Machtprobe und klare Worte

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Von den Motorradkutten der "Hells Angels" ist am Mittwoch im streng gesicherten Saal des Frankfurter Landgerichts nichts zu sehen – sie sind verboten. Der Block der breitschultrigen und teils reichlich tätowierten Männer, der den langhaarigen Mann auf der Anklagebank mit Applaus, Winken und Siegeszeichen begrüßt, zeigt aber auch so Geschlossenheit. Im Prozess um eine blutige Fehde im Rockermilieu mit Schüssen am Himmelfahrtstag 2016 lassen es die etwa 50 Männer auf eine kleine Machtprobe ankommen: Demonstrativ bleiben sie sitzen, als Richter und Schöffen vor der Urteilsverkündung den Saal betreten. Im Zuschauerraum steht auch ein Dutzend teils schwer bewaffneter Polizisten.

Von den Motorradkutten der "Hells Angels" ist am Mittwoch im streng gesicherten Saal des Frankfurter Landgerichts nichts zu sehen – sie sind verboten. Der Block der breitschultrigen und teils reichlich tätowierten Männer, der den langhaarigen Mann auf der Anklagebank mit Applaus, Winken und Siegeszeichen begrüßt, zeigt aber auch so Geschlossenheit. Im Prozess um eine blutige Fehde im Rockermilieu mit Schüssen am Himmelfahrtstag 2016 lassen es die etwa 50 Männer auf eine kleine Machtprobe ankommen: Demonstrativ bleiben sie sitzen, als Richter und Schöffen vor der Urteilsverkündung den Saal betreten. Im Zuschauerraum steht auch ein Dutzend teils schwer bewaffneter Polizisten.

Eigene Regeln

Bärbel Stock, die Vorsitzende Richterin, lässt das Verhalten nicht durchgehen. Mit ruhiger Stimme wendet sie sich an die Männer jenseits der Glasscheibe, die Verhandlungssaal und Zuschauerraum trennt: "Alle aufstehen – so will es das Gesetz!" Erst dann erheben sich die muskulösen Männer nach und nach. Aber sie haben gezeigt, was die Richterin auch später in ihrer Urteilsbegründung noch zur Sprache bringt: Sie haben ihre eigenen Regeln.

Auf seine eigene Weise zeigt das auch der 57-jährige Angeklagte, der am Mittwoch unter anderem wegen versuchten Mordes, versuchten Totschlags, Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt wird. Kaugummi kauend und lachend hatte er seine Kumpel jenseits der Glasscheibe begrüßt, die Urteilsverkündung verfolgt der Mann, der bisher nicht vorbestraft war, ohne sichtbare Gefühlsregung und eher gelangweilt. Mit langen Haaren und Mittelscheitel wirkt er, im Vergleich zu den kräftigen Männern im Zuschauersaal, eher wie ein Langzeitstudent als ein Mitglied der Hells Angels.

Für das Gericht ist der Fall allerdings klar: Zusammen mit einer Gruppe von Freunden aus dem Milieu wollte der 57-Jährige am Himmelfahrtstag 2016 einem 41 Jahre alten Rivalen in der Frankfurter Innenstadt eine Abreibung verpassen, die verletzte Ehre des Charters nach Auseinandersetzungen mit der konkurrierenden Gruppe wiederherstellen.

Die Gruppe muss einen Tipp bekommen haben, wartete auf das spätere Opfer, das am folgenden Tag in seine serbische Heimat fliegen wollte – um somit womöglich für lange Zeit dem Zugriff der Rächer entzogen zu sein. Als der 41-Jährige in seinem weißen Geländewagen an einem Zebrastreifen warten musste, habe die im Straßencafé sitzende Gruppe das Auto von drei Seiten umzingelt, ein noch flüchtiger Mann eröffnete frontal das Feuer, der angeklagte 57-Jährige kam seitlich auf die Fahrerseite zu. Das aus drei Schusswunden blutende Opfer hatte zu diesem Zeitpunkt ebenfalls zur Waffe gegriffen, so das Gericht. Der 57-Jährige wurde durch einen Streifschuss leicht verletzt.

Der Angeklagte habe nach den Schüssen seines Komplizen "die Handlung vollenden" wollen, so das Gericht. "Er kam, um ihn zu töten." Die ganze Aktion sei ein "Akt der Selbstjustiz" gewesen, betont die Richterin, begangen in einer Parallelgesellschaft, die sich ihre eigenen Regeln macht. Mit dem kaltblütigen Vorgehen sei laut Gericht Angst und Schrecken unter den zufälligen Zeugen verbreitet worden. "Sie haben als Gruppe dazu beigetragen, dass der Ruf Frankfurts als Hauptstadt der Kriminalität weiterhin geprägt wird", so die Richterin.

Das Opfer der Schüsse hat nur knapp überlebt, leidet noch heute unter Schmerzen und Posttraumatischem Belastungssymptom. Am Rockerleben nimmt das vor der Auseinandersetzung von den Hells Angels geächtete Opfer nicht mehr teil.

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