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Szenen der Prügelei am Freitagabend in Nidda zwischen Spielern und Zuschauern aus einem Video, das in den Sozialen Medien kursiert.

Prügelei

Massenschlägerei bei Hallenturnier: Insider erläutert Vorgeschichte

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Hinter Kung-Fu-Tritten, Kopfnüssen und Keilereien beim Büdinger Futsal-Cup in Nidda steckt ein "Integrationsexperiment" des Hungener Stadtteils Rodheim.

  • Heftige Szenen bei Futsal-Turnier in Nidda
  • Rudelbildung, Kopfnüsse, Jagdszenen
  • Harte Strafen nach Massenschlägerei erwartet

Eklat beim Büdinger Futsal-Cup. Nach einer wüsten Schlägerei werden der VfB Rodheim/Horloff und die SG Büdingen vom Turnier ausgeschlossen. Harte Strafen drohen beiden Klubs. Im Dickicht diffuser Aussagen begeben wir uns auf die Suche nach dem vermutlichen Auslöser des Eklats und schildern die bemerkenswerte Vorgeschichte des VfB Rodheim/Horloff.

Der Auslöser: Am späten Freitagabend schießt die SG Büdingen in der Zwischenrundenpartie des Büdinger Futsal-Cups in Nidda das 2:1 gegen den VfB Rodheim/Horloff. Beim anschließenden Fairplay-Anstoß, der beim Futsal üblich ist, spielt der Büdinger Spielertrainer den Ball fester als gewöhnlich zurück - die VfB-Akteure fühlen sich provoziert. Kurz darauf kommt es zur Rudelbildung, Kopfnüsse werden verteilt, Fäuste fliegen. Schiedsrichter Volker Höpp (Dauernheim) verteilt drei Rote Karten: an den Rodheimer Keeper, der laut Augenzeugen in "Oli-Kahn-Manier" mit einem Kung-Fu-Tritt in die Spielermenge gesprungen sein soll, an einen weiteren Rodheimer Akteur und an den Büdinger Schlussmann.

Die Folge: Nachdem sich die Situation durch den Spielabbruch zu beruhigen schien, soll ein Rodheimer Akteur am Rande der Tribüne einen Kommentar in Richtung Büdinger Zuschauer abgegeben haben. Daraufhin rannten mehrere Zuschauer auf die Spielfläche, Auseinandersetzungen mit Schlägen in Wild-West-Manier sind die Folge. Das wird in einem im Internet kursierenden Video deutlich.

Der Polizeibericht: Von der Polizeidirektion Wetterau wurde gestern Nachmittag ein Bericht verfasst, in dem dargelegt wird, dass drei Streifen nach einem Notruf gegen 22.40 Uhr zur Halle "Am Heiligen Kreuz" in Nidda vorfuhren. Als die Polizisten eintrafen, "hatte sich die Lage offenbar wieder beruhigt. Niemand schlug sich mehr, niemand gab sich als Geschädigter oder Zeuge zu erkennen, um die Ordnungshüter über das zu informieren, was sich zugetragen hatte. Eine Rückfrage bei der Turnierleitung ergab, dass sich Spieler zweier Mannschaften aus Rodheim und Büdingen im Spielverlauf in die Haare gerieten. Beide Teams habe man daraufhin vom Turnier ausgeschlossen. Die Spieler hätten die Halle bereits verlassen und seien nicht mehr vor Ort." (Update: VfB Rodheim nach Prügel-Eklat: "Schwierigste Entscheidung der Vereinsgeschichte")

Massenschlägerei bei Hallenturnier: Beide Teams ließen sich provozieren

Die Vorgeschichte: Ein Vorstandsmitglied des VfB Rodheim, das nicht genannt werden will, erklärte gestern auf Nachfrage: "Das Integrationsexperiment ist schief gelaufen." Sechs Jahre lang stellte der VfB keine Fußballmannschaft - im vergangenen Frühjahr trat eine Gruppe türkischstämmiger Fußballer an den Verein heran. "Sie fragten, ob sie unter unserem Namen am Spielbetrieb teilnehmen könnten. Nach einigen Beratungen haben wir dem trotz Bedenken zugestimmt. Sie konnten Sportheim und Sportplatz mieten, wir haben den Namen zur Verfügung gestellt. Ansonsten sollten sie sich komplett selbst organisieren", erklärt das Vorstandsmitglied. "Es ist sozusagen ein Verein im Verein. Bei den B-Liga-Spielen, wo ich vertreten war, gab es bisher keine außergewöhnlichen Probleme. Als wir dieser Kooperation zugestimmt haben, da sind wir verschiedene Szenarien durchgegangen. Aber dass so etwas passiert, das konnte sich niemand vorstellen." Die Verantwortung trägt letztlich der Verein - der Rodheimer Vorstand tagt am Dienstag und will sich erst danach öffentlich äußern.

Das Aufeinandertreffen in der Halle: Auch dem Kader der SG Büdingen sollen viele türkischstämmige Spieler angehören. Büdingens Spielausschuss-Vorsitzender Kim Richter räumt ein: "Wir haben aus der Vergangenheit nicht den besten Ruf, uns aber zuletzt von einigen Spielern getrennt und seitdem Ruhe. Wir bedauern den Vorfall in Nidda." Auf die Frage, welchen Einfluss das Aufeinandertreffen genau dieser beider Teams gehabt habe, erklärt Richter: "Wir wissen, dass sich Spieler aus diesem Kulturkreis leicht provozieren lassen und bei Beleidigungen häufig ein Schalter im Kopf umgelegt wird. Aber ich kann unseren Spielern in diesem Fall keinen Vorwurf machen - sie hätten sich ruhiger verhalten können, aber die Rote Karte gab es für ein Schubsen, die Zuschauer, die auf den Platz gestürmt sind, waren keine Vereinsmitglieder."

Einen Kontakt zur türkischstämmigen Mannschaft des VfB Rodheim wollte der Vorstand nicht herstellen - auch Büdingens Kreisfußballwart und der Vorsitzende des Kreissportgerichts waren nicht zu erreichen.

Das Nachspiel: Beide Mannschaften müssen nun mit harten, folgenschweren Strafen durch die entsprechenden HFV-Gremien rechnen. Die Polizei bittet Augenzeugen um Hinweise: "Zuschauer und Spieler, die als Zeugen der Vorkommnisse in Frage kommen, werden gebeten, sich mit der Polizei Büdingen, Tel.: 06042/9648-0 in Verbindung zu setzen. Ebenfalls bittet die Polizei Personen, die die Auseinandersetzung mit dem Handy filmten, das Videomaterial für die Ermittlungen zur Verfügung zu stellen."

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