Mordprozess gegen Cuma D. am 14. Verhandlungstag geplatzt

Gießen/Alsfeld/Gemünden (ti). Nach dreieinhalb Monaten ist am 14. Verhandlungstag der Mordprozess gegen den Alsfelder Cuma D. geplatzt.

Gießen/Alsfeld/Gemünden (ti). Nach dreieinhalb Monaten ist am 14. Verhandlungstag der Mordprozess gegen den Alsfelder Cuma D. geplatzt. Grund dafür ist das unheilbar zerrüttete Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandant. Bereits in der Verhandlung am 13. Januar hatten beide Parteien dies erklärt. Zwar ruderte der Verteidiger diesbezüglich gestern zurück und versicherte, ein Gespräch habe die Sache in soweit bereinigt, "dass man wieder vernünftig miteinander reden kann". Der Vorsitzende Richter Bruno Demel gab dennoch einem Entpflichtungsantrag statt, der im Namen des Angeklagten gestellt worden war. Will heißen: Der Prozess wird neu aufgerollt, wann ist noch unklar.

Am 13. Januar hatte schon gedroht, was gestern eintrat. Die Verteidigerin des Angeklagten hatte per Erklärung ihr Mandat niedergelegt, der zweite Rechtsbeistand dies ebenfalls angekündigt. Er wurde dem Angeklagten aber als Pflichtverteidiger beigeordnet, um den Prozess unmittelbar vor der Urteilsverkündung zu sichern.

Beide Seiten hatten von extremen Spannungen berichtet. Eine große Rolle dabei spielte eine Schusswaffe, die Cuma D. angeblich seiner Anwältin gegeben hatte - nach Aussage des Angeklagten zu seiner Entlastung. Diese tauchte einen Tag später bei der Kriminalpolizei in Frankfurt auf. Ein Jurist gab sie dort im Namen der Verteidigerin ab, wie Demel gestern informierte. Sie wird derzeit beim Landeskriminalamt untersucht. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Es ist also noch unklar, ob es sich um die Tatwaffe handelt. Nach Auftauchen der Pistole sei "der Fortbestand des zerrütteten Verhältnisses unübersehbar", so Demel. Während der Anwalt des Angeklagten gestern bezüglich seiner Aussage vom 13. Januar Abstand nahm, hielt der Alsfelder an seinen Worten fest: "Ich habe kein Vertrauen mehr. Ich kündige Euch. Ihr habt mich angelogen."

Nach monatelangem Schweigen hatte Cuma D. am 13. Verhandlungstag erstmals Angaben gemacht, dem Gericht allerdings eine schier unglaubliche Geschichte aufgetischt, bei der auch von der nun aufgetauchten Pistole die Rede war. Er sei am Abend des 22. Januar 2008 entführt worden und habe erst am nächsten Tag bei der Polizei vom Tod seiner Lebensgefährtin erfahren. Diese soll er laut Staatsanwaltschaft auf einem Waldweg in der Gemarkung Gemünden mit einer 7,65-Millimeter-Pistole aus kürzester Entfernung erschossen haben, weil sich die 29-Jährige von ihm trennen und ein neues Leben beginnen wollte. Ein Schuss hatte die Brust der vierfachen Mutter getroffen, die drei anderen den Kopf der Frau. Wegen Mordes musste sich der 47-Jährige seit Ende September vor der Fünften Großen Strafkammer verantworten.

Vieles in dem Indizienprozess sprach gegen den Angeklagten: Schmauchspuren waren in seinem Wagen gefunden worden. Die Reifenprofile passten auf die am Tatort gefundenen Spuren. Dass er das Fahrzeug am Morgen nach der Tat mit einem Hochdruckreiniger gesäubert hatte trug ebenso wenig zu seiner Entlastung bei, wie die Tatsache, dass er den kompletten Reifensatz am 23. Januar auswechseln ließ, obwohl dieser noch neuwertig war. Zur Sprache kamen im Verhandlungsverlauf zudem zahlreiche gewalttätige Übergriffe des Angeklagten gegen Familienmitglieder.

Rund 40 Zeugen hatten ausgesagt. Mehrere Gutachten wurden erstattet. Das wird sich alles noch einmal wiederholen.

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