Finanzminister Thomas Schäfer sieht die Unterstützung der Wirtschaft in der Corona-Krise als "Jahrhundertaufgabe". Im Eilverfahren will das Land erste finanzielle Hilfe organisieren - und stellt bereits weiteres Geld in Aussicht. FOTO: DPA
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Finanzminister Thomas Schäfer sieht die Unterstützung der Wirtschaft in der Corona-Krise als "Jahrhundertaufgabe". Im Eilverfahren will das Land erste finanzielle Hilfe organisieren - und stellt bereits weiteres Geld in Aussicht. FOTO: DPA

Milliardenschwerer Rettungsschirm

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Finanzminister Schäfer sieht den Kampf gegen die Folgen des Coronavirus als "Jahrhundertaufgabe" - und kündigt ein Hilfspaket an. Vor schwierigen Aufgaben stehen auch die Abiturienten mit ihren Prüfungen in Krisenzeiten.

Im Kampf gegen die Corona-Krise will Hessen einen milliardenschweren Rettungsschirm spannen und der Wirtschaft unter die Arme greifen. Zunächst sollen 7,5 Milliarden Euro bereitstehen, sagte Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden. Wenn es die Situation erfordere, werde der Betrag aufgestockt. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Covid-19-Erreger stieg im Bundesland unterdessen nach Angaben des Sozialministeriums auf 740.

Der Rettungsschirm: Nach den Plänen des Landes sind zunächst eine Milliarde Euro Soforthilfe "für die Bewältigung der gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie" vorgesehen. Die Wirtschaft soll darüber hinaus mit schnellen steuerlichen Hilfen von bis zu 1,5 Milliarden Euro entlastet werden. Außerdem will das Land seinen Garantie- und Bürgschaftsrahmen um 3,5 auf fünf Milliarden Euro erhöhen. Für den kommenden Dienstag ist geplant, dass der Landtag den nötigen Nachtragshaushalt im Schnellverfahren verabschiedet. "Das ist in der Tat eine historische, wahrscheinlich eine Jahrhundertaufgabe, die wir vor der Brust haben. Die wir auch im Moment in den Dimensionen noch nicht abschließend einschätzen können", so der Finanzminister.

Das Abitur: Die Abiturprüfungen sind in Hessen trotz der Corona-Krise ohne große Probleme angelaufen. "Wir sind zufrieden mit dem Start", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Die Vorgaben zur Hygiene und den Sicherheitsabständen zwischen den Schülern seien insgesamt umgesetzt worden. Landesweit sind rund 23 500 Abiturienten am Start. Regulärer Unterricht wird derzeit nicht mehr erteilt. Der Philologenverband und der Landeselternbeirat erklärten, in ihren Organisationen gebe es eine heterogene Einschätzung der Lage. Es gebe viele Befürworter, aber auch viele Sorgen.

Der Alltag: Auf der sonst so belebten Berger Straße in Frankfurt war es am Donnerstag ein bisschen ruhiger als die Tage zuvor. Auch im nahen Günthersburgpark saßen nur einzelne Menschen mit gebührendem Abstand. Das Parkcafé war geschlossen, die Spielplätze mit Flatterband abgesperrt. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit, im Garten zu arbeiten oder den Keller zu entrümpeln. Der Entsorger FES beklagte, die Wertstoffhöfe erlebten einen enormen Ansturm. Nach der landesweiten Schließung von Geschäften, Kneipen und Freizeiteinrichtungen begannen Städte in Hessen mit ersten Kontrollen. Mitarbeiter der Ordnungsbehörden überprüften, ob die Verordnung auch umgesetzt wird. Wie eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur ergab, wurden dabei vereinzelt Läden zwangsgeschlossen. Auf die Verhängung von Bußgeldern verzichteten die Kommunen jedoch zunächst.

Corona-Vorsorge bei Polizei und Verwaltung: Wegen der Corona-Krise fährt die Frankfurter Polizei ihr Einsatzpersonal herunter. Die Zahl der im Dienst befindlichen Beamten werde auf das Notwendigste reduziert, "ohne dabei die Einsatzfähigkeit nachhaltig zu schwächen", teilte das Polizeipräsidium mit. Die Rathäuser in Hessen sollen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus den Publikumsverkehr nach Empfehlung des Städte- und Gemeindebundes auf das "absolut notwendige Minimum" reduzieren.

Jugendherbergen geschlossen: Die Corona-Krise hat auch die hessischen Jugendherbergen voll erwischt. Alle 30 Häuser in dem Bundesland sind am Donnerstag geschlossen worden, wie der Landesverband mitteilte. Die Schließung soll vorläufig bis zum 19. April dauern. "In den nächsten Tagen gilt es nun für uns, faire und gute Lösungen für unsere Gäste zu finden, die im Schließungszeitraum einen Aufenthalt in unseren Häusern geplant hatten", teilte der Vorsitzende des DJH-Landesverbandes, Timo Neumann, mit.

Corona und Kriminalität:Betrüger haben in Südhessen die Angst vor dem Coronavirus für eine neue Variante des Enkeltricks genutzt. Keiner der Angerufenen sei aber auf die Täuschung reingefallen, teilte die Polizei mit. Die Anrufer hatten bei ihren Telefonaten mit zwei älteren Frauen in Mörfelden-Walldorf am Mittwoch vorgegeben, deren Verwandte seien mit dem Virus infiziert und benötigten dringend Geld für ein neues Medikament.

Zudem wurden in Büttelborn Senioren per Telefon angeboten, für sie einkaufen zu gehen. Im Laufe des Gesprächs forderten die Betrüger Geld, das sie angeblich verloren hatten.

Corona und Flüchtlinge- Nach Auskunft des Gießener Regierungspräsidiums ist erstmals bei einem Bewohner einer hessischen Erstaufnahmeeinrichtung eine Infektion mit dem Covid-19-Erreger festgestellt worden.

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