Missbrauch der eigenen Töchter gestanden

Reichelsheim/Gießen (ba). Der wegen Missbrauchs der eigenen drei- und sechsjährigen Töchter angeklagte Industriekaufmann aus Reichelsheim hat gestern zum Prozessauftakt vor der Jugendschutzkammer am Gießener Landgericht ein Geständnis abgelegt.

Er hatte keine andere Wahl. Die Taten, die Staatsanwalt Klaus Bender in der Anklageschrift vortrug, erreichen selbst vor dieser Kammer noch nicht gekannte Dimensionen. Die Töchter werden nicht aussagen müssen. Am Donnerstag ist nach den Plädoyers bereits mit einem Urteil zu rechnen.

Nicht nur die Taten, das, was der Reichelsheimer mit seinen Kindern machte und von ihnen verlangte, ist bemerkenswert. Der Mann filmte die Taten und übertrug sie live mit einer Webcam auf den Monitor eines gleichgesinnten Kriminellen, der in Form von Regieanweisungen Vorschläge machen konnte, was noch alles mit den Opfern zu geschehen habe. Aber auch damit noch nicht genug. Der Angeklagte stellte die Aufnahmen ins Internet, wo sie jetzt und für alle Zeit kursieren werden.

Eine australische Spezialeinheit filterte die illegalen Filmchen heraus und übergab sie den deutschen Behörden, die im Hintergrund den Gingelton eines hessischen Radiosenders hörten und schließlich beim Angeklagten landeten.

Zweieinhalb Stunden dauerte die Aussage des Angeklagten unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Diese Dauer deutet daraufhin, dass der 40-Jährige nicht nur ein vorbehaltloses Geständnis abgelegt hat. Viele Täter in der Situation des Reichelsheimers versteigen sich zu der Auffassung, sie seien zu den Taten durch äußere Umstände gedrängt worden und überhaupt, die Kinder seien auch nicht so ganz unschuldig.

Der Verdacht, dass der Angeklagte sich ähnlich geäußert haben könnte, wird genährt durch dessen Angaben zur eigenen Person und zum Lebenslauf. Seine Aussage begann er mit dem Satz: "Ich muss jetzt mal feststellen, was bei mir alles falsch gelaufen ist."

In Lich ist er geboren und hat dort viele Jahre im Heim gelebt. Die Eltern hätten ihn belogen und seine Großeltern zu oft geschlagen. Bei der Bundeswehr habe er einige unfreundliche Vorgesetzte gehabt und den Job habe er verloren, weil ein Kollege ihn grundlos angeschwärzt habe. Schuld waren irgendwie immer die anderen. Der psychiatrische Gutachter, Dr. Rainer Gliemann, wird am Donnerstag wohl mehr zu diesem Thema sagen.

Die Mutter der Kinder tritt als Nebenklägerin auf. Die Beziehung zu dem 40 Jahre alten Ex-Partner sei beendet, sagte sie, beschwerte sich aber auch, als der ihr in seinem Lebenslauf zu wenig Platz einräumte. Den Kindern ginge es den Umständen entsprechend gut, aber den Vater würden sie sehr vermissen.

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