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Alles parat? - Mit der 2G-Regel im Einzelhandel dürfen nur noch Geimpfte und Genesene die Läden betreten. Ausgenommen von dieser Regelung sind Geschäfte der Grundversorgung.

CORONA-ZAHLEN

Mit Impfnachweis zum Shopping

Seit Sonntag gilt in Hessen flächendeckend die 2G-Regel im Einzelhandel, ausgenommen sind Geschäfte der Grundversorgung. Der erste große Praxistest kam mit der Öffnung der Geschäfte am gestrigen Montag. Ohne Einlasskontrolle geht vielerorts nichts mehr.

Montagvormittag ist nicht gerade der typische Zeitpunkt für Shopping-Andrang, doch vor einigen Kaufhäusern in der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil bilden sich dennoch Schlangen - allerdings mit überschaubarer Länge. »Nur Geimpfte und Genesene« heißt es auf Schildern und Plakaten, die gut sichtbar in Schaufenstern und vor dem Eingangsbereich aufgestellt werden. Seit Sonntag gilt die 2G-Pflicht im Einzelhandel in Hessen, nur Geschäfte der Grundversorgung sind von der Regelung ausgenommen. In den Warteschlangen geht es unaufgeregt zu. Manche scrollen schon mal zum Impfnachweis auf dem Smartphone, andere halten Ausweis und Impfpass bereit, damit alles zügig geht. Während vor allem in den großen Kaufhäusern das Sicherheitspersonal die Eingangskontrolle vornimmt, steht in kleineren Geschäften das Verkaufspersonal an der Tür.

Viele fühlen sich durch 2G sicherer

Oskar Wentzell, der vor einem Sportgeschäft Impf-App und Ausweis vorzeigt, hat Verständnis für die 2G-Regelung. »Die Fallzahlen sind nun mal so hoch, und die Welle muss gebrochen werden«, sagt der Frankfurter. Ihn störe es nicht, dass die Regeln für den Einzelhandel verschärft wurden.

Dirk Alexander, ein Mitarbeiter des Geschäfts, sieht es ähnlich. »Wir sind selbst alle geimpft«, betont er. Es gebe ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit, wenn Kunden nicht nur Masken tragen, sondern auch geimpft oder genesen sind - gerade da er etwa beim Überprüfen, ob ein Laufschuh sitzt, doch nah dran am Käufer sei. »Ich habe schließlich eine Familie, da will ich nichts einschleppen«, betont er.

»Als Kunde fühle ich durch diese Regel mehr Sicherheit«, sagt ein älterer Mann in der Fußgängerzone. »Für den Einzelhandel ist es vielleicht nicht so toll - die Geschäfte haben mehr Arbeit mit den Kontrollen. Und wenn womöglich weniger Leute kommen, ist das natürlich schlimm nach so einem schwierigen Jahr - gerade während des Weihnachtsgeschäfts.«

Die Rolle als Hüterin des Zugangs ins Geschäft ist für die Mitarbeiterin einer Modefiliale noch ungewohnt. »Das ist mir schon ein bisschen unangenehm, die Kunden nach Ausweis und Impfbescheinigung zu fragen«, räumt die junge Frau mit Pferdeschwanz ein. Ihr selbst ist es eigentlich egal, ob die Kunden nach 2G-Regelung oder wie bisher das Geschäft betreten dürfen. »Man sieht ja an der neuen Variante, dass der Impfschutz nicht absolut ist und auch Geimpfte infiziert wurden. Ein Restrisiko gibt es immer.«

Von Unmut ungeimpfter Kunden ist nichts zu hören - womöglich hat mancher den Samstag noch einmal zum Shoppen genutzt. Anders als am Montagvormittag jedenfalls, war am Samstag die Zeil stark frequentiert. Schon vor der Einführung der neuen Regel gab es Kritik vom Einzelhandelsverband. »Bereits jetzt ist das Einkaufen sicher«, versicherte Verbandschef Jochen Ruths. »Die Kontrollen bedeuten einen unglaublichen Aufwand - im so wichtigen Weihnachtsgeschäft.«

Handelsverband übt Kritik

Die 2G-Regelung würde die ohnehin vielerorts dramatisch zurückgegangenen Frequenzen weiter verschlechtern und erneut Unternehmen an den Rand der Existenz bringen. Dafür müssten nun schnellstmöglich Zugänge zu finanziellen Hilfen - wie der Überbrückungshilfe III Plus oder dem Kurzarbeitergeld - für betroffene Branchen erleichtert werden, forderte der Einzelhandelsverband. Ausgenommen von der 2G-Regelung im Einzelhandel sind Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte, Apotheken, Sanitätshäuser oder Drogerien. Auch Buchhandlungen, Blumenfachgeschäfte, Futtermittelmärkte, Bau- und Gartenmärkte, Poststellen, Banken, Sparkassen, Tankstellen, Wäschereien und ähnliche Einrichtungen gelten als Einrichtungen der Grundversorgung.

Kunden, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, erhalten Zugang, wenn sie ein entsprechendes ärztliches Attest vorlegen können. Wenn ungeimpfte Kunden trotz 2G-Modell eingelassen werden, müssen sowohl der Händler als auch der Kunde mit einem Bußgeld rechnen.

Beuth warnt Corona-Leugner

Unterdessen hat Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) die Bevölkerung in Bezug auf Corona-Leugner zur Wachsamkeit aufgerufen. Er warnte unter anderem vor einer Radikalisierung von Teilen der Querdenker- und Impfgegner-Szene. »Ob Querdenker oder Corona-Skeptiker: Ich warne alle, die meinen, ihrer verblendeten Weltsicht mit Bedrohungen oder Angriffen Ausdruck verleihen zu müssen«, teilte Beuth mit. Hintergrund ist der Angriff auf den Erbacher Bürgermeister Peter Traub (parteilos) sowie der Brandanschlag auf ein Wiesbadener Testzentrum. Wer zu Gewalt aufrufe oder diese in die Tat umsetze, werde harte Konsequenzen zu spüren bekommen, erklärte Beuth. Seit einer Woche wird Erbachs Bürgermeister Traub von der Polizei geschützt, nachdem er Drohungen aus der »Querdenker«-Szene erhalten hatte. Zuvor ordnete er die Schließung einer Bäckerei an, nachdem diese mehrfach gegen Corona-Auflagen verstoßen hatte. Laut Innenministerium hat die politisch motivierte Kriminalität im Kontext von Corona in diesem Jahr weiter zugenommen. Demnach erwarte das Ministerium, dass die 98 politisch motivierten Straftaten aus dem vergangenen Jahr nochmals übertroffen werden.

Die aktuellen Zahlen in der Entwicklung der Corona-Pandemie für Hessen auf einen Blick, in Klammern die Zahlen vom Vortag:

Hospitalisierung : 3,67 (4,05)

Intensivpatienten: 305 (295)

7-Tage-Inzidenz: 269,2 (271,1)

Neuinfektionen: 1008 (2135)

Neue Todesfälle: 0 (6)

Quellen: Hess. Sozialministerium (Intensivpatienten, Stand: 6. 12., 3.27 Uhr), RKI (Hospitalisierung, Inzidenz, Neuinfektionen, Todesfälle, Stand: 6. 12., 12.38 Uhr)

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