Mehrheit für Erhalt des Eisstadions ist gesichert

Bad Nauheim (bk). Der mittelfristige Erhalt des Eisstadions ist seit Montagabend gesichert: UWG und FDP sind auf die Linie der CDU eingeschwenkt, damit kann am Donnerstagabend im Parlament mit klarer Mehrheit 1 Million Euro für die Erneuerung des Dachs und der Beleuchtungsanlage in den Etat 2010 eingestellt werden.

Nach Vorstellungen der Stadtverwaltung soll nach Ostern mit den Arbeiten begonnen werden, um den Saisonstart 2010/2011 nicht oder nur geringfügig verschieben zu müssen. Wie sich die übrigen Fraktionen verhalten werden, wird sich am Donnerstag zeigen.

"Die CDU/Häuser-Linie hat sich durchgesetzt", kommentierte ein gut gelaunter Erster Stadtrat Armin Häuser das Ergebnis der Sitzung des Arbeitskreises "Projekt Eisstadion" vom Montagabend. Wie Häuser, Bürgermeister Bernd Witzel und UWG-Vorsitzender Christian Weiße gestern im Gespräch mit der Wetterauer Zeitung übereinstimmend berichteten, werden die beiden größten Fraktionen die notwendigen Mittel bewilligen, um das Stadiondach instand setzen zu können. "Die FDP wird auch dafür votieren", bestätigte deren Vorsitzender Pascal Coppieters. Da diese drei Fraktionen 28 von insgesamt 45 Stadtverordneten stellen, ist eine deutliche Mehrheit sichergestellt.

Eine schnelle Umsetzung des Sanierungsprojekts wurde am Montag in einem Gespräch von Landrat Joachim Arnold in seiner Funktion als Kommunalaufsicht mit Witzel und Häuser vorbereitet. Wie Kreis-Pressesprecher Michael Elsaß bestätigte, habe Arnold einer Vorab-Kreditaufnahme der Kurstadt in Höhe von 1 Million Euro zugestimmt. Damit muss die Verwaltung mit Planung und Realisierung der Sanierung nicht warten, bis der Etat von der Kommunlaufsicht insgesamt genehmigt ist. Eines machte Elsaß allerdings klar: "Der Gesamtkreditrahmen wird nicht um 1 Million erweitert, vielmehr müssen an anderer Stelle Investitionsmittel reduziert werden." Welche Ausgaben gestrichen oder verschoben werden sollen, darüber war von Witzel und Häuser gestern nichts zu erfahren.

Die CDU wird nach den Worten des Ersten Stadtrats morgen zudem eine Verpflichtungsermächtigung über 800 000 Euro für 2011 beantragen, um im nächsten Jahr weitere Sanierungsschritte umsetzen zu können. "Das werden wir nicht mittragen" sagte UWG-Chef Weiße. Es sei gelungen, eine "Allianz der Vernunft" zu bilden und den Betrieb des Stadions zu sichern. Wie es im kommenden Jahr weitergeht, könne nach ausführlichen und fundierten Beratungen entschieden werden. Ein Schnellschuss sei nicht erforderlich. Ob es eine Mehrheit für diesen Teil des CDU-Antrags geben wird, bleibt abzuwarten.

Nach den Gesprächen vom Montagabend hat die UWG die von ihr lange vorangetriebenen Neubau-Pläne ad acta gelegt. "Die Stadt allein kann es nicht schultern, das ist unrealistisch", meinte Weiße und liegt damit auf einer Linie mit dem Bürgermeister. "Das Neubau-Konzept ist zumindest mittelfristig vom Tisch. Ich verschließe nicht die Augen vor den Tatsachen", sagte der Rathauschef. Am Montag hatte er die Hoffnung geäußert, dass sich vielleicht in ferner Zukunft ein Investor findet, der sich an ein solches Projekt wagt. Witzel lobte die sachliche Atmosphäre des Arbeitskreis-Gesprächs. Angesichts der Festlegung auf die Sanierungsvariante müsse jetzt neu über die Zukunft des Stoll-Geländes nachgedacht werden, das seit 1991 brachliege. Witzel: "Bisher waren dort zwei Märkte vorgesehen und vom Planungsverband Rhein-Main gebilligt. Wollen wir das eigentlich für den Stadion-Neubau vorgesehene Areal ebenfalls für Einzelhandel nutzen, wird es vermutlich erneut Schwierigkeiten mit der Nachbarstadt Friedberg geben." Die FDP ist zwar mit im Boot, was die Bereitstellung der Million fürs Dach angeht, möchte aber die Nutzer des Stadions mehr in die Pflicht nehmen. Nach den Worten des Vorsitzenden Coppieters haben die Eishockey-Fans eindrucksvoll ihr Interesse an einem Erhalt der Sportstätte demonstriert.

"Warum sollten sich die Fans nicht mit einem kleinen Obolus an den Kosten beteiligen?" fragt Coppieters. Ihm schwebt 1 Euro pro Eintrittskarte vor.

Als "Peanuts" bezeichnete der FDP-Chef den finanziellen Beitrag, den die EC-GmbH bislang in Form von Pacht leistet. Unter Berufung auf eine Aufstellung der Verwaltung nannte Coppieters den Betrag von 17 300 Euro pro Jahr, was 13,7 Prozent aller Stadion-Einnahmen ausmache. Den Löwenanteil steuerten die Schlittschuh-Läufer bei. Der öffentliche Eislauf bringe pro Jahr 128 000 Euro.

Was die übrigen Fraktionen angeht, hat sich Wir und Andere nach den Worten von Dr. Hans-Joachim Simon festgelegt. Die Fraktion werde der Mittelbewilligung fürs Stadion nur zustimmen, wenn zuvor die Gegenfinanzierung geklärt sei. Das gelte sowohl für die Millionen-Investition als auch für die Folgekosten. Nach den Worten von Simon setzt die Verwaltung den jährlichen Zins- und Tilgungsaufwand für den Kredit zu niedrig an. Simon befürchtet, das die jährlichen Unerhaltungskosten für das Stadion (bisher rund 600 000 Euro) deutlich steigen werden. "Weil wir darüber reden wollten, hatten wir eine außerordentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses beantragt, zu der es allerdings nicht kommen wird", sagte Simon.

Häuser befürchtet dagegen keinen enormen Anstieg der Betriebskosten, zumal mit Erneuerung von Dach und Beleuchtungsanlage eine Senkung der Energiekosten einhergehe.

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