Tödliches Unglück

Nach Tod am Sprungturm: Prozess beginnt im Februar

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Aus dem Freizeitvergnügen wir tödlicher Ernst: Beim Sprung von einem Plattform verfehlt eine Zwölfjährige das Sprungkissen und stirbt. Im Februar beginnt der Prozess gegen die Betreiber.

Der tödliche Sturz eines Mädchens von einem Sprungturm in Schotten im Vogelsbergkreis beschäftigt bald das Landgericht Gießen. Der Prozess gegen die Betreiber der Anlage wegen fahrlässiger Tötung werde im Februar beginnen, teilte ein Gerichtssprecher mit.

Das zwölf Jahre alte Mädchen war im August 2015 verunglückt. Die Sprunganlage soll nicht verkehrssicher gewesen sein. Es gehe unter anderem um Felsbrocken in der Nähe des Sprungkissens, berichtete der Sprecher.

Sieben Verhandlungstage angesetzt

Der Prozess am Landgericht Gießen beginnt am 5. Februar. Die Kammer hat bislang sieben Verhandlungstage bis Anfang März geplant.

Was war passiert? Es ist der 31. August 2015. Die zwölfjährige Sina aus Hainzell im Landkreis Fulda ist auf dem Hoherodskopf und geht auf den aus Baugerüstrohren zusammengeschraubten Sprungturm, der die neue Attraktion des Naherholungsgebiets bei Schotten werden soll.

Der dramatische Sturz

Nach zwei Übungssprüngen aus niedriger Höhe wagt sie sich auf die neun Meter hohe Plattform und springt. Sie verfehlt das rund zehn mal zehn Meter große und fast drei Meter dicke Luftkissen und knallt stattdessen auf den gepolsterten Rand, ehe sie schließlich auf dem nackten Boden landet.

Dabei soll sie laut Anklage mit dem Kopf auf einen Felsbrocken aufgeschlagen sein. Sie erleidet eine Kopfwunde, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Fraktur am Oberschenkel. Die Verletzungen sind so schwer, dass das Mädchen einen Monat später verstirbt.

Zeugen berichten, dass sich das Mädchen kurz vor dem Sprung mit der linken Hand am Geländer festgehalten habe und dadurch nicht nach vorn – wie vorgesehen – sondern mit Drall zur Seite gesprungen sei.

Gutachten liegt vor

Die Anlage wird sofort nach dem furchtbaren Unfall geschlossen, Polizei und Staatsanwaltschaft nehmen die Ermittlungen auf. Zeugen und auch die Beschuldigten werden befragt, ein Video ausgewertet und Experten für Baurecht hinzugezogen. Ein Sachverständiger des TUV untersucht den Turm auf Mängel. Schließlich wird auch ein Rechtsmediziner beauftragt.

Im Juli vergangenen Jahres liegt ein weiteres Rechtsgutachten vor. Die Komplexität der gesamten Sachlage sei der Grund, warum ein Verfahren wie dieses lange dauerten, erklärte Thomas Hauburger von der Staatsanwaltschaft Gießen damals bei der Vorlage des Gutachtens. Man müsse allen Beteiligten gerecht werden, denn sowohl für die Hinterbliebenen als auch für die Beschuldigten gehe es um viel.

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