Gut markiert: Der Lahnwanderweg bei Wetzlar.
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Gut markiert: Der Lahnwanderweg bei Wetzlar.

Vom Dom zum Märchenschloss

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Hier ist Romantik angesagt: Wo einst der Dichterfürst Goethe für seinen weltberühmten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" inspiriert wurde, beginnt die Wandertour, und sie führt zu einem wahren Märchenschloss.

Die unglückliche Liebe des Rechtspraktikanten endet mit seinem freiwilligen Tod. Das tragische Schicksal Werthers - die fiktive Verarbeitung eigener Erfahrungen mit der realen Charlotte Buff, wenngleich ohne Selbstmord - machten Johann Wolfgang von Goethe weltberühmt - und mit ihm den Handlungsort Wetzlar.

Noch heute finden sich in der Goethe-, Dom- und Optikstadt Orte, die in dem Briefroman eine Rolle spielen, beispielsweise das Lottehaus. Darüber hinaus bieten das Palais Papius, das Museum des Reichskammergerichts, der Dom mit der schmucken Altstadt, der Optikparcours aus mehreren Museen oder das Viseum unterschiedliche Einblicke in die Geschichte und Gegenwart Wetzlars.

Besonderer Tipp: Wer deftiges Essen mag, sollte seine Brotzeit im Paulaner am Haarplatz einnehmen: bayerisch-rustikale Speisen und Getränke in einem echten Biergarten mit Selbstbedienung. Der Blick schweift unter Schatten spendenden Bäumen direkt auf das große Lahnwehr mit der Bootsrutsche und der alten Lahnbrücke sowie den imposanten Dom im Hintergrund. Romantikfaktor 10.

Geschützter Weinberg

Doch halt: Das alles muss man sich erst einmal verdienen. Zum Beispiel nach 13 Kilometern auf einer Etappe des Lahnwanderwegs nach Braunfels. Zunächst einmal geht es am alten Rathaus vorbei hinauf zur Ruine der Reichsburg Kalsmunt. Sie wurde vermutlich von Karl dem Großen um 785 errichtet und von Kaiser Barbarossa um 1180 ausgebaut. Sie diente dem Schutz Wetzlars und der "Hohen Straße", einer wichtigen Handelsverbindung von Köln nach Frankfurt.

Jetzt raus in Feld und Wald. Die Marschroute ist gut ausgeschildert. Im Wald geht es nun über einen Pfad mit einem kleinen Anstieg zum FFH- und Vogelschutzgebiet Weinberg. Die rund 180 Hektar große Kulturlandschaft wird von Schafen beweidet und bietet seltenen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Hunde sind hier an der Leine zu führen, was allerdings leider nicht jeder beachtet. Um den Weinberg zu schützen, wurde er 2012 an die NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe übertragen. Früher befand sich hier auch der Bundeswehrübungsplatz Magdalenenhausen, an den Hinweistafeln erinnern.

Weiter führt der Schotterweg an der ehemaligen Grube Amanda vorbei, einst das bedeutendste Bergwerk im Wetzlarer Revier. Am Waldrand entlang erreicht man den Aussichtspunkt Feldbergblick, der über Berg und Tal weit in den Taunus schauen lässt.

Erneut wechseln nun Wege durch den Wald und Feldbereiche. Tritt man dann am Ortsrand von Oberndorf unter den Bäumen hervor, kann man über den gegenüberliegenden Wipfeln schon die Türme von Schloss Braunfels erkennen. Das Ziel ist jetzt noch knapp zweieinhalb Kilometer entfernt und belohnt den Wanderer mit einer schönen Altstadt. Marktplatz und Fachwerkambiente laden zu einer stärkenden Rast ein, ehe man an einer Besichtigung des Schlosses teilnimmt.

Das imposante Gemäuer wurde schon mehrfach für Filmaufnahmen genutzt, beispielsweise 2008 für das TV-Märchen "König Drosselbart" und zuletzt im vergangenen Jahr für den Film "Max und die wilde 7" mit Uschi Glas und Günter Maria Halmer, der jetzt gerade in den Kinos angelaufen ist. Schloss Braunfels lässt sich auf verschiedene Weise entdecken. Ohne Führung kann man das fürstliche Familienmuseum besichtigen. Es ist eine Art Schatzkammer, die besondere Sammlungsstücke und viele persönliche Utensilien einzelner Familienmitglieder zeigt. Zu den aktuellen Öffnungszeiten unter Corona-Bedingungen informiert die Seite www.schloss-braunfels.de.

Keine Sorge wegen des Rückwegs. Von Braunfels aus fahren Busse nach Wetzlar. Wer noch einmal gute dreieinhalb Kilometer auf sich nehmen will, wandert zum Bahnhof im benachbarten Burgsolms und nimmt den Zug zurück in die Domstadt.

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