Mehr Schutz gegen Fluglärm angekündigt

Frankfurt/Main (dpa). Die Bemühungen um weniger Fluglärm am Frankfurter Flughafen kommen voran. Noch im Februar soll an zwei Testtagen der kontinuierliche Sinkflug einzelner Jets auf den verkehrsreichsten Flughafen in Deutschland beginnen, kündigte die Deutsche Flugsicherung (DFS) am Dienstag in Frankfurt an.

Im kontinuierlichen Sinkflug lassen sich die Jets fast ohne Zwischenschub und damit auch leiser aus größerer Höhe sinken. Dieses Verfahren ist allerdings wegen des großen Kontrollaufwands und der großen Sicherheitsabstände zu anderen Fliegern nur in verkehrsschwachen Zeiten einsetzbar, wie DFS-Chef Dieter Kaden einräumte.

Noch am Montag hatten erneut Tausende Bürger im Terminal 1 gegen den zusätzlichen Fluglärm durch die im Oktober eröffnete Landebahn Nordwest demonstriert. Am Samstag sind weitere Aktionen parallel mit bundesweiten Protesten an anderen Flughäfen geplant. In Frankfurt wird ein erweitertes Nachtflugverbot und in Teilen auch eine Stilllegung der neuen Bahn gefordert.

Mit dem Flughafenbetreiber Fraport und den Airlines werden weitere Projekte des aktiven Schallschutzes besprochen, berichtete Kaden. Für die Anwohner in den Gebieten unter dem unmittelbaren Endanflug brächten aber die meisten Möglichkeiten keine Entlastung. Hier sei letztlich nur der steilere Anflugwinkel von 3,2 Grad wirksam, der ab Oktober auf der Nordwestbahn getestet werden soll.

Auf dem für den 8. Februar geplanten Fluglärmgipfel der hessischen Landesregierung sollen weitere Maßnahmen vorgestellt werden, um die Gesamtlärmbelastung der Flughafenumgebung zu mindern. Dazu gehört voraussichtlich eine weitere Anhebung des Gegenanflugs für beide Landebahnen um 1000 Fuß (rund 300 Meter). Dies könne frühestens ab August umgesetzt werden, erklärte der DFS-Flugroutenplaner Andre Biestmann. Derzeit werde noch geprüft, wie das mit den bestehenden Instrumentenlandesystemen abzuwickeln ist. Von dieser Maßnahme würden Gemeinden im Norden und im Süden des Flughafens profitieren.

Schon seit Dezember bündeln die Lotsen zudem den Abflug über die neu eingerichtete Südumfliegung enger, berichtete die DFS. Die vorgegebene Linie werde von mehr als 90 Prozent der Jets eingehalten. Damit werde sichergestellt, dass vor allem Ortslagen im Anflug auf die Nordwestlandebahn wie Flörsheim und Hochheim von zusätzlichem Startlärm entlastet würden. Mit dem neuen UKW-Funkfeuer an der Autobahn 67 bei Rüsselsheim könnten ab August auch die ganz schweren Flugzeuge auf diese Route geschickt werden.

Auch Fraport-Chef Stefan Schulte hat konkrete Maßnahmen zum aktiven Schallschutz angekündigt, die in Wiesbaden beschlossen werden sollten. Mit Blick auf die internen Abstimmungen vermied es Schulte aber, einzelne Maßnahmen zu benennen. Am Lärmschutzgipfel auf Einladung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nehmen neben Fraport die Lufthansa, die DFS und der Airline-Verband Barig teil.

Von der neuen Landebahn gehe für die Anwohner in den direkten Einfluggebieten "eine hohe Belastung und Belästigung" aus, räumte der Fraport-Chef ein. Man müsse daher den aktiven Schallschutz weiter optimieren. Für diese Thematik setze er derzeit 50 bis 60 Prozent seiner Arbeitszeit ein. Schulte erinnerte in der Diskussion um den Fluglärm aber erneut auch an die mehr als 71 000 Arbeitsplätze am Flughafen und dessen Bedeutung für zahlreiche Branchen und Niederlassungen internationaler Firmen im Rhein-Main-Gebiet.

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