Gewalt

Mehr Messerattacken in Hessen

  • vonDPA
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Gewalttäter greifen immer öfter zu Messern. Gefährliche Waffen, die in jedem Haushalt herumliegen. Die Polizeigewerkschaft zeigt sich besorgt und schafft für Beamte mehr Schutzkleidung an.

Gewalttäter in Hessen greifen immer öfter zum Messer. Laut Innenministerium ist die Zahl der Körperverletzungen und Tötungen von 926 Fällen im Jahr 2014 auf 1116 Fälle in 2016 angestiegen. Das entspricht einer Erhöhung um 20 Prozent. Es gebe bei diesen Straftaten aber eine herausragende Aufklärungsquote, sagte ein Ministeriumssprecher gestern. Zuletzt wurden 91 Prozent dieser Delikte aufgeklärt. Zuvor hatte der Hessische Rundfunk (HR) darüber berichtet.

In Hessen gab es auch in den vergangenen Monaten mehrere Messerattacken. Im Darmstadt erschossen Polizisten erst kürzlich einen mit Messern bewaffneten Familienvater an dessen Wohnungstür. Laut Statistik des Landes ist die Zahl der Messerangriffe auf Polizeibeamte zwar von 31 im Jahr 2014 auf elf im Jahr 2016 deutlich gesunken. Doch laut dem Innenministerium liegt das auch daran, dass mittlerweile Androhungen eines Messerangriffs auf Polizisten nicht mehr erfasst werden.

Ruf nach besserer Ausrüstung

Die Polizei hat laut Ministerium 10 000 sogenannte Stichschutzschals für die Einsatzkräfte bestellt. Die Schals sollen den Hals bei Messerangriffen schützen, 1000 davon seien bereits ausgeliefert worden. Außerdem wolle die Polizei schnittsichere Schutzwesten beschaffen. "Das kann nur ein Anfang sein", sagte der Landeschef der Deutschen Polizeigeserkschaft, Lars Maruhn, dem Hessischen Rundfunk. "Wir brauchen Stichschutz in den Westen, wir brauchen Elektroschocker, die einer Schusswaffe vorgeschaltet sind, sodass ich den Angreifer ausschalten kann." Allerdings, schränkte Maruhn ein, "bei einem Messerangriff habe ich aufgrund der geringen Distanz sehr wenige Möglichkeiten, diesen abzuwehren, sodass oft nur die Schusswaffe als letztes Mittel bleibt."

Leicht verfügbar

Der Trend bei Messerangriffen sei ähnlich wie bei Gewaltkriminalität. Die habe Studien zufolge nach Jahren des Rückgangs zuletzt wieder zugenommen, schreibt der HR. Dass der Anstieg bei Messerangriffen besonders deutlich ausfällt, führen Experten unter anderem auf die leichte Verfügbarkeit dieser Tatwaffe zurück. Martin Rettenberger, Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, erklärt, dass viele Messer mit sich führten, "weil man glaubt, dass das strafrechtlich nicht relevant ist." Tatsächlich verbiete das deutsche Waffenrecht aber in vielen Fällen das Mitführen von Messern.

Doch das Thema ist nicht nur in Hessen aktuell. Im westfälischen Lünen wird Anfang der Woche ein 14-jähriger Mitschüler erstochen, wohl von seinem ein Jahr älteren Mitschüler. In Cottbus in Brandenburg gehen deutsche und syrische Jugendliche aufeinander los, nach Messerstichen fließt Blut. Im pfälzischen Kandel stirbt Ende Dezember eine 15-Jährige, nachdem der Täter mit einem Messer zustach.

Verunsicherte Bürger

Wenige Stunden nach dem tödlichen Angriff auf den Schüler in Lünen am Dienstag sah die Gewerkschaft der Polizei (GdP) "zunehmende Messerangriffe hierzulande". Der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow erklärte: "Die Verunsicherung der Bürger ist regelrecht spürbar, weil kaum noch ein Tag vergeht, an dem nicht Polizeimeldungen über gefährliche oder sogar tödliche Messer- attacken bekannt werden." Malchow erzählt, Streifenpolizisten berichteten ihm und seinen Kollegen, dass gerade junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren immer öfter ein Messer dabei hätten. "Es gibt eine Gruppe, die Konflikten nicht aus dem Weg geht und sagt: Das mache ich zur Not auch mit dem Messer", sagt Malchow.

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