Marburger Polizei-Oldtimer brausen durch deutsche Filme

Marburg (dpa). Etwas Hollywood-Flair im beschaulichen Marburg: Das dortige Polizeioldtimer-Museum verleiht in letzter Zeit reihenweise Wagen an Filmproduktionen.

Jüngster Deal: Der dunkelgrüne VW-Bulli T1 von 1964 spielt im neuen »Werner«-Film »Eiskalt« in den Realszenen mit (Kinostart: 23. Juni). Rötger Feldmann alias Brösel - Erfinder des Comic-Helden - ist von dem kleinen Bus begeistert. »Ich habe ihn während des Drehs selbst fahren dürfen und ich sach Euch Leute, das Ding ging ab wie Hölle!«, meint er. »Der Wagen hat sich bestimmt gefreut, dass er mal wieder richtig Gummi lassen konnte!«

Museumssprecher Eberhard Dersch (52) meint: »«Werner» ist schon ein Highlight. Normalerweise werden unsere Wagen eher für historische Kriminalfälle gebucht - häufig für RAF-Filme.« Von jedem Film, in dem eines der fast 80 Fahrzeuge mitwirkt, bekommt er eine DVD-Kopie. Und etwas Geld. Das wird reinvestiert in das ehrenamtlich betriebene 1. Deutsche Polizeioldtimer-Museum. Es öffnet nur einmal im Monat, jetzt wieder am 19. Juni von 11 bis 17 Uhr. Gegründet wurde es 2000 auf einem ehemaligen Bundeswehr-Gelände mit Unterstützung des Innenministeriums.

Hauptkommissar Dersch geht durch eine der Ausstellungshallen und zeigt auf einen Opel Blitz (1959): »Hier hinten drin saß mal Corinna Harfouch als gefangene Vera Brühne.« Ein riesiger Gefangenen-Bus von Neoplan (1994) war bereits in der RTL-Serie »Alarm für Cobra 11« im Einsatz. Hier noch ein Wagen, der in der Komödie »Pornorama« mit Benno Fürmann mitspielte, und dort einer, der in der Verfilmung der Oetker-Entführung (»Der Tanz mit dem Teufel«) zu sehen war.

Ein Panzerfahrzeug Thyssen Rheinstahl UR 416 (1977) mit Löchern zum Hinausschießen und Metall-Schild vorne trat in einem Werbespot für »West«-Zigaretten auf. Und der Wasserwerfer 4 von Mercedes-Benz (1974) kam in dem Film »Kelly/Bastian - Geschichte einer Hoffnung« vor. Dersch, der die Wagen meist mit Kollegen zum Set fährt, musste als Komparse ran: »Da haben wir die Stuntmen richtig weggeblasen.«

Aktuelles Filmprojekt: »Gerade sind wir in Köln bei Dreharbeiten mit Senta Berger.« Ein WDR-Drama und wieder einmal eine Anfrage zur RAF-Thematik. So kommt auch im Edersee-«Tatort« mit Ulrich Tukur und Martina Gedeck als RAF-Aussteigerin in den Rückblenden ein Marburger Ausstellungsstück vor. »Im »Baader-Meinhof-Komplex« waren fünf Autos von uns - zum Beispiel ein Opel Rekord und ein Käfer«, sagt Dersch.

Gepanzerte Limousine von Johannes Rau

Noch kein Film - aber quasi ein Politstar ist der neueste Zugang: Eine gepanzerte Mercedes-Limousine von Johannes Rau aus seiner Zeit als NRW-Ministerpräsident. Eine Spende des nordrhein-westfälischen Innenministeriums und noch in gutem Zustand. Andere Wagen kauft das Museum fast nur noch mit Schrottwert an, zum Beispiel übers Internet. Manchmal dauert es vier bis fünf Jahre, ehe sich Zeit und Geld finden, sie zu restaurieren. Das gilt etwa für den BMW 501 »Barockengel« und einen Porsche B5 356 - beide Baujahr 1964. Und beide stehen ohne Scheiben und Lack in der vereinseigenen Werkstatt. Die Filmengagements sind nur ein Nebengeschäft des Museums. Eine Krad-Polizeistaffel fährt bei Events Pyramiden oder man nimmt teil an Oldtimerfahrten. Dersch: »Wir verstehen uns als rollendes Museum.«

Und welche Rolle spielt eigentlich der VW-Bus in dem fünften »Werner«-Film? »Das ist der Museums-Bulli der dienstbeflissenen Polizisten Helmut und Bruno, den Brösel sich »ausleiht«, um rechtzeitig zum großen Showdown - dem Brösel-Gedächtnisrennen - zu gelangen«, erklärt Rötger Feldmann. Dersch sagt, man sei »auf jeden Fall stolz«, dass der Bus in dem Kult-Streifen mitspielt. Allerdings habe man ihn mit »kleinen Beschädigungen« zurückbekommen.

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