdak hatte am Dienstagabend gefordert, 500 000 Euro für das Eisstadion einzuplanen - ebenfalls mit Sperrvermerk. Dieser Antrag fand ebenso wenig eine Mehrheit wie die UWG-Initiative, 60 000 Euro bereitzustellen. Mit diesem Geld soll das Dach notdürftig ausgebessert werden, um das Stadion zumindest zwei weitere Jahre nutzen zu können. Da alle Anträge abgelehnt wurden, steht im Etat 2010 kein Geld für die Instandsetzung zur Verfügung - es sei denn, das Parlament kommt in einer Woche zu einer anderen Entscheidung.

Auch der Förderverein der Kurstadt hat sich in Sachen Eisstadion zu Wort gemeldet. Vorsitzender Klaus Neuhöfer erinnerte an die Geschichte des Colonel-Knight-Stadions, das auf Initiative des US-amerikanischen Offiziers gebaut und am 22. Januar 1946 eröffnet worden war. "Damit wurde der gebeutelten Bevölkerung endlich wieder ein Stück Lebensqualität und Lebensmut zurückgegeben", sagte Neuhöfer. Schon 1948 habe der VfL Bad Nauheim die deutsche Vizemeisterschaft errungen, viele sportliche Erfolge hätten sich in den Jahrzehnten danach eingestellt und maßgeblich zum Bekanntheitsgrad der Kurstadt beigetragen. Bad Nauheim sei auch heute noch eine Eishockeystadt. Zu den Heimspielen kämen im Schnitt 1200 Zuschauer, viele Nachwuchsmannschaften würden mit großem Idealismus trainiert. Das Eisstockschießen und der Eiskunstlauf könnten ebenfalls auf eine große Tradition zurückblicken.

Nun befinde das Stadtparlament über die weitere Zukunft der Sportstätte. "Das Colonel-Knight-Stadion muss erhalten bleiben. Die Identifikation der Bevölkerung mit dem Stadion spiegelt die Verbundenheit zum Eissport wider", erklärte Neuhöfer. Der Vereinsvorsitzende fordert dazu auf, die Debatte über den Bau einer neuen Sportstätte zu beenden und stattdessen die Grundlagen für die Sanierung des bestehenden Stadions zu schaffen. Die für einen Neubau auf dem Stoll-Gelände erforderliche Verwertung des jetzigen Stadiongeländes für Wohnbauzwecke lehnt der Förderverein ab. Neuhöfer: "Dies würde das ganze Ambiente zerstören, in einen Park gehören keine Wohneinheiten. Bei der Bevölkerung würde eine solche Entscheidung nicht auf Verständnis stoßen." Auch in anderen Kleinstädten wie Pelting, Klostersee, Bad Tölz oder Timmendorf seien die Mittel vorhanden, um ein Eisstadion zu betreiben. Die Bad Nauheimer Parteien müssten entsprechende Prioritäten bei den Ausgaben setzen und Rücklagen für das Eisstadion bilden.

Nach Ansicht von Neuhöfer wurden Millionen Euro dafür bereitgestellt, um "unnütze Projekte" wie die Umgestaltung des Südparks, die Errichtung eines Biotops zwischen Friedberg und Bad Nauheim oder den Bau eines teuren Kunstrasenplatzes in Rödgen zu verwirklichen. Dies sei "blinder Aktionismus" der Kommunalpolitik, die von den Bürgern der Kurstadt schon lange nicht mehr ernst genommen werde. Sollte es zu einem Beschluss gegen den Erhalt des Eisstadions kommen, will der Förderverein Neuhöfer zufolge möglicherweise ein Bürgerbegehren initiieren. Man werde sich mit aller Kraft für den Fortbestand des Stadions einsetzen.

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