Dietrich Faber über die Corona-Debatte in Deutschland
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Dietrich Faber über die Corona-Debatte in Deutschland

Kolumne

"80 Millionen Virologen" - Dietrich Faber über die Corona-Diskussion in Deutschland

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Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. Seine Gedanken über die Corona-Debatte in Deutschland. 

Nun sind wir also nicht mehr nur ein Land aus 80 Millionen Fußballbundestrainern, sondern auch eines, das aus 80 Millionen Virologen und Gesundheitsministern besteht. Auch da wissen wir nun alle Bescheid. Nein, wir wissen es besser. Wir hätten auch gleich alles ganz anders und viel besser gemacht. Wenn man uns gefragt hätte, wäre dieses "ausländische Virus" (D. Trump) gar nicht zu uns gekommen.

Naja, jedenfalls hätten wir das alles viel schneller in den Griff bekommen. Schneller als der blöde Spahn, die böse Merkel oder dieser Robert Koch, der da immer bei diesen Pressekonferenzen herumsitzt. Wir hätten ganz genau gewusst, wann man welche Schule oder Kita schließt oder nicht, wann man welche Veranstaltung mit wie vielen Zuschauern absagt, welche Wirtschaftshilfen wann, an wen und in welcher Höhe ausgezahlt werden müssen und wie viele Hamster man am besten auf einmal kauft. Vor allen Dingen aber hätten wir am Ende dieses lähmende föderale System ein für alle Mal beendet und Deutschland gerettet. Aber uns fragt ja keiner.

Zu Recht fragt uns keiner. Weil wir eben keine Ahnung haben. Und weil wir zurzeit gerade aushalten müssen, nicht zu wissen, wie sich diese Corona-Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird.

Vielleicht sollten wir daher langsam damit beginnen, den Menschen zu vertrauen, die diese Ahnung noch am ehesten haben. Den Wissenschaftlern, den Fachleuten und ja, auch den Politikerinnen und Politikern, die sich eng mit diesen abstimmen und jeden Tag aufs Neue schwierige, abgewogene Entscheidungen treffen müssen.

Vielleicht ist es in diesen Tagen auch einfach mal angesagt, die meckernde, missmutige Klappe zu halten - auch wenn es schwerfällt - und stattdessen lieber mal innezuhalten oder andere gar zu unterstützen und beizustehen.

Zum Beispiel, indem ich Menschen, die derzeit an vorderster Front im Gesundheitswesen in Ämtern, Arztpraxen und Krankenhäusern diese Krise bekämpfen, nicht beschimpfe, sondern ihnen vielmehr Wertschätzung entgegenbringe - auch dann, wenn etwas gerade mal nicht perfekt oder reibungslos verläuft.

Zum Beispiel aber auch, indem ich selbst verstehe, dass auch ich mit meinem Verhalten meinen Teil dazu beitragen kann und muss, dass sich die Lage schnell bessert und nicht typisch deutsch von "denen da oben" erwarte, dass die nun alles für mich zu regeln haben. Nein, man kann immer und überall in den verschiedensten Bereichen mit kleinen Gesten etwas tun. Man könnte zum Beispiel das Eintrittsgeld für eine abgesagte Veranstaltung nicht zurückfordern und damit Veranstalter und Theaterbetreiber in diesen Zeiten ein wenig unterstützen. Auch nur eine kleine Geste, aber viel kleine Gesten können am Ende auch ihren Teil dazu beitragen, die ein oder andere Welt zu retten.

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. Mehr Infos: www.dietrichfaber.de.

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