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A. Osswald

Macher und Regierungschef

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Gießen/Wiesbaden (eb). Albert Osswald war ein Macher, ein Pragmatiker und ein Sozialdemokrat alter Schule. Er war ein Politiker, der viel für seine Heimatstadt Gießen und für das Land Hessen getan und erreicht hat. Auch die hessische SPD hat ihm viel zu verdanken. Heute vor 100 Jahren wurde Osswald in Gießen-Wieseck geboren. Aus diesem Anlass wird heute um 10 Uhr auf dem Friedhof in Wieseck im Beisein von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ein Kranz niedergelegt.

Nicht nur in Gießen ist Osswald unvergessen. Anlässlich des zwanzigsten Todestages des SPD-Politikers vor drei Jahren hatte der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel an die Verdienste Osswalds erinnert. Osswald trat als Nachfolger von Georg August Zinn in große Fußstapfen. Er füllte sie bald aus. War Zinn eher der typische Landesvater, zeichnete sich Osswald durch seine Macherqualitäten aus. Er war ein Pragmatiker.

Sein Engagement für das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft, das in der Gründung der nach ihm benannten Stiftung mündete, wirke bis heute durch die jährliche Verleihung des Hessischen Friedenspreises durch die Albert-Osswald-Stiftung fort, sagte Schäfer-Gümbel damals. Mit seiner modernen und innovativen Politik habe Osswald Hessen während seiner Regierungszeit vom Oktober 1969 bis zu seinem Rücktritt im Oktober 1976 geprägt.

Osswald führte nach seiner Amtsübernahme zunächst die SPD-Alleinregierung fort, musste aber nach Stimmenverlusten bei der Landtagswahl 1970 eine sozialliberale Koalition mit der FDP eingehen. 1975/76 amtierte er turnusgemäß als Bundesratspräsident. Osswald war neben seiner Funktion als Ministerpräsident auch Vorsitzender des Verwaltungsrates der Hessischen Landesbank (Helaba). Nachdem mehrere Details über finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der Helaba bekannt wurden, geriet Osswald in die Kritik. Am 3. Oktober 1976, dem Tag der Bundestagswahl, erklärte Albert Osswald nach Schließung der Wahllokale seinen Rücktritt als Ministerpräsident und übernahm damit die politische Verantwortung für den sogenannten Helaba-Skandal.

Seiner Popularität schadete das aber nicht. Denn mit Osswald wurden zahlreiche Projekte in seiner Heimatstadt und in ganz Hessen verbunden - wie die Kongresshalle in Gießen, der Gießener Ring, die Stiftung des Landesehrenbriefs sowie die Gründung des Hessenparks in Neu-Anspach. Während seiner Amtszeit wurde auch die Gebietsreform in Hessen durchgeführt. (Foto: dpa)

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