Der Mensch ist des Menschen Glück

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"Ich habe mich entschieden, glücklich zu sein. Das ist besser für die Gesundheit." Sagt Voltaire. "Glück ist ganz einfach." Sagt Martin Lischka, Mentalcoach aus Langgöns. Lotto spielen ist dafür gar nicht nötig. Ein paar Anregungen zum Weltglückstag.

Herr Lischka, bitte definieren Sie Glück.

Martin Lischka: Glück ist für mich, mir immer wieder meines inneren Dialogs bewusst zu werden. Wenn ich weiß und spüre, wie ich gerade denke, dann ist es mir auch möglich, anders zu denken, mich zu verändern. Schon Marc Aurel hat gesagt: "Das Glück deines Lebens ist abhängig von der Beschaffenheit deiner Gedanken."

Sich einfach glücklich denken also?

Lischka: Ich kann einüben, meinen eng getakteten Tagesablauf zu unterbrechen und kurz zu reflektieren, was ich gerade wie über wen oder was denke. Und falls ich das möchte, auch etwas anderes denken lernen.

Ist Glück denn nicht Glückssache?

Lischka: Nein! Glücklich sein ist erlernbar. Dass wir Deutschen das so schlecht können, hat etwas damit zu tun, dass wir in den Zeiten des Heranwachsens nicht gelernt haben, den Blick auf die schönenen Dinge des Lebens zu lenken. Dabei gibt es in unserer Gesellschaft davon wahrlich genug. Wir aber schauen eher auf die Sachen, die nicht so schön sind, und nennen sie Probleme, den lieben langen Tag. Und wenn wir dauernd Probleme denken, dann erleben wir auch Probleme. So denken wir uns immer wieder in die mentale Abwärtsspirale hinein und laufen unglücklich über diesen Planeten, der uns doch so viel Schönes bietet.

Glück ist zu finden, wenn man es sucht?

Lischka: Ja. Ich habe in Gießen einen Glückscoaching-Kurs eingerichtet, der jetzt in die zweite Runde geht. Es ist wie bei einem Fahrsicherheitstraining: Da kriegen Sie beigebracht: Wo Sie hinschauen, fahren Sie auch hin. Wenn wir lernen, auf unser Glück zu schauen – und da gibt es genug Techniken –, dann können wir auch glücklicher werden.

Lotto spielen hilft nicht?

Lischka: Viele Menschen glauben, Glück könne man im Lotto gewinnen. Die großen Studien zu diesem Thema zeigen aber, was uns Menschen wirklich glücklich macht. Definitiv nicht Geld, Auto oder andere materielle Dinge. Selbst die Gesundheit nicht, so wichtig sie uns auch ist. Was uns Menschen wirklich glücklich macht, ist ganz einfach: Der Mensch ist des Menschen Glück. Wenn wir qualitativ hochwertige soziale Beziehungen haben – und das müssen nicht viele sein –, egal ob privat oder beruflich, dann erfahren wir immer wieder Glücksmomente. Wenn wir nicht mehr berührt werden im übertragenen wie konkreten Sinne, dann fehlt uns etwas. Es entsteht Unglück und Traurigkeit.

Ist Glück also planbar, wenn man sich richtig verhält, richtig denkt?

Lischka: Planbar nicht in dem Sinne einer Deadline, ab dann bin ich glücklich. Aber wenn wir uns in dieser immer digitaler werdenden Welt in unserem Denken und Fühlen auf die sozialen Kontakte ausrichten, auf das Zwischenmenschliche, dann bin ich der festen Überzeugung, dass uns das guttun wird. Natürlich gibt es Tiefs, schwere Zeiten und Situationen, aber es ist schon eine wichtige Komponente, worauf ich den Blick lenke.

Wie ist das denn mit unserer Erwartungshaltung an das Glück?

Lischka: Wenn ich mir vom Glück ganz bestimmte Vorstellungen mache, wie es aussehen soll, dann wird es schwierig. Wenn ich aber einfach warte, was passiert, tut sich etwas. Glück ereignet sich immer im Hier und Jetzt. Wenn ich offen bin für die Möglichkeiten, die das Zusammensein mit anderen Menschen mir bietet, dann habe ich Chancen auf ganz viele Glücksmomente. Und das kann man trainieren. Das Gehirn sozusagen darauf einstimmen, dass ich auch anders über mein Leben denken kann.

Kann man Glück verschenken, dafür sorgen, dass jemand anders glücklicher ist?

Lischka: Ja. Machen Sie ein einfaches Experiment: Gehen Sie in den Seltersweg nach Gießen und lächeln Sie Menschen an. Sie bekommen fast immer ein Lächeln zurück. Unseren Hormonen, unserem Gehirn ist es egal, ob es einen Anlass zum Lächeln gibt. Allein das Verziehen der 45 Gesichtsmuskeln drückt auf den Vagusnerv und löst im Gehirn das Ausschütten von Glückshormonen aus. Das ist durch regelmäßiges Lächeln zu beeinflussen. Prüfen, Sie, mit welcher Miene Sie durchs Leben laufen!

Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen, sagt man. Gehört zum Licht auch der Schatten?

Lischka: Ich sehe das wie eine Medaille mit zwei Seiten. Auf der einen Seite gibt es das Glück, auf der anderen Seite den Stress, der uns dazu bringt, darüber nachzudenken, was wir tun, wollen und was unsere Werte sind. Wir können für uns selber klären, wie wir leben wollen. Das ist eine große Chance von Stress: Stein des Anstoßes zu sein, Gefühlen und Gedanken in mir auf den Grund zu gehen – und vielleicht etwas zu verändern.

Und was ist Ihrer Meinung nach das Gegenteil von Glück?

Lischka: Das tägliche Bewerten, Verurteilen, Vergleichen – und Jammern!

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