Musikalisches Feuerwerk im Dom

Wetzlar (wv). Stehende Ovationen und lang andauernder Applaus der über 500 begeisterten Besucher haben die Mitwirkenden des traditionellen Jahresabschlusskonzertes am Mittwochabend im Dom geerntet.

Wetzlar (wv). Stehende Ovationen und lang andauernder Applaus der über 500 begeisterten Besucher haben die Mitwirkenden des traditionellen Jahresabschlusskonzertes am Mittwochabend im Dom geerntet. Aus Anlass des 200. Todestages von Joseph Haydn kamen Kompositionen des Wiener Klassikers zur Aufführung. Das Konzert wurde in diesem Jahr von der Katholischen Domgemeinde ausgerichtet.

Der Domchor Wetzlar zusammen mit den Solisten Susanne Risch (Sopran), Kira Petry (Alt), Joachim Christ (Tenor) und Andreas Czerney (Bass) sowie der Kammerphilharmonie Rhein-Main und letztlich ein souveräner Dom- und Bezirkskantor Horst Christill, der den Klangkörper mit sicherer Hand führte, waren Garanten für die grandiose Interpretation der einzigartigen Werke. Horst Christill hatte seinen Chor hervorragend auf schwierige Aufgabe vorbereitet. Alle Stimmen waren ausgeglichen besetzt und klangen homogen. Der Chor, in der Mitte des Domes postiert, reagierte auf die Zeichengebung seines Dirigenten außerordentlich sensibel. Dies gilt sowohl für die dynamischen Elemente ebenso wie bei glanzvollen Fortissimo-Stellen.

Das Konzert wurde mit der "Missa in tempore belli" eröffnet. Die im Jahre 1796 erstmals aufgeführte Haydn-Komposition - wegen der eindrucksvollen Paukenschläge im "Agnus Dei" auch als "Paukenmesse" bekannt - weist auf die Krisenzeiten des 18.Jahrhunderts hin. Schon das besinnliche "Kyrie Eleison" (Herr erbarme dich), mit seinem Dialog zwischen Chor, Solisten, Orchester und dem Einsatz von Pauken und Trompeten stimmt die Hörer auf die Grundstimmung ein, die von Kriegsängsten geprägt wird. Während Haydn in seiner Komposition für einen schwungvollen Wechsel zwischen den einzelnen Elementen sorgt, verweilt er an markanten Textpassagen um deren Bedeutung zu unterstreichen. Ganz deutlich wird dieser Ansatz im "Gloria" mit dem vom Solocello und dem Bassisten vorgetragenen "Qui tollis peccata mundi". Nach einem auffallend kurzen "Sanctus" und "Benediktus" folgt das gewaltige "Agnus Dei". Hier stellt Haydn den Fanfaren und bedrohlichen Paukenschlägen die flehende Bitte um den göttlichen Frieden gegenüber. Ein bewegender Abschluss, der die Besucher sichtlich berührte.

Nicht nur die Musikfreunde der Klassik strahlten, als im Dom die ersten Töne des machtvollen Schlusschores "Die Himmel erzählen, die Ehre Gottes" erklangen, mit dem Haydn den ersten Teil seines großen Oratoriums "Die Schöpfung" ausklingen lässt. Durch die pompöse Ausdruckskraft der großartig agierenden Interpreten zählte der Jubelchor zu den Glanzlichtern des Abends. Mit der vierteiligen Sinfonie Nr. 45 des Wiener Komponisten endete der offizielle Konzertteil. Der Grundstimmung des Abends angepasst spielten die Frankfurter Musiker auch hier mit viel Engagement und Fingerspitzengefühl. Damit waren sie auch den Vokalisten eine sichere Stütze. Überzeugend auch das Solistenquartett, das über ein enormes technisches Können verfügt und mit individueller Interpretation überzeugte. Am Ende wurden die Ausführenden stürmischem Beifall gefeiert.

Und die Bitte des Publikums nach einer Zugabe wurde erhört: Mit dem "Halleluja" aus Händels "Messias" zündeten die Akteure zu später Stunde ein musikalisches Feuerwerk, wie es im Dom bislang nur selten zu hören war.

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