Die Meinung

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Neulich sagte mir jemand, während er mir seine Meinung sagte, dass er seine Meinung nicht mehr sagen dürfe in diesem Land. Und tat es dann doch wieder. Immer und immer wieder. Und während er seine Meinung ebenso ungefragt wie vehement in die Welt trötete, fügte er am Ende noch hinzu: "Meine Meinung, sorry." Dieses Phänomen ist mir nun schon einige Male aufgefallen, dass viele, die ihre Meinung mitteilen, am Ende ihrer Meinungsmitteilung mitteilen, dass dies da gerade eben ihre eigene Meinung gewesen sei. Als hätte ich das nicht ganz alleine schon bemerkt. Doch warum sie sich dann auch noch dafür entschuldigen, das habe ich noch nicht so richtig verstanden.

Diese Leute bezeichnen ihre Meinung dann auch gerne mal ganz märtyrerisch als "andere" Meinung und ziehen dabei bedeutungsschwanger die Augenbrauen hoch. Die "andere" Meinung, die sie nicht mehr sagen dürfen. Eine Meinung, die nicht die "Regierungsmeinung" sei und nicht die der "gleichgeschalteten Systemmedien". Diese posten sie dann gerne noch auf Facebook. Mehrmals. Oder teilen Beiträge von zig Tausend anderer nicht mehr ihre Meinung sagen dürfender Leute, die auch alle eine "andere" Meinung haben.

Erfahren diese Leute dann einmal Widerspruch oder Kritik, dann zitieren sie trotzig das Grundgesetz und pochen dann patzig mit unzähligen Ausrufungszeichen garniert auf ihre "Meinungsfreiheit!!!!!!". Dass allerdings das Gegenüber die gleiche Freiheit genießt, dieser Meinung scharf zu widersprechen, scheint dann nicht mehr ganz so klar zu sein.

Man wird ja wohl noch mal sagen dürfen, dass man nichts mehr sagen darf.

Es steht übrigens nicht im Grundgesetz, dass man seine Meinung immer sagen muss.

Es steht auch nicht drin, dass man zu allem und jedem eine eigene Meinung gebildet haben muss. Es kann durchaus auch einmal befreiend sein, keine klare Meinung über die Umsetzung steuerabkommensbezogener Maßnahmen zur Verhinderung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung zu haben.

Und so kann es auch durchaus von Vorteil sein, sich erst ein bisschen Wissen anzureichern, ehe man sie sich bildet, seine eigene Meinung. Sich eine Meinung bilden hat, wie man unschwer am Wortstamm erkennt, buchstäblich etwas mit Bildung zu tun.

Das ist jedenfalls meine Meinung…sorry.

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. Weitere Infos: www.dietrichfaber.de

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