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Mehr als ein Hauch von Silicon Valley

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Bender, das sind doch die mit dem Strom. So viel weiß man in Grünberg und Umgebung. Aber was genau das Unternehmen produziert, für welche Bereiche es Lösungen anbietet wissen eher nur wenige. Winfried Möll und Dieter Hackl sind Experten in Sachen Strom. Sie arbeiten bei Bender an führender Stelle, und sie beleben den Erfindergeist.

Wer im nördlichen Zipfel der Grünberger Kernstadt unterwegs ist, der kommt an der Firma Bender nicht vorbei. Das Werk wurde komplett neu gebaut und ist damit weithin sichtbar geworden. Elegant sieht das aus, sehr modern, aber kein bisschen protzig. Schon vor vielen Jahren hatte sich die eher unscheinbare mittelständische Firma zu einem weltweit tätigen Unternehmen ganz nach oben gearbeitet. Aber mit den neuen Räumen für Produktion, Verwaltung, Kreativteam und der großzügig gestalteten Kantine signalisiert die Inhaberfamilie auch nach außen, dass man im Konzert der ganz Großen mitspielt. Das hat Bender schon lange getan, aber erst jetzt zeigt das Unternehmen, dass es nicht nur groß geworden ist, was die Zahl der Mitarbeiter, was Umsatz und Gewinn betrifft. Bender 2020 ist chic, modern und demonstriert nach außen, dass das Unternehmen innovativ ist, dass der Erfindergeist und damit auch mehr als ein Hauch von Silicon Valley durch die großzügigen Flure, Büros und Werkstätten weht.

Das war nicht immer so, die Anfänge waren bescheiden. Firmengründer Dipl.-Ing. Walther Hans Bender kam nach dem Krieg 1945 mit seiner Frau Kathrin und den beiden ein und vier Jahre alten Söhnen von Frankfurt/Oder nach Grünberg. Nach erfolgloser Arbeitssuche in der Region entschloss sich Bender 1946 zu einem mutigen Schritt: Er gründete ein Ingenieurbüro, welches der Grundstein der heutigen weltweit agierenden Unternehmensgruppe ist. 1972 begann mit der Einweihung des Fertigungs- und Bürokomplexes im gerade erschlossenen Grünberger Industriegebiet und der Übernahme der Geschäftsführung durch Dirk Christian Bender ein neues Kapitel der Firmengeschichte. 1983 gründete er gemeinsamen mit dem damaligen Geschäftsführer Wolfgang Hofheinz die Tochterfirma Bender Incorporated in Philadelphia, USA. 1991 entstand eine hochmoderne Fertigungsstätte in Siersleben (Sachsen-Anhalt). 2007 erfolgte die Übergabe der Firma an die Kinder Sabine Bender-Suhr, Christian Bender jr., Anne Katrin Römer und Dorothea Bender.

Der rasante Aufschwung hält an, auch in Zeiten von Corona. Das hat auch etwas mit dem Erfindergeist der Mitarbeiter zu tun. Zwei davon erzählen, wie das ist in der Firma, die "irgendwas mit Strom" macht. Im großzügigen Foyer warten Winfried Möll und Dieter Hackl auf den Mann von der Zeitung. Der hat sich verspätet, aber die beiden Männer im besten Alter bleiben gelassen. Sie sind selbstbewusst, verweisen auf allerlei zukunftsweisende Ideen im Haus, die mit Patenten belohnt wurden. Man spürt: Möll und Hackl sind stolz auf ihre Kollegen, die Firma und die Familie. Damit ist mal die Belegschaft gemeint, mal die Familie der Eigentümer, die Benders eben.

Die Frühwarner

Hackl gehört zum Inventar, ist mehr als 30 Jahre bei Bender tätig, ist Bereichsleiter "Standards und Innovation". Damit wacht er über Erfindungsmeldungen, Gebrauchsmuster und Patente. Möll ist seit zehn Jahren im Haus, in der Geschäftsführung ist er zuständig für Entwicklung, Innovation und Produktion.

Was macht denn Bender nun mit dem Strom? Hackl zitiert den Werbeslogan des Unternehmens: "Wir machen Strom sicher. Und das ist es eben auch. Und zwar nicht nur in Krankenhäusern, sondern überall da, wo Strom gebraucht wird."

Möll ergänzt: "Jeder kennt den FI-Schalter. Wenn irgendwo ein Fehlerstrom fließt, dann löst er aus: zack, das Haus ist dunkel. Bei uns ist das etwas anders. Bei industriellen Anwendungen kann man den Strom nicht einfach abschalten. Wir messen deshalb sehr präzise den Fehlerstrom. Bevor es klick macht, geben wir Warnmeldungen heraus - es fängt an, gefährlich zu werden. Dann kommt ein Techniker und löst das Problem. Wir sind die Frühwarner. Die, die abschalten, sind andere."

Mit den Patenten ging es bei Bender eigentlich erst 2010 richtig los, als Möll kam. "Viele gute Ideen gab es schon vorher, Erfindungen, die patentwürdig waren. Aber man hat sie sich nicht sichern lassen. Das haben wir geändert", sagt Möll. Seit 2010 wurden nun mehr als 100 Patente angemeldet. "Erfindungsmeldungen sind zunächst ein interner Prozess", ergänzt Hackl. "Wenn ein Mitarbeiter eine Idee hat, muss sie grob skizziert werden. Die Vorschläge können intern bleiben, es kann aber auch ein Patent beantragt werden." Möll: "Das ist dann ein langer Prozess: Bis aus der Idee ein Patent wird, dauert es bis zu drei Jahre, manchmal auch länger. Um sich Dinge schneller absichern zu lassen, kann man sich die Erfindung als Gebrauchsmuster sichern lassen, das dauert bis zu einem Jahr."

Was begründet den Erfolg der Firma Bender? Gibt es eine besondere Firmenphilosophie? Kurzes Schweigen. Dann sagt Möll: "Philosophie ist ein großes Wort. Wir richten den Blick sehr stark auf die Mitarbeiter, wir möchten zufriedene, motivierte Mitarbeiter, die sich wohlfühlen. Wir möchten ein innovatives Umfeld bieten. Ich weiß nicht, ob das eine Philosophie ist, aber sicher ein Erfolgsrezept." Hackl ergänzt: "Doch, das ist eine Philosophie. Ideen entstehen nur, wenn es gewisse Freiheiten und Zufriedenheit gibt."

Und die Familie Bender? Möll: "Hat Großes geleistet. Walter Bender war ein genialer Erfinder, sein Sohn Dirk hat die Firma groß gemacht, die dritte Generation hat sie internationalisiert und professionalisiert. Die neuen Gebäude sind eine Investition in die Mitarbeiter. Die Familie hätte sich auch eine Jacht kaufen können. Aber das Geld wird hier nicht verprasst, es wird investiert. Darüber hinaus engagiert sich die Familie auch sozial, spendet viel. Ich sag mal so: Die Firma ist ein Leuchtturm in Grünberg."

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