Maulkorb für bissigen Esel

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Gießen/Schlitz (sha). Es mag an der knallorangen Farbe gelegen haben. Esel Vitus biss im vergangenen September herzhaft zu. Und das gleich zweimal. Allerdings schlug das Tier seine Zähne nicht etwa in eine saftige Karotte, sondern in einen Luxussportwagen der Marke McLaren. Ein teures Vergnügen für den Besitzer des Tieres: Die Haftpflichtversicherung eines Vereins aus dem osthessischen Schlitz muss nun die Kosten für Lackschaden und Prozess – rund 6000 Euro – übernehmen. Das entschied am Donnerstag Klaus Lang, Vorsitzender Richter der Vierten Zivilkammer am Gießener Landgericht. Die Besitzer wollen Vitus nun einen Maulkorb anlegen.

Gießen/Schlitz (sha). Es mag an der knallorangen Farbe gelegen haben. Esel Vitus biss im vergangenen September herzhaft zu. Und das gleich zweimal. Allerdings schlug das Tier seine Zähne nicht etwa in eine saftige Karotte, sondern in einen Luxussportwagen der Marke McLaren. Ein teures Vergnügen für den Besitzer des Tieres: Die Haftpflichtversicherung eines Vereins aus dem osthessischen Schlitz muss nun die Kosten für Lackschaden und Prozess – rund 6000 Euro – übernehmen. Das entschied am Donnerstag Klaus Lang, Vorsitzender Richter der Vierten Zivilkammer am Gießener Landgericht. Die Besitzer wollen Vitus nun einen Maulkorb anlegen.

Dabei hatte sich die Versicherung zunächst gesträubt, diese Summe zu berappen. Das wollte der Fahrer des Luxussportwagens, Markus Zahn, allerdings nicht hinnehmen und klagte. Er habe an jenem Septembertag nur schnell eine Krankenkassenkarte bei einer Arztpraxis abgeben wollen, berichtete der 50-Jährige vor Gericht.

Vor Schreck Vorwärtsgang verfehlt

Um anschließend weiterzufahren, wendete er seinen gut 300 000 Euro teuren Sportwagen. Dabei fuhr der Unternehmer rückwärts in einen Schotterweg hinein. Dort befand sich eine Koppel. Plötzlich habe sein Auto "geruckelt", schilderte Zahn. Er habe sich umgedreht und gesehen, dass ein Esel seinen Kopf über den Maschendrahtzaun der Koppel in Richtung der Karbonkarosserie reckte. "Ich wollte vorwärts wegfahren", sagte der Kläger. Vor lauter Aufregung habe er jedoch "aus Versehen die Warnblinkanlage betätigt". Das genügte weder, um den 650-PS-Boliden nach vorne zu bewegen, noch ließ sich Esel Vitus davon beeindrucken. Im Gegenteil: Das Tier biss ein zweites Mal zu. Der Esel habe "den ganzen Zaun nach vorne gedrückt".

Rechtsanwalt Thomas Cichon, der die Haftpflichtversicherung von Vitus’ Besitzer vertrat, wollte wissen, ob Zahn den Esel bereits beim Zurücksetzen in den Schotterweg gesehen habe. Der Unternehmer verneinte dies. Das Tier sei ihm erst aufgefallen, als sein Auto durch den ersten Biss zu ruckeln anfing. Auch Zahns damaliger Beifahrer betonte, den Vierbeiner nicht bemerkt zu haben, bis dieser den linken hinteren Kotflügel des McLaren attackierte. "Und es war kein alter Kratzer, den Sie jetzt dem Esel unterschieben wollen?", fragte Richter Lang. "Nein, das ist ein Auto, das man sich häufiger anschaut – der Kratzer war neu", bekräftigte der Zeuge.

Auch Mercedes auf Speiseplan

Im Laufe der Verhandlung machte Rechtsanwalt Cichon dem Sportwagenfahrer ein Angebot: Die Versicherung werde die Hälfte des Schadens von gut 5000 Euro übernehmen. Das genügte Zahn jedoch nicht. Er pochte auf eine Entscheidung des Gerichts.

Die fiel eindeutig aus. Der Esel hat den Schaden verursacht. Und weil das Tier zubiss, während des Auto rangierte, muss die Versicherung von Vitus’ Halter den Schaden übernehmen. Anders wäre es gewesen, wenn Zahn seinen Sportwagen vor der Koppel geparkt hätte – in so einem Fall hätte ihn eine Mitschuld treffen können.

Der erfolgreiche Kläger nahm die Sache mit Humor: "So etwas Blödes kann eigentlich gar nicht passieren", sagte er gegenüber den zahlreich erschienenen Medienvertretern. Und Vitus? Der wird so schnell keine Luxusfahrzeuge mehr anknabbern. Nachdem das Tier vor dem McLaren schon in einen Mercedes gebissen hatte, bekam es nun von seinen Besitzern einen Maulkorb verpasst, teilte der Richter mit.

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