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Nach Mord in Atzbach: Wer kennt diese Frauen?

Wetzlar/Lahnau (sha). Nach dem Mord an einer 84-Jährigen aus Atzbach am 22. Dezember vergangenen Jahres waren vier Frauen zur Trauerfeier gekommen, deren Identität bisher nicht geklärt werden konnte. Die Staatsanwaltschaft geht nun mit ihren Fotos an die Öffentlichkeit.

Eins war sowohl Staatsanwalt Dominik Mies als auch Kriminalhauptkommissar Christof Brado ganz wichtig: "Wir suchen diese Frauen als Zeuginnen. Es gibt keine Hinweise, dass sie irgendetwas mit der Straftat zu tun haben", betonten beide am Donnerstag bei einem Pressetermin der Staatsanwaltschaft in Wetzlar. "Wir klopfen das ganze Umfeld ab", sagte Brado. Die Ermittler erhoffen sich von Gesprächen mit den vier Personen über deren Verhältnis zu dem Opfer weitere Hinweise, die möglicherweise neue Ansätze bei der Suche nach dem oder den Tätern liefern können. Die fünfköpfige "Soko Lahnau" der Wetzlarer Kriminalpolizei sei bisher schon über 300 Spuren nachgegangen, erläuterte der Kriminalbeamte. Wirklich neue Erkenntnisse gebe es aber noch nicht, ergänzte Staatsanwalt Mies.

Deshalb würden auch Bekannte der beiden Kinder des Mordopfers in die Befragungen mit einbezogen. Der Sohn der 84-Jährigen war nur wenige Wochen vor deren Ermordung eines natürlichen Todes gestorben. Im Haus des Opfers in der Gießener Straße 6 seien Fingerabdrücke und DNA-Spuren gesichert sowie textiltechnische Untersuchungen durchgeführt worden. Dabei habe sich eine "interessante Spur" ergeben, sagte Brado. Um möglichst viele Personen aus dem Umfeld des Opfers ausschließen zu können, sei am 11. April eine erste Reihenuntersuchung in Atzbach erfolgt, bei der Bürger um Speichelproben gebeten wurden.

Ein DNA-Abgleich könne die Arbeit der Ermittler deutlich beschleunigen und erleichtern. Denn: Hinter jede Person, deren DNA nicht zu den am Tatort gesicherten Spuren passe, "kann ein Haken gesetzt werden". Gleichwohl seien nicht alle in der Wohnung des Opfers gesicherten Spuren unbedingt "Täterspuren", unterstrich der Kriminalbeamte. Sie könnten vielmehr auch von Menschen stammen, die sich im Haus der Seniorin aufhielten, noch bevor der Mord geschah. Deshalb hätten Kriminalbeamte auch ermittelt, wer möglicherweise zuvor in benachbarten Häusern gelebt habe, aber inzwischen verzogen sei.

Allerdings: Das Opfer sei im Keller gefunden worden. Aus diesem Grund seien für die Ermittler tatortnahe Spuren interessanter als diejenigen aus anderen Räumen.

Die Ergebnisse der ersten Reihenuntersuchung würden derzeit noch ausgewertet. 300 Proben lägen vor, bisher hätten die Auswertungen keine Übereinstimmung mit dem gesuchten DNA-Profil ergeben. Aufgrund der aktuellen Ermittlungslage seien nur DNA-Proben von Frauen genommen worden, sagte Brado. Ob tatsächlich von einem weiblichen Tatverdächtigen ausgegangen werden muss, wollen die Ermittler aber erst im Juni bekannt geben, wenn ihre bisherigen Ansätze vom Landeskriminalamt einer operativen Fallanalyse unterzogen wurden.

Die 84-Jährige starb infolge mehrerer Stichverletzungen in den Oberkörper, die Tatwaffe wurde laut Staatsanwalt Mies noch nicht gefunden. Wer Hinweise zu den vier gesuchten Zeuginnen machen kann, wird gebeten, sich unter Tel. 0 64 41/91 80 bei der Polizei in Wetzlar zu melden.

+++ Update: Eine der Frauen hat sich inzwischen bei der Polizei gemeldet. Ihr Foto wurde gelöscht.

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