Lorz rät zu Gelassenheit

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Mehr als 55 000 Kinder werden in diesem Jahr in Hessen eingeschult. Doch die Corona-Pandemie nimmt den Einschulungen diesmal die Unbeschwertheit.

Schultüten, aufgeregte Kinder und stolze Eltern: Auch in Corona-Zeiten starten in Hessen ABC-Schützen in ihr Schulleben. Doch schon beim Thema Einschulungsfeier zeigt sich, dass die Erstklässler dieses Jahr einen anderen Schulalltag erleben werden als Generationen von Schülern zuvor.

Die Landesschülervertretung Hessen ist dennoch froh, dass das Schuljahr regulär beginnt. Geschlossene Schulen und improvisierter Online-Unterricht seien für viele Schüler ein großer Nachteil gewesen. Die nun neu eingeschulten Kinder könnten erst einmal ohne diese Nachteile ihr Schulleben beginnen, sagt der hessische Landesschulsprecher Dennis Lipowski. "Die erste Zeit in der Schule prägt die Kinder für ihr gesamtes Schulleben."

Auch Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hebt hervor, wie wichtig der Schulstart für die Kinder sei. "Wir müssen alle miteinander aufpassen. Aber trotzdem sollten wir die Ruhe bewahren und vor allem den Kindern kein Angstgefühl vermitteln von dem Schulbesuch, sondern das Gefühl, das Erstklässler brauchen: Schule ist was Schönes, was Tolles, ein toller neuer Schritt im Leben", sagte er. Dieses Gefühl dürfe man den Kindern nicht nehmen. Trotz möglicher Einschränkungen, die es vielleicht geben werde.

Rund 55 600 Kinder werden diese Woche in Hessen eingeschult. Das sind laut dem hessischen Kultusministerium 650 Erstklässler mehr als vergangenes Jahr. Rund 1160 reine Grundschulen gibt es in Hessen. Auch dort gelten nach den Sommerferien Hygienekonzepte und Abstandsregeln, um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern.

Viele setzen auf zeitversetzte Feiern

"Bei den Grundschulen ist es ein wenig einfacher als bei weiterführenden Schulen", sagt Jörg Leinberger, Vorsitzender des Verbandes der Lehrer (VDL) Hessen. Dort herrsche das Klassenlehrerprinzip und nicht das Fachlehrerprinzip. "Das heißt, die Klasse bleibt mehr als Gruppe zusammen. Dadurch ist die Gefahr des Ausbreitens geringer." Hundertprozentige Sicherheit könne es aber nicht geben. Bei der Einschulung gelte dann wie überall: Abstand halten. "Und es dürfen nur wenige dabei sein", sagt Leinberger. Viele Schulen setzten außerdem auf zeitversetzte Feiern, in einzelnen Zeitslots für jede Klasse. Schülervertreter Lipowski hofft dennoch auf schöne Feiern. "Die Einschulung ist ein großer Moment", sagt er. "Wenn man große Räume nutzt, geht es vielleicht auch ohne Masken." Dann sehe man wenigstens die Emotionen in den Gesichtern.

Für den Schulstart in Hessen gilt auf den Schulgeländen Maskenpflicht, nur am Platz im Unterricht darf die Maske abgelegt werden. "Die Maskenpflicht ist ein netter Plan, aber das wird in der Praxis nicht funktionieren", sagt Stefan Stein, Vertreter der Grundschulen des Landeselternbeirats Hessen. "Bei den Kleinen ist es schwer mit der Disziplin, die wollen spielen und fassen sich an."

Außerdem sollten sich die Kinder nicht an eine Normalität gewöhnen, die eigentlich keine ist. "Die Kinder müssen die Lehrer sehen, ihre Klassenkameraden kennenlernen, den Schulbetrieb erlernen." Den regulären Schulstart, auch für Erstklässler, befürwortet Stein aber. Dass die Schule wieder regelmäßig stattfinde, sei längst überfällig. "Sonst laufen wir Gefahr, dass wir nachhaltigen Schaden verursachen. Das wäre dann ein Schaden für eine ganze Generation." Die Elternschaft sei dennoch stark polarisiert. Einige wollten auf keinen Fall, dass die Schulen öffnen und sich und ihre Kinder vor einer Ansteckung schützen.

Für die Landesschülervertretung steht neben der gesundheitlichen Frage noch ein weiterer Aspekt im Vordergrund. "Man hat als Schüler sehr viel sein soziales Umfeld in der Schule", sagt Lipowski. "Vor allem bei den jüngeren Jahrgängen geht es auch verstärkt um den pädagogischen Aspekt und vielleicht weniger um den Lernfortschritt."

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