Nach Unwetter: Wehren und Bürger räumen auf

Gießen (cso). Am Tag eins nach dem schweren Unwetter über dem Landkreis Gießen wurden die Aufräumarbeiten fortgesetzt, die schon am Abend zuvor begonnen hatten. Vielerorts waren die Leute mit der Entsorgung des Bauschutts und des Ast- und Strauchwerks beschäftigt.

Die Feuerwehren nahmen sich vor allem der unzähligen umgestürzten Bäume an, die noch auf oder schon neben den Straßen lagen und standen mit ihren Leitern außerdem einigen Hausbesitzern zur Seite. Neben den beiden Blitzeinschlägen in Watzenborn-Steinberg und Hausen sowie dem abgedeckten Maschinenhallendach in Birklar sind nun weitere Schwerpunkte des Unwetters zu vermelden: In Nieder-Bessingen stürzte eine Scheune ein, unter den Trümmern wurden Landmaschinen begraben. Mit dem Schrecken davon kam indes ein Insasse eines Autos in Lich, der nach dem Sturz eines Baumes aus dem Wagen befreit werden musste. In Niederkleen ereignete sich ein wetterbedingter Verkehrsunfall mit einem Leichtverletzten. Ein Feuerwehrmann verletzte sich ebenfalls leicht.

Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich musste wegen Wassereinbrüchen am Donnerstag geschlossen bleiben. "Wir haben einiges abbekommen", berichtete Schulleiter Peter Blasini. "Das Wasser kam durch die Fenster und teilweise auch durch die Decke nach innen." Im Sekretariat beschädigte es unter anderem den Drucker und das Faxgerät. Außerdem wurden etliche Klassenräume in Mitleidenschaft gezogen, sodass Blasini am Mittwoch keine andere Wahl blieb, als den kompletten Unterricht für Donnerstag abzusagen.

Allerdings seien die notdürftigsten Reparaturen heute abgeschlossen, und der Schulbetrieb könne wieder ohne Beeinträchtigung stattfinden. Etwas länger geschlossen bleibt indes die Bibliothek, in der mehrere Bücher dem Wasser zum Opfer gefallen sind. Die genaue Schadenshöhe konnte Blasini noch nicht genau beziffern: "Ich rechne mit einem fünfstelligen Betrag."

In der Licher Altstadt war derweil erneut die Feuerwehr im Einsatz. Die Heinrich-Neeb-Straße wurde teilweise vollgesperrt, um mit der Drehleiter die abgeknickten Bäume an der Schlossmauer zu erreichen. Auch ein Kamerateam von RTL bahnte sich seinen Weg durch die abgesperrten Flächen.

Haus in Holzheim war noch nicht versichert

Ebenfalls mit Aufräumarbeiten beschäftigt sein werden in den nächsten Tagen die Holzheimer. Besonders schwer erwischt hat es dort zwei Häuser in der Straße "Weihersgärten". Bei Eugen und Ellie Matthies beispielsweise riss der Sturm einen Teil des aus Eternitplatten bestehenden Daches vom Haus. "Ich war gerade im Obergeschoss und beobachtete, wie der Wind das Dach zunächst nach innen drückte und dann plötzlich mit einem lauten Schlag nach unten riss.

Ich konnte praktisch zusehen", sagte Matthies, der zusammen mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern dieser Tage in das im Mai gekaufte Haus einziehen wollte. Die Familie muss nun vorerst in ihrer alten Bleibe verweilen. Durch das entstandene Loch floss das Regenwasser die Treppe herunter ins schon völlig fertiggestellte Erdgeschoss. Das Ehepaar Matthies war gegen diese Art des Schadens noch nicht versichert und hofft nun auf Hilfe. Pohlheims Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer konnte noch am Mittwochabend arrangieren, dass das Haus mit einer Plane vom Technischen Hilfswerk abgedeckt wurde. "Nun steht erstmal die Schadensermittlung an. Dann müssen wir sondieren, welche Art der Hilfe für die Betroffenen möglich ist", sagte Schäfer, der zudem die Eigeninitiative der Bürger und die vorbildliche Arbeit der Feuerwehren lobte. Für die Holzheimer steht als Sofortmaßnahme immerhin die kostenlose Entsorgung von Bauschutt, Ziegeln und Schnittgut auf dem Parkplatz bei der Sporthalle zur Verfügung.

Direkt neben dem Ehepaar Matthies wohnt Klaus-Peter Brendel. Sein Haus ist mit einer überdimensionalen Plane verhängt. Der Sturm riss den mit zwei dicken Balken befestigten Dachüberstand weg und trug zu beiden Seiten des Firsts auf einer Breite von etwa sechs bis sieben Metern die Ziegel ab. Diese beschädigten die Carports und Autos der Familie. "Wenigstens waren meine Tochter und mein Schwiegersohn nicht zu Hause, sondern im Urlaub. Sie haben zwei Kinder. Ich habe ihnen noch gar nicht gesagt, was passiert ist", sagt Brendel.

"Schwere Dachschäden entstanden in Holzheim bei über 20 Häusern", informierte Ortsvorsteher Michael Lemcke. Den äußerlich größten Schaden weist dabei das – wenigstens versicherte – Haus von Holger Schneider in der Langstraße auf. Das Unwetter hob sein Falzblechdach mit Fotovoltaikanlage an und beförderte es in den Garten.

Schweres Unwetter über dem Landkreis Gießen

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