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Mobile Identität

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Also, mich kann man schon historisch nennen. Nein, ich rede kein Blech, auch wenn ich 1976 aus einem solchen gestanzt wurde. Meine Aufgabe war es, nach außen hin zu dokumentieren, dass das Auto, an dem ich hänge, ordnungsgemäß registriert und angemeldet war. Und natürlich TÜV hatte. Das alles war mit zwei Plaketten und der Buchstaben-Zahlen-Kombination DIL - PP 31 auf mir registriert.

Befestigt war ich an einem ursprünglich metallicgrünen Citroën GS, der später dann in einem satten Rot erstrahlte. Diese neue Farbe bewirkte, dass der Rost nicht so stark ins Auge fiel. Die Korossion war tatsächlich eines der großen Probleme dieses Fahrzeugs aus französischer Pkw-Schmiede. Der blühte mit der Zeit an allen Ecken und Enden.

Ein weiteres Problem war, dass der GS ein typisches Montagsauto war. Gefühlt dürften die Reparaturen und der Austausch von Teilen bis Frühjahr 1984 so viel gekostet haben wie der Wagen neu. Und so kostete die Limousine meinen Besitzer auch nicht nur viel Geld, sondern auch so manches Zähneknirschen und verzweifeltes Stöhnen.

Aber ansonsten war der GS, dem ich die Identität verleihen durfte, ein echter Franzose: unglaublich bequem und mit der legendären Hydropneumatik ausgestattet, die schon seine große Schwester DS, La Deesse, die Göttin, in den späten 50er Jahren berühmt gemacht hatte. Diese Federung mit drei verstellbaren Höhenpositionen schluckte einfach (fast) jede Unebenheit. Und sie war so austariert, dass man sogar mit nur einem Hinterrad auf drei Pneus hätte fahren können.

Vorbei die Zeit. 1984 stellte ich meinen Dienst dann ein und verbrachte lange Zeit auf dem Speicher, von wo ich dann vor ein paar Jahren wieder heruntergeholt wurde, um jetzt an der Wand der Garage als Zierde zu hängen. Na ja, im Alter ist man eben nicht mehr so mobil. rüg

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