Schulen ohne Rassismus: Serpil Unvar will mit der Stiftung ein großes Ziel erreichen. FOTO: HOYER
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Schulen ohne Rassismus: Serpil Unvar will mit der Stiftung ein großes Ziel erreichen. FOTO: HOYER

Im Namen von Ferhat

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Hanau- Die Idee, eine Stiftung zu gründen, hatte Serpil Unvar bereits eine Woche nach dem rassistischen Anschlag am 19. Februar in Hanau. Als der Attentäter ihren Sohn Ferhat aus dem Leben riss. Schon vorher hatten sie Rassismus erlebt. Am meisten habe sie sich mit der Situation in den Schulen beschäftigt. Die Erfahrungen, die sie und Ferhat mit der Schule erlebten, den Rassismus, die Diskriminierung, all das sei schlimm gewesen, sagt Serpil Unvar. "Ferhat war intelligent und lebendig. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Lehrer ein Ausländerkind oft nicht akzeptieren", sagt sie. Sie wisse, dass sie damit nicht alleine sei. "Ich will nicht, dass andere Mütter ihren Kindern sagen müssen, dass sie mehr arbeiten müssen als deutsche Kinder." Deswegen hat sie die "Bildungsinitiative Ferhat Unvar" gegründet. Die Webseite ging am 14. November an den Start. An Ferhats Geburtstag. Noch steckt die Initiative in den Kinderschuhen. Der Kern des Projektes ist die antirassistische Bildungsarbeit. Die Initiative soll eine Anlaufstelle für Mütter und Jugendliche mit Migrationsgeschichte sein, aber auch Lehrer zählen zur Zielgruppe. Das Projekt solle aus der Perspektive der Mutter entstehen, sagt Newroz Duman von der Initiative 19. Februar. "Wir stehen bundesweit im Kontakt mit Bildungsträgern, lokalen Akteuren, mit Menschen, die seit Jahren antirassistische Bildungsarbeit machen", sagt Duman. Dazuzählen etwa die Bildungsstätte Anne Frank und die Amadeu-Antonio-Stiftung. Im Dezember sollen die Konzepte für die Workshops mit Pädagogen und Bildungsreferenten entwickelt werden. Das Ziel der Workshops müsse sein, klarzustellen, wie das Zusammenleben in der Gesellschaft sein sollte. "Wenn jedes Kind in einer Schulklasse lernt, dass Rassismus tötet und Diskriminierung in unserer Gesellschaft nichts zu suchen hat, und diese Erfahrungen weitergibt, dann haben wir schon viel gewonnen", sagt Unvar. Es gebe Überlegungen, monatlich einen Tag der offenen Tür für Mütter zu veranstalten. Sie hofft, dass die Idee ihrer Initiative in andere Städte übertragen wird. "Dann kann ich zu meinem Sohn sagen: ›Ferhat, guck mal, du und wir haben so viel Schlimmes erlebt. Aber diese Erfahrung hat uns Kraft gegeben. Wir haben es für andere Kinder geschafft.‹" Stefan Simon

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