"Nacht der Musicals": Simba traf Elisabeth & Co. in der Rittal-Arena

Wetzlar (chl). Als am Montagabend Obervampir Graf von Krolock, ein außerirdischer Transvestit und Löwe Simba in der Rittal-Arena anfingen zu singen und Zombies tanzten, brauchten die diesen Kreaturen gegenübersitzenden Menschen keine Angst zu haben. Von der "Nacht der Musicals" waren die rund 1000 Zuschauer vielmehr entzückt.

Denn die sechs Hauptdarsteller und acht Tänzer der Broadway Dance Company boten in der rasant-spritzigen Musicalgala mehr als nur mystisch-verwegene Szenen.

Viele herrliche Kostüme

Die österreichische Tourneeproduktion, die bereits zum vierten Mal in Wetzlar zu Gast war, bot abermals einen Querschnitt mit Höhepunkten aus beinahe 20 bekannten Musicals. Aufgrund der vielen Wechsel - meist nur ein bis drei Lieder pro Stück - war zwar kein üppiges Bühnenbild zu erwarten gewesen, obwohl man mit (nicht vorhandenen) Videoleinwänden hätte den Szenen zusätzlich bildlich unterstützende Tiefe geben können. Dafür bestach die Show aber mit der Vielzahl an oft herrlichen Kostümen. Zudem schafften es die Darsteller, mit ihrem professionellem Agieren und der erkennbaren Spielfreude den Fokus ganz auf sich zu ziehen. Der Wiedererkennungswert der einzelnen Musicals war durch die Ausstaffierung und allein wegen der Popularität der Songs von allein gegeben. Aus rein optischer Perspektive wirkten sich jedoch einzelne Szenen - etwa die Duette in "Tanz der Vampire"/"Elisabeth" oder Solovorträge in "Evita"/"Elisabeth" ähnlich. Das ist nun aber mal so, und konnte durch kleine Details wettgemacht werden.

Weitgehend als gelungen konnte die Besetzung der einzelnen Rollen angesehen werden. Am markantesten und als Publikumslieblinge traten Chris Coras und die in Budapest geborene Eszter Végvári in Erscheinung. Mit großem Charisma fiel Coras unmissverständlich als muskulöser Sunnyboy des Abends auf. Mit schauspielerischer Überzeugungskraft mimte er nicht nur den "Tarzan", sondern räkelte sich auch als glamouröser, transsexueller Schlossherr Dr. Frank'n Furter aus dem Musical "The Rocky Horror Show". Dieser Auftritt gilt sicherlich als einer der Schmankerl dieser Musicalshow, zumal das Publikum, das in der ersten Halbzeit eher verhalten mitging, nun mehr und mehr in seinem Gemüt auftaute. Schließlich involvierte der nur mit Netzstrumpfhose, engem schwarzen Latex-Slip und glänzenden Lederstiefeln bekleidete Außerirdische vom Planeten "Transsexual" die Zuschauer in seinen Auftritt mit ein.

Mit ihrer brillant-klaren Stimme sang sich Eszter Végvári als Sarah aus "Tanz der Vampire" oder mit "Memories" aus "Cats" in die Herzen der Zuhörer.

Sound mit leichtem Minus

Weniger überzeugte der Berliner Alexander Kerbst in der Titelrolle aus "Falco meets Amadeus". Den Titeln "Vienna Calling" und dem schaurig-mörderischen "Jeanny" hätte ein Mehr an Wiener Schmäh recht gut getan. Dagegen bot Kerbst ein schönes "König der Löwen"- Duett mit Stefanie Kock (Hamburg). Auch die anderen Akteure stellten sich als solide Sänger vor: Elvira Maria Kalev beispielsweise mit "Ich gehör" nur mir" aus "Elisabeth" und Martin Sommerlatte (Wien) als Dr. Jekyll mit "This is the moment" aus "Jekyll & Hyde". Für die beschwingten Momente im Repertoire sorgten vor allem die Musical-Medleys, bei denen zumeist alle Darsteller zusammen agierten - bei "We will rock you", "Mamma Mia", "Ich war noch niemals in New York" und zuletzt bei "Sister Act".

Mitklatschen und zumindest der Wille zum rhythmischen Hüftenkreisen waren an diesem Abend in der Rittal-Arena angesagt. Schade nur, dass das reine Michael-Jackson-Tanzmedley (mit Gesang vom Band) mit seiner "Thriller"-Zombie-Choreografie keinen singenden und tanzenden Solisten zum Zuge kommen ließ. Auch der Sound insgesamt wirkte etwa dumpf, die Begleitmusik etwas blechernd. Trotzdem war diese Musical-Gala für eine Tourneeproduktion top!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare